Auch ein Pfarrer braucht Urlaub. Wie gut, dass das Bistum Würzburg über vielfältige internationale Kontakte verfügt. 91 Priester aus 15 verschiedenen Ländern leisten in diesen Wochen ihren Dienst in der Diözese. Andraœ Törö aus Ungarn ist einer von ihnen.

Törö hat trotz seiner jungen Jahre eine internationale Vita vorzuweisen: Er stammt aus Debrecen in Ostungarn und studiert am Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom. Priesteranwärter aus Deutschland, Ungarn, Österreich und Kroatien kommen dort für drei Jahre zusammen. „Die offizielle Sprache ist deutsch“, erklärt Törö, der vor seiner Zeit in Rom kaum deutsch konnte.

Gerne zugesagt

Zwei Sprachkurse hatte er absolviert, dann ging es mit 19 Gleichgesinnten aus Ungarn in die „ewige Stadt“. „Das Collegium ist wie eine Insel inmitten der Metropole“, sagt der 26-Jährige. Alle Studenten wohnen zusammen, den Unterricht leiten erfahrene Priester, unter anderem aus dem Bistum Würzburg.

Und so war der erste Kontakt nach Mainfranken hergestellt. Törö hörte von den Schwierigkeiten in der Ferienzeit und der 26-Jährige musste sich nicht lange bitten lassen. Zusammen mit zwei ungarischen Freunden hat er zugesagt, einen Teil seiner Ferien als Ferienvertretung in Mainfranken zu absolvieren. Er ist nicht alleine, ein Hauch von Weltkirche ist in diesen Tagen in vielen Gemeinden Unterfrankens zu spüren.

Die 91 Priester kommen aus Ländern Europas, Asiens, Afrikas und Südamerikas. Wie Törö befinden sich viele im Studium und nutzen ihren Aufenthalt, um die Kirche in Deutschland näher kennen zu lernen und ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Der Großteil der Urlaubsvertreter kommt aus Indien (26) und Polen (26). Aus Afrika sind Priester aus Benin (2), Ghana (2), Kongo (2), Nigeria (9), dem Senegal (2), Tansania (1) und Uganda (12) im Bistum aktiv. Aus Ungarn sind drei Studenten im Bistum verteilt.

Vom 11. August bis 4. September ist Törö für Pfarrer Adam Possmayer in St. Ludwig in Marktbreit im Einsatz. Er hält zweimal pro Woche Messen in Marktsteft, Obernbreit und Marktbreit und ist als Ansprechpartner im Pfarramt präsent. Seine ersten Erfahrungen hat er bereits gemacht. Einige Unterschiede zu seiner ungarischen Heimat sind ihm aufgefallen.

„Die Kirchengemeinden in Deutschland sind freier“, meint der 26-Jährige. In Ungarn hat das kommunistische Regime die Kirchen bis Anfang der 90er Jahre kontrolliert. „Die Ungarn mussten immer für ihren Glauben kämpfen“, erzählt er. So ist eine starke Gemeinschaft entstanden. Und die Tradition ist hoch gehalten worden.

Freude über Hilfsbereitschaft

In Deutschland gibt es ebenfalls eine lange Tradition. „Aber jeder Mensch kann frei entscheiden, ob er in die Kirche geht oder nicht“, sagt Törö. Das hat Vorteile. „Wer kommt, der weiß ganz genau, warum.“

Zu den Messen an den Werktagen sind die Kirchen in Marktbreit, Obernbreit und Marktsteft nicht all zu voll gewesen. Mit dem Besuch am Wochenende ist Törö zufrieden. Und mit den vielen Helferinnen und Helfern erst Recht. „So viele ehrenamtliche Mitarbeiter gibt es in Ungarn nicht“, sagt der 26-Jährige. „Aber die Hilfe ist für den Pfarrer natürlich wunderschön. Er kann ja nicht alles alleine machen.“ Seine zwei ungarischen Freunde sind in Schweinfurt beziehungsweise in Marktheidenfeld im Einsatz. An den freien Tagen treffen sie sich, um die fränkische Landschaft und die Städte näher kennenzulernen. In Würzburg und Nürnberg waren sie schon, Bamberg steht noch auf dem Programm. Die Landschaft und die Weinberge gefallen dem Studenten. Und die Hilfsbereitschaft. Ohne Auto ist Törö nach Marktbreit gekommen, zur Messe nach Obernbreit und nach Marktsteft muss er trotzdem nicht mit seinem Fahrrad radeln. „Die Obernbreiter und Marktstefter haben für mich einen Fahrdienst organisiert“, freut er sich.

Mitte September wird der 26-Jährige zurück nach Rom fahren. Noch ein Jahr Studium im Collegium, Abschlussprüfung und dann wird er in Ungarn eine Arbeitsstelle suchen. Vielfältige Erfahrungen hat Andraœ Törö dann auf jeden Fall vorzuweisen: Er hat die italienische und die deutsche Mentalität kennengelernt, den Glauben in beiden Ländern gespürt und die Sprachen gelernt. Die Ferienvertretung in Franken hat sich für ihn auf jeden Fall gelohnt.