Alles war friedlich. Vom nächsten Flohmarkt auf dem Netto-Parkplatz war was zu lesen. Von der Fun-Party im Aqua sole oder der Siedlerkirchweih. Alles war überschaubar. Aber dann: Plötzlich waren sie da. Über Nacht. Am Freitag waren sie noch nicht da, am Samstag nicht mehr zu übersehen: die ersten Wahlplakate.

Sechs Wochen vor der Landtagswahl am 15. September hat die kleine Bayernpartei als erste groß zugeschlagen. Die Botschaften von einem starken Bayern und von viel zu vielen Verboten hängen flächendeckend in der Innenstadt, die Kandidaten gleich daneben. Man braucht kein Prophet zu sein: Die Schlacht um die besten Plätze an den Laternenmasten hat begonnen. Es wird nicht lange dauern und die anderen werden nachziehen. Die Laternen werden von oben bis unten, von hinten bis vorne zutapeziert sein, vermutlich und erfahrungsgemäß nicht zum Vorteil des Stadtbilds.

Und man muss befürchten, dass der Straßenwahlkampf in diesem Jahr noch heftiger ausfällt als sonst. Im September wird nicht nur der Landtag neu gewählt, eine Woche später ist der Bundestag dran. Und alle Parteien haben zu jeder Wahl andere Aussagen und andere Kandidaten und glauben, dass die Botschaften über Plakate transportiert werden müssen. Es wird also eng an den Laternen- und sonstigen Masten in der Stadt. Das kann man furchtbar finden, muss aber feststellen, dass der Stadtrat das so wollte. Seit Jahrzehnten jedenfalls hat er jeden Versuch scheitern lassen, die Plakate auf feste Stellwände zu verbannen.

Also, Augen zu und durch. Ein Ende ist absehbar und auch Loriot sollte man nicht vergessen, der zu recht feststellte: „Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.“