„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran.“ Was Udo Jürgens einst sang, das trifft heute auf die Kitzinger Karnevalsgesellschaft (KiKaG) zu.

Norbert Schober war gerade mal dem Säuglingsalter entwachsen, als die KiKaG von dem gebürtigen Kölner Hans-Joachim Schumacher gegründet wurde. Die Gründungssitzung fand am 26. Februar 1952 statt. Schumacher war es auch, der sieben Jahre später zum großen Narrentreffen nach Kitzingen einlud – der Startschuss für die Gründung eines Museums, das im Falterturm seine Heimat finden sollte. „Schumacher war ein Besessener in Sachen Museum“, erinnert sich Norbert Schober dankbar. „Städte wie Mainz oder Köln wären heute froh, sie hätten so eine Einrichtung.“

Schober trat im Alter von 20 Jahren dem Verein bei – und hat ihm die letzten 47 Jahre die Treue gehalten. Er war Sitzungs- und Vereinspräsident, hat Büttenreden für andere Redner geschrieben und selber etliche gehalten. Er hatte zusammen mit Hans-Hinrich Friese die Idee für den Schlappmaulorden und seither zusammen mit Volkhard Groß die jeweiligen Träger ausgewählt und kontaktiert. Er bereist auch heute noch in seiner Funktion als Bezirkspräsident des Fastnacht-Verbandes ganz Unterfranken, um die insgesamt 167 Mitgliedsvereine zu informieren und den Kontakt zu halten. Warum das alles? Norbert Schober muss bei dieser Frage schmunzeln. „Weil Fasching und die KiKaG nun mal ein Teil meines Lebens sind.“

In den Anfangszeiten war die KiKaG eher elitär. Mitglied des Elferrates zu werden, war nicht jedem vergönnt. Schober hatte Glück. Ein Elferrat ist kurzfristig erkrankt, der damals 20-Jährige durfte einspringen und auch gleich in der Bütt auftreten, zusammen mit Karlheinz Barreiss. Im Colosseum fanden die Prunksitzungen damals, Mitte der 70er Jahre, statt. „Das waren immer große Abende“, erinnert er sich.

Im Fränkischen Hof ist die KiKaG gegründet worden, im Saal, der später zum Roxy-Kino wurde. Dann ging es ins Colosseum. Als das nicht mehr zugänglich war, mussten die Faschingsfreunde eine dreijährige Pause einlegen. Dann wichen sie ins Deutsche Haus aus, später ins Dekanatszentrum. In diesem Jahr sind sie zum ersten Mal in der Florian-Geyer-Halle. Ein Wagnis, wie auch Norbert Schober meint. Klappt es mit der Technik? Passen Bühne und Beleuchtung? Wird der Funke überspringen? Vieles muss ausprobiert werden. Aber das ist die KiKaG gewohnt: Neue Wege gehen, etwas wagen, die Leute überraschen. So wie 1989.

„Städte wie Mainz oder Köln wären heute froh, sie hätten so eine Einrichtung.“
Norbert Schober, über das Fastnachtmuseum

Mit der Verleihung des Schlappmaulordens schrieb die KiKaG damals Geschichte. „Die Leute haben uns damals für verrückt erklärt“, erinnert sich Norbert Schober. Der erste Orden ging an „Die Kitzinger Zeitung“, dann wurden überregionale Preisträger gesucht und gefunden. Sportmoderator Bernd Heller war der zweite Preisträger, ihm folgte der damalige Postminister Wolfgang Bötsch. „Der absolute Türöffner war allerdings Hans-Dietrich Genscher“, erinnert sich Schober. „Das Beste, was uns passieren konnte.“ Spätestens da war der Schlappmaulorden überregional bekannt.

Im Jahr 2000 verliehen die Kitzinger Bundeskanzler Helmut Kohl den Orden – mitten in der Spendenaffäre. Es war für lange Zeit der einzige Termin, den Kohl annahm. Eine Kitzinger Delegation fuhr zur Überreichung extra nach Oggersheim – und erntete ein bundesweites Medienecho. Etliche Bundespolitiker und bekannte Fernseh- oder Radiomoderatoren folgten. Geziert hat sich keiner. „Jeder, den wir anfragten, hat sofort zugesagt“, versichert Schober. Manche haben sich sogar revanchiert, so wie Peter Gauweiler, der die Kitzinger zum Oktoberfest einlud und bewirtete.

Gute Jahre hatte die KiKaG, aber auch ein paar Klippen zu überwinden. Schober erinnert sich mit Schrecken an die Sitzung im Jahr 1991 zurück, als im Irak der Golfkrieg tobte. Im Saal herrscht beste Stimmung als die Polizei eintraf. Bombendrohung, alle Mann sofort raus. Im ehemaligen Jugendhaus, schräg gegenüber hatte die KiKaG damals ein paar Zimmer gemietet. „Dort haben wir die Leute hingebracht“, erinnert sich Schober. Nach einer Stunde war das Dekanatszentrum wieder freigegeben. Falscher Alarm. „Kaum einer ist heim“, erinnert sich der 67-Jährige. „Und wir haben es geschafft, die Stimmung wieder hochzubringen.“

Im Jahr 2000 trat Schober als Präsident zurück. Kurz danach nahm er seine Arbeit im Fastnachtverband auf, ist als Bezirkspräsident unter anderem für die Kommunikation innerhalb der rund 320 organisierten Vereine zuständig. Eine Faschingsfreie Zeit kennt der gebürtige Rhöner deshalb auch nicht. Nach Aschermittwoch starten die ersten Tanzturniere, dann lädt er die insgesamt 167 Mitgliedsvereine zu sieben Regionaltreffen im gesamten Bezirk ein. Im Sommer muss schon die nächste Session vorbereitet werden.

In diesem Jahr ist es eine ganz Besondere, die 66. Die KiKaG hat das bereits mit einem Galabend gefeiert und fiebert jetzt der Jubiläumssitzung an Rosenmontag entgegen. Etliche Prominenz hat sich angesagt. Barbara Stamm erhält den Orden 2018, Wolfgang Bosbach wird die Laudatio halten. Die FDP-Größen und ehemaligen Ordensträger Wolfgang Kubicki und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger haben sich angesagt. Für beste Stimmung wird unter anderem Michl Müller sorgen, der den Orden 2011 umgehängt bekam.

66 Jahre und völlig sorgenfrei? Ganz so ist es nicht, wie Norbert Schober zugibt. Die Nachwuchsgewinnung sei in Städten wie Kitzingen nicht so einfach wie in manchen Dörfern – „wo der Zusammenhalt einfach größer ist.“ Der Verein müsse allerdings verstärkt auf die Jugend setzen, eine gute Mischung aus Akrobatik, Tanz und Bütt anbieten, um Interessierte anzulocken. Dann müsse niemand Angst vor der Zukunft haben. Oder, wie es Udo Jürgens ausdrücken würde: „Mit 66 Jahren ist noch lang noch nicht Schluss.“

Karten für die Rosenmontagssitzung in der Florian-Geyer-Halle ab 18.33 Uhr mit der 34. Schlappmaulordenverleihung gibt es noch! In der Buchhandlung Schöningh in Kitzingen.