Sommerliche Randnotizen (Teil 2): Das Leben am Strand folgt eigenen Gesetzen. Auch und gerade in Travemünde. Da sitzt man im Strandkorb – und plötzlich fährt die MS Deutschland zum Greifen nah vorbei. Sie wissen schon: das ZDF-Traumschiff.

Von Neu-Kapitän Sascha Hehn ist leider nichts zu sehen. Dafür ertönt ganz feierlich die deutsche Nationalhymne aus dem Lautsprecher. Auf dem Schiff winkende Menschen, die mehr Geld haben dürften, als sich Sandkörner am Ostseestrand von Lübecks schönstem Stadtteil finden.

Da nimmt sich das „Morgenduft“-Angebot vergleichsweise bescheiden aus: Ein „Traumfrühstück direkt im Strandkorb“ für zwei Personen kostet gerade einmal lächerliche 75 Euro.

Ansonsten passiert nicht viel. Ein wenig in der gratis ausliegenden „Möwen-Post“ stöbern. Was ähnlich spannend ist wie das Starren aufs Meer. Männer können das besonders gut: Sie stehen bis zu den Waden im Wasser. Stemmen die Hände in die Hüfte. Der Blick unbeweglich auf den Horizont gerichtet. Stundenlang.

Wenn die Männer zufällig nicht starren, sichern sie ihren Strandkorb vor möglichen Übergriffen aus dem All ab. Zelte werden aufgebaut. Drumherum meterhohe Sandburgen. Manche machen sich dabei so breit, dass sie Anspruch auf eine eigene Postleitzahl haben.

Im Nachbarstrandkorb linker Hand nervt ein Mann, der gerade vom Horizontgucken zurückkommt, seine Frau mit unnützem Wissen. Er erklärt ihr lang und breit, dass es in Travemünde vier Muschelarten gibt: die Sandklaffmuschel, die Plattmuschel, die Herzmuschel und die Miesmuschel. Im Strandkorb rechter Hand schmiedet ein älteres Paar, Typ „Morgenduft-Frühstücksservice“, bereits Urlaubspläne für den Sommer 2014. Er: „Schatz, nichts gegen Travemünde. Aber nach 25 Jahren könnten wir nächsten Sommer doch mal woanders hinfahren – am besten ins Ausland!“ Sie (gelangweilt): „Wenn Du meinst. Was schwebt Dir so vor?“ Er (nuschelnd): „Vielleicht Genitalien?“ Sie (entsetzt): „Bitte was?“ Er (aufbrausend): „Hörst Du schlecht? Gen Italien!“ Fortsetzung folgt