Lebendig ist untertrieben. Gabriele Brunsch sprüht vor Unternehmungslust und Vorfreude. Auch wenn ihr überraschend zwei Hände abhanden gekommen sind.

Seit 2003 gibt es das Papiertheater Kitzingen, seit 2006 ist es in der Grabkirchgasse in der Kitzinger Innenstadt beheimatet. Seit November 2014 ist Helga Kelber nicht mehr an Bord. „Das kam für mich sehr überraschend“, bedauert Gabriele Brunsch. Mehr als zehn Jahre hatten die beiden Damen zusammen geholfen, Stücke inszeniert und aufgeführt, einander gestützt. „Es war ihr irgendwann zu viel Arbeit“, erklärt Brunsch. Ans Aufgeben hat sie trotz dieses Verlustes keinen Gedanken verschwendet. Viel zu sehr hängt ihr Herz am Papiertheater und an ihrer Bühne „Der blaue Schleier.“

„Sie waren so etwas wie der Fernsehapparat des 19. Jahrhunderts.“
Gabriele Brunsch über die Miniaturbühnen

Um 1810 entstanden die Miniaturbühnen in Deutschland und England. Vorläufer waren die Papierkrippen. Vor allem in großbürgerlichen Familien wurde das Papiertheater zu einem Teil des täglichen Lebens. „Sie waren so etwas wie der Fernsehapparat des 19. Jahrhunderts“, erklärt Brunsch. Spätestens mit der Erfindung des echten Fernsehapparates verschwanden die Papiertheater aus den Wohnzimmern. Aber nicht aus den Gedächtnissen der Menschen. „In ganz Europa wird heute noch Papiertheater gespielt“, berichtet die ehemalige Lehrerin an der Kitzinger Hauptschule. Festivals locken tausende Besucher an. Die Faszination Papiertheater beschreibt Brunsch so: „Ich male ein Buch, lese daraus vor und dann fangen die Bilder an, sich zu bewegen. Die Fantasie nimmt ihren Lauf.“

1998 hatte die 65-Jährige das erste Mal Kontakt mit dem Papiertheater, als in Marktbreit eine Ausstellung mit dem Thema „Die Räuber im Wohnzimmer“ lief. Zusammen mit der Organisatorin und Sammlerin antiker Papierkunst, Dorothea Reichelt, und ihrer Freundin Helga Kelber realisierte sie daraufhin ihre erste Inszenierung: Der fliegende Holländer. Drei Jahre führten die Frauen dieses Stück in ganz Deutschland auf, dann sollte etwas Neues entstehen. Etwas Eigenes.

Gabriele Brunsch hat sich schon als Kind mit dem Theater identifiziert. 1958 ist sie von Kärnten nach Gelsenkirchen gezogen. Und dort ging es gleich in die Theatergruppe des neu gebauten Hans-Sachs-Theaters. Schauspielerin wollte sie allerdings nie werden. „Ich habe immer beobachtet, was im Hintergrund passiert“, erinnert sie sich. Später, als Lehrerin, hat sie immer wieder Theaterstücke mit den Schülern inszeniert und arbeitet auch für Laienbühnen. Für das Papiertheater kann sie alle ihre Fähigkeiten einsetzen: Malen, Texten, Sprechen, Organisieren, Stimmungen erzeugen.

Zehn bis 15 Zentimeter groß sind die Figuren, die Brunsch in Kleinstarbeit auf Aquarellpapier zeichnet. Alleine für den Froschkönig, den sie ab dem 17. Januar wieder zeigt, braucht sie zehn verschiedene Kulissen. Den Text hat sie eingesprochen, die Lichteffekte muss sie, genau wie die Figuren, von Hand steuern. „Jeder Handgriff muss passen“, sagt sie. Und jetzt erst recht. Schließlich fehlen ihr seit November die zwei Hände von Helga Kelber.

Es geht weiter: „Der Froschkönig”(Märchen für Erwachsene und Kinder ab sieben Jahren) läuft am Samstag, 17. Januar, Sonntag, 18. Januar, Samstag, 24. Januar, Sonntag, 25. Januar, Samstag, 31. Januar, und Sonntag, 1. Februar, jeweils ab 17 Uhr. Reservierung und weitere Informationen unter www.papiertheater-kitzingen.de