Was macht Heimat aus? Ist Heimat nur ein Gefühl? Ist es an einen Ort gebunden? Oder ist es nur eine Schwärmerei? Eine Woche lang sind wir dieser Frage in Geiselwind im Live-Blog „Heimat hat Zukunft“ auf unserer Homepage nachgegangen. Die Erkenntnis: Es ist das Zusammenspiel vieler Gründe, das den Ort am Schnittpunkt der fränkischen Bezirke liebenswert macht.

Dass es sich hier gut leben lässt, beweisen auch die momentan vielleicht bekanntesten Bewohner: Das Storchenpaar mit seinen vier Jungen unterhalb des Kirchturms schaffte es bis auf die Titelseite der Main-Post. Nicht nur den Störchen gefällt es in der Gemeinde gut. Ein Muster einer Geiselwinderin ist Barbara Groß, seit dem 13. Mai 100 Jahre alt und noch recht fit. Sie kam mit 17 Jahren hierher. Glaube und Gebetbuch helfen ihr über den Tag, sagt der Sohn. Darin blättert sie oft, liest und betet.

Ora et labora, bete und arbeite, das ist auch ein Leitspruch von Anton Strohofer (75), der seine eigene Welt an der Autobahn (auf-)gebaut hat. Gastronomie, Metzgerei, Tank- und Rastanlage, die Reparaturwerkstatt, das Eventzentrum – und nicht zuletzt die Autobahnkirche stehen auf dem 140 Hektar großen Gelände, das dieses Pfingstwochenende vom 22. bis zum 25. Mai wieder Tausende von Besuchern beim Trucker- und Country-Festival anzieht. Im Video-interview schildert der Mann, der vom Landwirt und Tankwart zum Rasthof-König aufgestiegen ist, von seiner Verbundenheit zum Heimatort. Die zählt auch für die anderen Unternehmen, die den Ort bekannt gemacht haben: die Hotels oder das Freizeitland mit seinen 400 000 Besuchern im Jahr, die allesamt von der Autobahn profitieren. Mittlerweile ist die A 3 aber zu klein geworden – und so warten viele (lärmgeplagte) Geiselwinder sehnlich auf den sechsstreifigen Ausbau, wofür längst Baurecht vorliegt. „Wann genau gebaut wird, kann kein Mensch versprechen“, sagt Annemarie Mauer, zweite Bürgermeisterin seit 2002.

Um von der Autobahn noch mehr zu profitieren, entsteht gerade der Inno-Park. Hier sollen sich Betriebe ansiedeln. Derzeit entsteht eine Solar-Tankstelle. Ansonsten sind wirtschaftlich vor allem das Gastgewerbe, Dienstleistungen und die Forstwirtschaft von Bedeutung für den Ort, genauso wie das Sägewerk.

Die Autobahn verläuft zwar mitten durch die Gemeinde, die aber dennoch ihre ländliche Struktur erhalten – und weiterentwickelt – hat. 2344 Einwohner leben in 16 Ortsteilen (im Hauptort selbst sind es etwa 800) und pflegen ein recht intaktes Vereinsleben, angefangen vom Fußball über die Schützen bis zum Kletterstudio oder dem Golfclub.

Einkaufsmarkt, Bäcker, Metzgereien, Handwerker, Gaststätten, Arzt, Zahnarzt, Grundschule: die wichtigen Einrichtungen sind geblieben und profitieren auch von Reisenden, wie Nicole Hertrich von der Bäckerei sagt. Was sie an Geiselwind schätzt: „Jeder kennt jeden.“

Im Mittelpunkt des lebendigen Ortes stehen die Kirche und das Rathaus. Bis 2010 wurde der Ortskern nach und nach erneuert. „Das wertet den Ort wirklich auf“, sagt die zweite Bürgermeisterin Annemarie Mauer.

ONLINE-TIPP

Die Woche in Geiselwind in Wort und Bildern und mit Videobeiträgen unter www.mainpost.de/heimat