Der Tipp stammt von Martin Luther: Am besten ist es, dem Volk aufs Maul zu schauen. Was bis heute uneingeschränkt stimmt. Der Volksmund ist eine geniale Erfindung. Durch ihn wissen wir, wie's im Leben läuft. Dass beispielsweise fünf Minuten dumm stellen oft eine Stunde Arbeit erspart.

Der Volksmund bringt es auf den Punkt. Dass jeder Ausländer ist, fast überall. Und dass es keine dumme Fragen, wohl aber dumme Antworten gibt. Der Volksmund kann überall mitreden, selbst beim Nasebohren: Wer andern in der Nase bohrt, ist selbst ein Schwein. Nur er sagt uns, dass man das Rad nicht jeden Tag neu erfinden muss. Und dass man es, wie man's macht, falsch macht.

Selbst bei der Nahrungsaufnahme greift der Volksmund ein und behauptet: Das bisschen, was wir essen, können wir auch trinken. Dabei kann es gar nicht profan genug sein, wie die Erkenntnis 'Wer nicht warten kann, muss laufen' beweist.

Natürlich gilt auch, dass laufen muss, wer Alkohol getrunken hat. Offiziell. Inoffiziell sieht das nicht selten ganz anders aus. Womit wir im östlichen Landkreis wären. Dort gibt es neben der Autobahn einen etwa einen Kilometer langen Weg zwischen Abtswind und Wiesentheid. Der wird, so stand es dieser Tage in einem Bericht aus dem Abtswinder Gemeinderat, im Volksmund schlicht Promillestraße genannt.

Die Straße ist in beklagenswertem Zustand, was auf eine gewisse Nutzung hindeutet. Ist ja auch unangenehm, wenn man ziemlich voll ist und es dann so unangenehm ruckelt.

Die Straße gehört also dringend gemacht. Allein schon, weil sie der Beweis ist, dass der Volksmund nie irrt. Denn zweifellos gilt auch zwischen Abtswind und Wiesentheid: Das bisschen, was wir essen, können wir auch trinken.