Für einen Fußball-Genießer wie mich ist die Zeit zwischen dem Champions-League-Finale und dem Auftakt der neuen Bundesliga-Saison im August immer wieder aufs Neue gewöhnungsbedürftig. Gleich zwei Rituale haben dann nämlich Zwangspause: Entweder am Samstagnachmittag mit Freund Claus radeln und danach in der Sauna „Heute im Stadion“ hören. Oder wahlweise mit ein paar Kumpels in einer Fußball-Kneipe FC Bayern schauen – als Nicht-Fan der Roten unter lauter „Hundertprozentigen“ immer wieder so eine Art Sado-Maso-Veranstaltung.

Allerdings: Spiele in der Allianz-Arena live zu sehen, mag ich sehr wohl, auch wenn die Zugfahrt mit dem Bayern-Ticket von Kitzingen nach München und zurück immer wieder ein zweifelhaftes Vergnügen darstellt: Fast immer auf dem Gang stehen, in freudscher Enge, oft mit Gegröhle und Pöbeleien rivalisierender Fangruppen, das macht man nur als Fußballverrückter.

An diesem Samstag zog es mich aber aus einem viel emotionalerem Grund nach München: Am Dienstag wurde Anna geboren, meine zweite Enkelin – und was gibt es Schöneres, als die kleine Erdenbürgerin innig an sich zu drücken, die Eltern zu beglückwünschen, mit Lara (14 Monate) rumzutoben.

Also 6.55 Uhr von Kitzingen in die Landeshauptstadt, um 17 Uhr mit dem Bayern-Ticket wieder beseelt zurück. Und was soll ich sagen: Ein gemütlicher Sitzplatz im Zug, fast immer Platz, die Beine lang zu machen, weil gegenüber niemand saß: Es gibt sie, die Freuden der fußballlosen Zeit!