Sommerliche Randnotizen (8): Im Sommer rast die Zeit besonders schnell. Wenn man nicht aufpasst, zack, ist der Sommer vorbei. Im Herbst passiert so etwas nie – der Herbst dauert gefühlt eineinhalb Jahre, die drei Erkältungen und den unendlichen November noch gar nicht mit eingerechnet.

Wie schnell beispielsweise die Fußball-EM vorbei war. Was leider auch für den Urlaub galt, weil der in der EM-Zeit lag. Alles schon gar nicht mehr wahr.

Aber irgendwie war es doch gut, dass diesmal Urlaub und EM zusammentrafen. Weil sich dazu perfekterweise noch der Strand von Usedom gesellte. Eine einmalige Kombination: Man sitzt am Strand und guckt auf Meer, wo sich eine Monster-Leinwand befindet, auf der die Spiele übertragen werden. Strandbesuch mit Fußball-Atmosphäre. Wahlweise auch Stadionbesuch mit Strandeinlage. Jedenfalls perfekt.

Wobei es lange fraglich war, ob es jemals eine glückliche Ankunft am Urlaubsort geben würde. Man fährt ewig lange mit der Bahn. Wenn man nicht mehr damit rechnet, taucht endlich Usedom auf. Da ist man allerdings noch nicht, jetzt geht die Reise im Grunde erst los. Umstieg in ein Inselbähnchen, das weitere qualvolle Stunden vor sich hin zuckelt.

Wobei das gleich so etwas wie Geschichtsunterricht ist: Es gab mal eine richtig schöne Bahnstrecke auf der Insel, die jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaut und nach Rußland gebracht wurde. Beim Neubau viele Jahre später reichte es dann im ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden nur für eine einspurige Kindereisenbahn.

Zum Glück endet bekanntlich jede Reise – auch die nach Usedom. Und irgendwann sitzt man dann am Strand, betrauert das Ausscheiden der deutschen Elf und merkt, dass sich Urlaub manchmal gar nicht so sehr vom Alltag unterscheidet – zumindest bei dem Pärchen im Nachbar-Strandkorb. E r (knurrig): Eigentlich ist Urlaub wie im Büro!“ Sie (entsetzt): „Hast Du einen Schatten? Wieso das denn?“ Er (triumphierend): „Naja, man sitzt herum, tut nichts und wartete auf das Mittagsessen!“ (Fortsetzung folgt)