Die Augen unter dem bunten Kopftuch leuchten. Wenn Bediha Ugurlu erzählt, steckt sie die Zuhörer mit ihrer lebendigen, fröhlichen Art an. Da sich das Gespräch um Kinder, Erziehung und Familie dreht, gibt es genug Anlass, auch mal herzhaft miteinander zu lachen.

Bediha ist eine der türkischstämmigen Frauen, die den mittlerweile vierten Kurs des Kitzinger Integrationsbeirates besuchen. Stets wurden Themen behandelt, die Jung und Alt bewegen; aktuell geht es um „Starke Eltern – starke Kinder; wer besser zuhört, wird besser verstehen“.

Die Kursleiterinnen Safiye Klein und Figen Lindner haben aus einem dicken Ordner acht spannende Unterrichtseinheiten rund ums Thema Erziehung und Familienarbeit zusammengestellt. Aktuell läuft Unterrichtsstunde Nummer sechs.

Die Frauen haben sich in den Räumen des türkisch-islamischen Kulturvereins in Etwashausen getroffen und sitzen nun in einem Halbkreis beieinander. Die meisten sprechen ganz gut Deutsch, aber wenn es darum geht, Emotionen auf den Punkt zu bringen, wechseln sie auch schon mal ins Türkische. „In der Muttersprache fällt das Reden einfach leichter“, weiß Heilpädagogin und Integrationsberaterin Figen Lindner.

Sie und ihre Kollegin Safiye Klein versuchen den Frauen vor allem klarzumachen, dass sie sich nicht verstecken, sondern selbstbewusst und mit Selbstvertrauen ihre Meinung sagen dürfen und sollen. „Wir wollen die Frauen in ihrer Eigenständigkeit fördern“, sagt Safiye Klein, die mit Mann und Kindern in Kleinlangheim lebt. Manche Themen werden mit Rollenspielen veranschaulicht.

Noch immer gibt es natürlich Unterschiede zwischen Türken und Deutschen, zum Beispiel bei den kulturellen Traditionen und damit auch in der Erziehung. „Aber da bewegt sich zurzeit sehr viel“, konstatiert Safiye Klein. „Es gibt ganz viele türkische Jungs, die sehr weltoffen sind und auf die ich sehr stolz bin.“ Ihre Kollegin Lindner ergänzt: „Eines ist klar. Wenn wir die Männer ändern wollen, dann müssen wir mit den Jungs anfangen.“

Die Frauen nicken. Auch Astrid Glos, Leiterin des städtischen Integrationsbeirates, hat sich zu der Runde gesellt und meint, nur wer Machos ausbildet, bekommt auch Machos.

Allerdings gibt die Referentin Klein zu: Die Frauen, die ihre Kurse besuchen, sind schon ein Stück weit emanzipiert – und ihre Männer nicht mehr in alten Denkmustern verhaftet. „Wir sind schon eine neue Generation“, gibt Bediha Ugurlu ihr recht. Sie erzählt, dass ihr kleiner Sohn stolz ist, wenn er daheim so gut sauber macht wie seine Schwestern – und dass er ihr zu Muttertag ein Büchlein voller Gutscheine für Haushaltstätigkeiten geschenkt hat. Damit hat sie erneut die Lacher auf ihrer Seite.

Nicht alle Familien sind jedoch so aufgeschlossen. „Leider ist es sehr schwer, an die Leute ranzukommen, die so einen Kurs mal wirklich nötig hätten“, klagt Safiye Klein. Astrid Glos deutet auf die Frauen im Halbrund: „Hier sitzen die Multiplikatorinnen.“

Integrationsbeirat: Astrid Glos, Tel. (0 93 21) 2 22 39, astridglos@web.de