Rund 150 Schüler aus Marktbreit und Kitzingen der 9. und 11. Jahrgangsstufen sitzen im Saal der Alten Synagoge. Trotzdem herrscht Stille, die Blicke sind wie gefesselt zur Bühne gerichtet. Jeder spürt die bedrückende Schwere der Vergangenheit der Darsteller im Raum. Der Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen, der Arbeitskreis Ge(h)wissen Iphofen und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit hatten, anlässlich des gestrigen Holocaust-Gedenktages, zu zwei Vorstellungen des Stücks „Das Spiel von Dina und Jovan“ eingeladen.

Auf Augenhöhe präsentieren sie ihre Geschichte

Vor – und nicht auf der Bühne – führen Dina und Jovan Rajs die Schüler auf Augenhöhe durch ihre Kindheit zu Zeiten des Holocausts. Unterstützt werden sie dabei von den jungen Berliner Schauspielern Lisa Haucke und Joshua Engel. Mal verkörpert Lisa die junge Dina, die in diesem Moment ihre eigene Mutter spielt. Mal ist es umgekehrt. Das klingt verwirrend, wird es aber nie. Zu eindeutig sind die Szenen. Immer wieder wenden sich die Akteure an das Publikum, erläutern das Gesehene.

Direkt zu Beginn werden einige Schüler ins Spiel eingebunden: Die erste Szene spielt 1955 in Belgrad, wo ein jüdischer Jugendklub gegründet wird. Dort lernen sich Dina und Jovan kennen. Die anderen Jugendlichen dort werden von den Schülern verkörpert, die vor der Aufführung spontan Texte erhielten.

Beide verlieren viele Familienmitglieder

Dann springt die Geschichte an den Anfang der 40er Jahre. Dina flieht mit ihrer Familie 1942 aus dem kroatischen Ruma nach Budapest. Unter anderem Namen und anderer Religion versuchen sie zu überleben. Jovans Geschichte führt ihn aus seiner Heimatstadt Petrovgrad – das heutige Zrenjanin in Serbien – durch mehrere Arbeitslager wie Bergen-Belsen nach Theresienstadt. Beide verlieren viele Familienmitglieder, entkommen selbst mehrmals nur knapp dem Tod.

1945 erleben sie die Befreiung durch die Rote Armee. Doch die Heimat, die sie kannten, gibt es in dieser Form nicht mehr.

Am Ende steht die Liebe

Halt geben sie sich später gegenseitig, verlieben sich. „Viele haben sich, wegen des Erlebten, irgendwann umgebracht. Dina kennenzulernen hat mich gerettet“, erzählt Jovan. Eine Liebesgeschichte nach all dem Leid, die auch das junge Publikum hörbar rührt: Ein Seufzen geht durch den Raum.

Jovan habe den Tätern nie vergeben können. Aber er gibt den Schülern zum Abschluss noch mit auf den Weg: „Ein Verbrechen vererbt sich nicht.“