Man sieht ihm seine 75 Jahre nicht an. Konrad Müller ist ein sportlicher Mann. Der Iphöfer geht regelmäßig schwimmen, außerdem werkelt er oft im Garten. Schon seit längerem bekam er zwar immer mal wieder Herzrasen, „aber der Hausarzt hat gesagt, das ist nicht problematisch“. Am Sonntag vor zwei Wochen spürte er jedoch – mitten im Schwimmbad – plötzlich einen beklemmenden Schmerz in Brust und Rücken.

„Ich bin extra ein bisschen eher ins Schwimmbad gegangen, weil ich vor der Wassergymnastik ein paar Bahnen schwimmen wollte“, erzählt der Iphöfer. Aber schon nach wenigen Minuten bekam er ein seltsames Spannungsgefühl. „Ich hab dann ganz langsam gemacht. So ging's wieder weg.“ Eine Woche später wiederholte sich das Ganze, allerdings mit deutlich stärkeren Schmerzen und Druck auf Rücken und Brustkorb. Dazu kam Atemnot.

Wenige Tage danach setzte Müller sich daheim in Iphofen aufs Sofa, weil ihm nicht gut war. „Ohne Vorwarnung hab' ich auf einmal starke Schmerzen im Oberkörper gespürt.“ Zusammen mit seiner Frau entschied er: Wir holen den Notarzt.

„Das war das einzig Richtige“, stellt Dr. Wolfgang Karmann fest. Der Chefarzt der Kardiologie in der Klinik Kitzinger Land lobt seinen Patienten: „Herr Müller hat die Warnzeichen erkannt. Erst traten die Beschwerden unter Belastung auf, dann sogar in Ruhe.“ In solch einer Akutsituation müsse man schnell handeln, um einem Herzinfarkt vorzubeugen.

In der Kitzinger Klinik wurde der Iphöfer gründlich untersucht. Obwohl er kaum Risikofaktoren aufweist – er ernährt sich nicht ungesund, ist weder übergewichtig noch zuckerkrank, nicht gestresst, leidet nicht an Bewegungsmangel und raucht auch nicht mehr –, stellte sich heraus, dass er an einer koronaren Herzkrankheit leidet. Ablagerungen („Plaques“) in den Blutgefäßen rund ums Herz machen ihm zu schaffen. Eine drei Millimeter dicke Ader, die den Herzmuskel versorgt, lässt nur noch ganz wenig Blut durch. „Man kann sich das vorstellen wie bei einem Schlauch, der fast verstopft ist“, erklärt Karmann anschaulich.

Beseitigt man die Engstelle nicht, geht irgendwann nichts mehr durch. Konrad Müllers Ader wird deshalb schnellstens „repariert“: Mit Hilfe eines Katheders kann das Gefäß erweitert und gestützt werden, so dass der Iphöfer künftig keine Probleme mehr haben sollte. Dieser Eingriff unter örtlicher Betäubung wird bis jetzt noch in der Uni-Klinik Würzburg erledigt, doch Karmann geht davon aus, dass dies in ein bis zwei Jahren auch in der Klinik Kitzinger Land der Fall sein wird. Der Chefarzt hätte zu Beginn seiner ärztlichen Karriere in den 80er Jahren nicht zu träumen gewagt, dass es so schnell so große Fortschritte in der Kardiologie geben wird. „Die Infarktsterblichkeit ist in den vergangenen Jahrzehnten um 50 Prozent gesunken“, stellt er fest. „Das ist ein Riesenerfolg.“

Sowohl in der Diagnostik als auch in der Behandlung sind innovative Methoden zu Lebensrettern geworden. Seit einem Jahr gibt es in der Klinik Kitzinger Land beispielsweise die Kardio-MRT-Untersuchung. Dem Patienten wird ein Medikament verabreicht, das den Blutfluss erhöht – in gesunden Herzgefäßen. Gefäße mit Plaques können sich nicht weiten und den Blutfluss nicht steigern; die erkrankten Bereiche werden auf dem MRT-Bild deutlich sichtbar.

„Das ist eine sehr exakte Methode, die kaum Nebenwirkungen hat“, berichtet Assistenzarzt Dr. Julian Riemensperger. Gerade wenn unklar ist, ob eine koronare Herzkrankheit vorliegt, könne das MRT eine wertvolle Hilfe sein – zusätzlich zu anderen Verfahren, etwa der herkömmlichen Herzultraschalluntersuchung, mit oder ohne Belastungs-EKG, und zur Computertomograpie (CT).

Er und Karmann wollen allen Menschen Mut machen, das eigene Frühwarnsystem ernst zu nehmen, beispielsweise die „stillen Killer“ Bluthochdruck und Diabetes, und nicht zu vergessen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen – noch vor Krebs – weiterhin die Todesursache Nummer eins sind. 55 000 Deutsche sterben pro Jahr an einem Infarkt. „Wenn Infarkt-Anzeichen auftreten, ohne Zögern die 112 wählen!“, raten die Mediziner.

Programm fürs Herz

Seminar: „Herz in Gefahr“ ist der Titel des Arzt-Patienten-Seminars, zu dem Dr. Wolfgang Karmann, Chefarzt Innere Medizin und Kardiologie der Klinik Kitzinger Land, am Samstag, 14. November, von 9 bis 12 Uhr alle Interessierten in die Alte Synagoge einlädt. Experten erläutern die moderne Diagnostik und Behandlungsmethoden von koronaren Herzerkrankungen und bei Herzinfarkt. Der Eintritt ist frei.

Programm: Nach Dr. Karmanns umfassender Einführung in das Thema „Koronare Herzerkrankung“ erklärt Assistenzarzt Dr. Julian Riemensperger, wie moderne Magnetresonanz-Tomographie funktioniert: Seit einem Jahr gibt es in der „MainRadiologie“ an der Kitzinger Klinik diese schmerzfreie, nebenwirkungsarme Untersuchungsmethode, mit der man Durchblutungsstörungen des Herzens erkennt. Ab 9.50 Uhr beleuchtet Oberärztin Stefanie Held die Tatsache, dass Frauen andere Risikofaktoren haben als Männer. Christian Sommer (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst) erläutert, wie man auf akute Herz-Kreislauf-Störungen richtig reagiert. Nach der Pause stellt ab 10.

45 Uhr Björn Lengenfelder (Oberarzt der Uni-Klinik) neuartige Stents vor: Es gibt mittlerweile Gefäßerweiterer, die sich nach einiger Zeit von selbst auflösen. Ab 11.30 Uhr spricht Professor Ivan Aleksic über Neues aus der Herzchirurgie, zum Beispiel darüber, was heute mit Bypass-Operationen möglich ist.

Infos: www.herzstiftung.de