Die Tore in die Freiheit öffnen sich für Brigitte Trapp jedes Mal dann, wenn sie auf ihren roten Motorroller steigt und eine Tour durch die schöne Landschaft macht. Das schnuckelige Zweirad ist für die heute 64-jährige Volkacherin über Jahrzehnte Inbegriff purer Lebensfreude.

Mit ihrem roten Flitzer erlebt sie bei Faschingsumzügen unvergessliche Momente. Auf ihrer 125er Honda muss sie aber auch den schlimmsten Augenblick in ihrem Leben hinnehmen: An einer Kreuzung der Volkacher Ostumgehung nimmt ihr im Juni 2007 ein Auto die Vorfahrt und rammt ihr Gefährt in voller Fahrt.

„Ich bin auf die Windschutzscheibe des Autos geprallt“, erinnert sie sich. Mit schwersten Verletzungen kommt sie ins Krankenhaus. Sieben Operationen muss sie nach der Zertrümmerung ihres Beckens über sich ergehen lassen. 13 Mal springt ihr die Hüfte wieder aus der Verankerung. Eineinhalb Jahre kann sie sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Regelmäßiges Training bei der Physiotherapie verbessern ihren Zustand. Schließlich kann sie wieder mit Gehhilfen laufen. Psychopharmaka helfen ihr die Geschehnisse mental zu verarbeiten.

Die Frau im roten Feuerstuhl

Sechs Jahre nach dem Verkehrsunfall hat sie die Auswirkungen körperlich und psychisch einigermaßen verdaut. Doch ihr Leben hat sich seit dem Unfallgeschehen drastisch verändert. Mit 17 Schrauben ist ihre neue Hüfte heute noch fixiert. Die Röntgenaufnahme zeigt neben Knochen reichlich Metall. Ans Roller fahren braucht sie nicht mehr zu denken. Dreimal die Woche fährt sie mit dem Auto zur Krankengymnastik. Sie ist guter Dinge.

„Was geschehen ist, kann ich nicht mehr rückgängig machen“, sagt sie und versucht mit eisernem Willen das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Im Alter von 23 Jahren erwirbt Brigitte Trapp ihren ersten roten Roller - eine 50er Vespa. „Das war meine größte Freude“, erzählt sie. Von Beginn an ist das Zweirad für sie ein Symbol der Freiheit. Wenn ihr der Wind ums Gesicht weht, vergisst sie all ihre Sorgen. „Ich konnte damit überall hinfahren. Einparken war nie ein Problem.“

Die Menschen in Volkach und Umgebung kennen die Frau auf ihrem roten „Feuerstuhl“. Mit einem Leuchten in den Augen erzählt die gelernte Bürokauffrau und spätere Helferin in der Altenpflege von ihrer Teilnahme an Faschingsumzügen. „Ich habe mich da als lustiger Clown verkleidet und bin auf meinem Roller mitgefahren.“ Das knallrote Gefährt, an dem bunte Luftballons herum hüpfen, zieht die Blicke der Besucher an wie ein Magnet. Ehrenamtlich betätigt sich die gebürtige Münchnerin beim Karnevalsverein als Schatzmeisterin. Brigitte Trapp ist ein lustiger und geselliger Typ und sie liebt die Natur über alles. Sie geht regelmäßig Bergwandern, erobert die Gipfel, genießt die frischen Brisen und lernt dabei ihren Ehemann kennen. 1972 zieht sie mit dem Volkacher in dessen Heimatstadt.

Der sportliche Ausgleich

Nach dem Verkehrsunfall sind ihre persönlichen Freuden des Lebens wie weggeblasen. „Das war alles von einer Sekunde auf die andere vorbei.“ Brigitte Trapp hat ihr Schicksal akzeptiert. Die Berggipfel erklimmt sie immer noch, jetzt aber mit der Gondel. Beim Schwimmen findet sie sportlichen Ausgleich. Im Wasser genießt sie die Bewegungsfreiheit. Bei allen Aktivitäten macht ihr allerdings die Lähmung im Bein zu schaffen. „Die vergeht nimmer, aber es geht weiter“, blickt sie zuversichtlich nach vorne.