„Wir wollen Musik-, Kabarett-, Buch- und überhaupt alle Kunstfreunde begeistern.“ Für Ulrike von Schultzendorff und das Team der Kulturgemeinde Castell ist die 1200-Jahrfeier des Ortes ein guter Grund, das ohnehin vielfältige Jahresprogramm noch einmal auszuweiten. Die Besucher dürfen sich freuen – auf Autor Paul Maar („Das Sams“), auf die Medlz“, eine der besten weiblichen A-Cappella-Bands in Europa, auf ein Theater-Picknick im Schlossgarten, auf das Kammerkonzert mit dem jungen, preisgekrönten „Apollon Musagete Streichquartett“. Und auf vieles mehr. Anna-Agnes Fürstin zu Castell-Castell – die Mutter des kürzlich verstorbenen Albrecht Fürst zu Castell-Castell – würde das mannigfaltige Programm wohl gefallen. Sie hat die Kulturgemeinde Castell 1950 als gemeinnützigen Verein gegründet. Es war ihr ein Anliegen, der Bevölkerung nach den Kriegsjahren wieder kulturelle Veranstaltungen zugänglich zu machen und gleichzeitig jungen Musikern Auftrittsmöglichkeiten zu geben.

1997 übernahm Hans-Adam von Schultzendorff von Anna-Agnes' Schwiegersohn Hans Wolf die Leitung der Kulturgemeinde. Er und seine Frau Ulrike, die sich um die Programmgestaltung kümmert, legen noch immer Wert darauf, dass junge Musiker engagiert werden. Die Kulturgemeinde arbeitet daher nicht nur eng mit dem Dekanatskantor des Dekanats Castell zusammen, sondern auch mit der Organisation „Life Music Now“, die Yehudi Menuhin, der große Violinvirtuose, ins Leben gerufen hat. Neben zwei Kammerkonzerten finden jährlich auch eine Autorenlesung sowie eine Theateraufführung und eine Kunstausstellung statt.

Frage: 14 Euro für Kabarett mit Birgit Süß, 18 Euro für die „Medlz“, fünf Euro für den Kinderkulturtag mit Paul Maar – bei diesen Preisen kann sich niemand beschweren. Aber kommt die Kulturgemeinde da auf ihre Kosten?

Ulrike von Schultzendorff: Die Eintrittspreise decken unsere Unkosten heuer nicht, aber wir haben zum Glück schon ein paar Sponsoren gefunden und Spenden von Fördermitgliedern erhalten. Wir wollen gerade im Jubiläumsjahr gern alle Facetten der Kultur bieten. Viele tolle Menschen werden bei uns zu Gast sein.

Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Schultzendorff: Ganz ehrlich: Ich freue mich wirklich auf alles – auf die Konzerte, das Theater mit den Schauspielern des Fränkischen Theatersommers, die Kleinkunst, die Autorenlesung, die Ausstellung der Casteller Künstler... Da ich klassische Musik sehr mag, sind natürlich die Konzerte zu nennen, allen voran unser Jubiläumskonzert mit dem Apollon Musagete Streichquartett – die vier jungen Männern wissen, wie man die Zuhörer begeistert! Zunächst aber freue ich mich erst mal auf das Wandelkonzert.

Wandelkonzert? Was ist das denn?

Schultzendorff: Das ist ein Konzerterlebnis, bei dem die Besucher wandeln – man könnte auch sagen lustwandeln. Drei verschiedene Ensembles musizieren am 29. Mai an drei historischen Stätten. Die in Gäste können nacheinander alle drei erleben: Im Schlosshof gibt es Jazziges für Posaune und Saxophon, im Weinkeller ein Harfe-Flöte-Duo und in der Kirche ein Streichquartett. An der Museumsscheune wird zwischendurch Kaffee, Kuchen und Wein serviert.

„Die Eintrittspreise decken unsere Unkosten nicht.“
Hans-Adam von Schultzendorff
Im Schlosshof schließt sich dann quasi der Kreis zur Kulturgemeindegründerin, Fürstin Anna-Agnes. Sie hatte zu den ersten Konzerten ja auch in den Schlosshof eingeladen.

Schultzendorff: Ja, das stimmt. Der Schlosshof war die Keimzelle der Kulturgemeinde. Anna-Agnes' Sohn, Fürst Abrecht zu Castell-Castell, war jahrzehntelang Mitglied im Vorstand. Nach seinem Tod haben wir erst überlegt, ob wir die Veranstaltung absagen sollen. Aber ich bin sicher, dass er das nicht gewollt hätte. Er hatte stets ein großes Herz für Musik und Kultur.

Gibt es neben dem Wandelkonzert noch andere Neuigkeiten?

Schultzendorff: Ja, den Kinderkulturtag. Den möchte ich fest in Castell etablieren, mit Spiel, Spaß, Theater, Buchvorstellungen – ich liebe Kinderbücher! Die Kinderkulturtag-Premiere am 9. Juli kann leider nicht im Schlosspark stattfinden, aber in und rund um die St. Johannes-Kirche wird für Kinder viel Spaß und Action geboten. Stargast sind Paul Maar und sein Sams.


Paradies. Und das. Und mehr. – Das Casteller Kulturprogramm

29. Mai: Wandelkonzert – Drei Ensembles musizieren an drei historischen Stätten in Castell: im Schlosshof (Jazziges/ Improvisationen mit Richard Roblee, Posaune, und Thomas Schramm, Saxophon), im Weinkeller (Klangzauber für Flöte und Harfe mit Martina Silvester und Feodora-Johanna Mandel (Foto: Fuchs) und in der Kirche (Baharova Quartett). Beginn: 16 Uhr, Schlosshof. Eintritt: 15 Euro (erm. 10 Euro) im Vorverkauf, 17 Euro an der Abendkasse.

3. Juli: Theater und Picknick im Schlossgarten – ab 16 Uhr Picknick, um 18 Uhr Beginn des „My Fair Lady“-Musicals mit dem Ensemble des Fränkischen Theatersommers (von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner nach der Komödie „Pygmalion“ von George Bernard Shaw). Eintritt: im Vorverkauf 17 Euro (erm. 12 Euro), Abendkasse: 19 Euro. Vorbereitete Picknickkörbe für 18 Euro (2 Personen) können per E-Mail vorbestellt werden.

9. Juli: Kinderkulturtag in und um die St. Johannes-Kirche mit Lesung des bekannten Kinderbuchautors Paul Maar sowie (bei trockener Witterung) Spaß und Spiel rund um das „Sams“. Beginn: 16 Uhr, Eintritt: 5 Euro.

Orgelkonzerte im Juli: Sonntag, 3. Juli, mit Martin Sturm aus Würzburg (Werke von J. S. Bach, W. Fr. Bach, Mendelssohn, Reger und Improvisationen, Eintritt: 10 Euro); Sonntag, 10. Juli, mit Gabriel Konjaev aus Georgien (Werke von Bach, Mendelssohn, Vierne u.a., Eintritt: 10 Euro) und Sonntag, 17. Juli, mit Kirchenmusikdirektor Reiner Gaar und Orgelschülern (Werke von Pachelbel, Telemann, Bach. Eintritt frei).

10./11. und 17./18. September Kunstausstellung im Rathaus: „Casteller Lagen – Von Spott bis Hohn-Art“ mit Casteller Künstlern (Hanna Reissinger, Richard Fuchs u.a.). Vernissage am 10. September, 16 Uhr, im Rathaus. 11./17./18. September von 14 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

9. Oktober: Jubiläumskammerkonzert in der St. Johannes-Kirche Castell mit dem Apollon Musagete Streichquartett“ (Pawel Zalejski, Bartosz Zachlod, Violine; Piotr Szumiel, Viola; Piotr Skweres, Cello). Programm: Sibelius: Andante festivo, Mozart: String Quartet in C Major K465 (Dissonanzen), Grieg: String Quartet g Minor D887. Beginn: 17 Uhr, Eintritt 15 Euro.

Kirchenkonzerte im Oktober: Sonntag, 2. Oktober, 17 Uhr, Konzert für Panflöte (Matthias Schlubeck) und Orgel (Ludger Janning), Eintritt 15 Euro, Karten gibt es im Pfarramt, Tel. 09325/ 97970. Sonntag, 16. Oktober, 17 Uhr, Chor- und Orchesterkonzert mit einem Streichquartett und dem Ensemble Musici Cantates von Reiner Gaar, Eintritt 15 Euro, Karten: Tel. (09325) 97970.

13. November: Kabarett im Gasthaus zum Schwan –„Paradies. Und das“ mit Birgit Süß. Beginn: 17 Uhr. Eintritt: 14 Euro im Vorverkauf (ab 24. September), 16 Euro an der Abendkasse.

18. Dezember: Adventskonzert in der Kirche, „Wenn es Winter wird“ mit den „Medlz“, einer der besten weiblichen A-Cappella-Bands Europas. Beginn 18 Uhr, Eintritt 18 Euro im Vorverkauf (ab 15. November).

Kartenreservierungen/ Infos: Tel. (0 93 25) 90 23 48, Mail: office@castell-kulturgemeinde.de, www.castell-kulturgemeinde.de