Jetzt in der hohen Zeit der Weinfeste sollte man auch mal einen Blick auf anderes, getränkeorientiertes Brauchtum werfen – auf den Reigen der Bierfeste nämlich. Was die Wein- und Bierfeste eint, sind „Die Hände hoch zum Himmel“, die zunehmende Dirndl- und Lederhosen-Kostümierung und der alkoholbedingte Ausnahmezustand.

Über das Spezifische der beiden Getränke geben schon die Begriffe „Bierdurst“ und „Weingenuss“ Auskunft. Und auch welche Trinkkultur edler, anregender und mehr sexy ist, beantwortet sich von selbst. Einen zusätzlichen viertel Liter wird sich spontan der Weinfestbesucher gönnen, wenn er sich die Preise auf einem der großen Bierfeste vorstellt. Bei der Erlanger Bergkirchweih müsste er für eine Maß acht Euro berappen. Beim Straubinger Gäubodenfest geht es forsch auf die Zehn-Euro-Marke zu und beim Oktoberfest in München wird diese magische Grenze übersprungen.

Bei uns hingegen, man soll es nicht beschreien, ist die Fünf-Euro-Marke für einen Schoppen nicht einmal auf Frankens größter Weinwiesn in Volkach annähernd in Gefahr. Und dies, obwohl die fränkischen Veranstalter mit ähnlich steigenden Kosten zu kämpfen haben. Dafür werden sie aber auch keine Millionäre wie die Münchner Festwirte, die auch stets die Kosten für die Speisen erhöhen. Und die Reservierungskosten orientieren sich auch noch an dem jeweiligen Preis für zwei Maß Bier und einem halben Hendl. Pro Person, versteht sich.

Einer Winzergruppe aus Sommerach kann diese Preisspirale egal sein. Traditionell nimmt sie am Einzug der Wiesenwirte teil, der für sie natürlich, wo sonst, im „Weinzelt“ endet. Sie müssen nichts für Essen und Trinken bezahlen. In dem Zelt wird nur Weißbier ausgeschenkt – für 15,20 Euro pro Maß. Ein Glas Wein bleibt immerhin noch etwas unter zehn Euro. Schlichte 0,75 Liter Qualitätswein sind für 68 Euro zu haben. Aus der Steiermark natürlich, in Bayern werden ja keine Weine angebaut. Ein Wiesnhendl kostet knusprige 15 Euro. Und dann zur Verdauung ein „Wiesnschnapserl“ 4 cl für 11,90, dafür aber in der „Miniflasche mit Bügelverschluss“.

Ach, Du (Wein-)Franken hast es doch irgendwie besser.