Die Fälle in Würzburg und Bad Kissingen sind durch die Presse gegangen. Junge Menschen rauchten Kräutermischungen und mussten anschließend in eine Klinik eingeliefert werden. Auch im Landkreis Kitzingen gab es vor kurzem zwei solcher Vorfälle. Polizei und Gesundheitsexperten warnen ausdrücklich vor dem Konsum dieser Kräutermischungen.

„Du weißt nie, welcher Wirkstoff tatsächlich in dem Päckchen ist und wie stark die Mischung ist.“
Holger Faust, Jugend- und Drogenberatung

„Das Thema taucht immer wieder einmal auf“, bestätigt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Kitzingen, Joachim Schinzel. Die zwei jungen Leute, die erst kürzlich in die Klinik eingeliefert werden mussten, hatten nach dem Konsum der Kräutermischungen über Herzrasen und Schnappatmung geklagt. Doch die körperlichen Symptome sind nicht das einzige Problem. Viel schwerer wiegen die psychischen Schäden.

Holger Faust ist der Leiter der Jugend- und Drogenberatungsstelle in Würzburg. Auch er spricht von steigenden Fallzahlen. Kein Wunder: Die Kräutermischungen sind schnell und einfach im Internet zu bestellen. Ein Klick und zwei bis drei Tage später sind die bunten Tütchen mit abenteuerlichen Namen wie „Lava Red“ oder „Manga Hot“ im Briefkasten. Natürlich werden sie nicht als Droge angeboten, sondern als Duftmischung, um die Raumluft zu verbessern. Oder als Badesalz. Doch in den Kräutermischungen sind synthetische Cannabinoide beigemischt. Und die sind gefährlich.

Mit „Spice“ nahm die Thematik im Jahr 2009 ihren Anfang. „Es hat ein halbes Jahr gebraucht, um den Wirkstoff nachzuweisen“, erinnert sich Faust. „Und noch einmal ein halbes Jahr, um die Droge rechtskräftig zu verbieten.“ Seither gleicht es einem Wettlauf, der sich im Kreis dreht: Ein Wirkstoff wird verboten, Kräutermischungen mit neuen Wirkstoffen kommen auf den Markt. Gerade junge Menschen probieren die neuen Angebote aus – mit verheerenden Folgen.

Im Landkreis Bamberg ist ein 14-Jähriger nach dem Konsum von Kräutermischungen aus neun Metern Höhe von einem Balkon gestürzt, in Bad Kissingen mussten mehrere junge Menschen mit schweren Bewusstseinsstörungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Auch sie hatten keine Kontrolle mehr über ihre Körper und sich bei Stürzen verletzt. Am Würzburger Heuchelhof hatte ein 15-Jähriger vor Unterrichtsbeginn eine Kräutermischung geraucht, musste sich übergeben und klagte über extreme Übelkeit. Auch er kam ins Krankenhaus.

Das Landeskriminalamt warnt vor den „Kräuter-Wundertüten.“ Die seien „irrsinnig gefährlich.“ Sie können Herz- und Kreislaufprobleme verursachen, manche Konsumenten kollabieren und ziehen sich bei Stürzen zum Teil lebensgefährliche Verletzungen zu. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg spricht von drei Todesfällen seit Ende 2013, die im Zusammenhang mit den Kräutermischungen stehen. Die Opfer hatten in der Regel einen Mix an Drogen zu sich genommen.

Weit mehr als 100 verschiedene Wirkstoffe sind mittlerweile im Umlauf. Für Holger Faust eines der großen Probleme. „Du weißt nie, welcher Wirkstoff tatsächlich in einem Päckchen ist und wie stark die Mischung ist, die du gerade rauchst.“

Eine körperliche Abhängigkeit, wie beim Alkohol, sei bei den Kräutermischungen eher unwahrscheinlich. Aber die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit ist groß. „Die Wirkung von einem Gramm Kräutermischung ist wesentlich stärker und gefährlicher als die Wirkung von einem Gramm Cannabis.“ Auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg warnt: Der Konsum dieser Substanzen kann zu intensiven Wahnvorstellungen und verheerenden Folgen führen.

Zum Konsumentenkreis gehören neben jungen Menschen, die neugierig auf Drogen sind, auch erfahrene Konsumenten, wie Holger Faust berichtet. Wer beispielsweise vorbestraft ist und regelmäßige Drogenscreenings als Bewährungsauflage hat, der kann mit den Kräutermischungen eine weitere Verurteilung umgehen. „Diese Mischungen sind strafrechtlich ganz schwer zu verfolgen“, bedauert Joachim Schinzel von der PI Kitzingen. Nur wenn die Inhaltsstoffe unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, kann auch eine Anzeige erstattet werden. Doch die Hersteller der Kräutermischungen versuchen, regelmäßig immer neue chemisch hergestellte Stoffe auf den Markt zu bringen, die in den Gesetzen noch nicht erfasst sind, wie Kathrin Thamm vom Polizeipräsidium in Unterfranken bestätigt. Die Testung der einzelnen Mischungen auf Inhaltsstoffe sei aufwändig. „Und genau das nutzen die Hersteller durch den Verkauf immer neuer Substanzen aus“, so Thamm.

Gerade die Tatsache, dass die Inhaltsstoffe und auch deren Wirkung oft nicht bekannt und einschätzbar sind, machen die Kräutermischungen und deren Konsum so gefährlich. Ein Ende dieses Teufelskreislaufes ist nicht in Sicht. Schinzel ist sich sicher: „Die Kräutermischungen werden uns mit Sicherheit weiter beschäftigen.“