Die Gemeinde in Wiesentheid stellt das Baugebiet „Leinwasen“ in Geesdorf ein. Endgültig. Das wurde in einer Sondersitzung des Gemeinderats entschieden, nachdem bei der im April begonnenen Erschließung der 5000 Quadratmeter großen Fläche erhebliche Probleme mit Grundwasser auftraten. An bestehenden Häusern in unmittelbarer Nachbarschaft wurden seit Beginn der Arbeiten Risse im Mauerwerk festgestellt.

Das Areal liegt am östlichen Ortsrand zum Wald hin, direkt im Anschluss an den 350 Einwohner zählenden Ort.

„Das Geld für den Erwerb haben wir in den Sand gesetzt.“
Werner Knaier Wiesentheider Bürgermeister

Dass es sich dabei um ein relativ feuchtes Gebiet handelt, war im Vorfeld bekannt. Planer Rudy Laatsch vom zuständigen Architekturbüro Brändlein in Wiesentheid räumte ein: „Wir wussten, dass etwa bei einem Meter unter der Erde Wasser ist, dass die Verhältnisse aber so extrem sind, wussten wir nicht.“

Er zeigte in der Ratssitzung zwar drei Möglichkeiten auf, wie eine Erschließung der Fläche trotz des hohen Grundwasserstandes dennoch möglich wäre. In allen drei Fällen könne er jedoch nicht ausschließen, dass weitere Schäden an den benachbarten Häusern auftreten. „Ich sehe bei jeder Lösung ein Risiko. Wir wissen nicht, wie sich das Wasser verhält.“ Auf Nachfrage von Gemeinderat Michael Rückel zu Schadenersatz erklärte der Architekt, dass der Fall der Versicherung gemeldet sei.

In der Sache merkte Bürgermeister Werner Knaier an, dass die Gemeinde das Grundstück bereits vor seiner Amtszeit als Bauerwartungsland gekauft habe. „Das Geld für den Erwerb haben wir in den Sand gesetzt, dazu müssen wir stehen.“

Einer der betroffenen Anwohner, Horst Wagner, hatte in der Sitzung noch einmal sein Unverständnis ausgedrückt, warum die Gemeinde trotz Warnungen im Vorfeld eine Erschließung angegangen habe. Es sei klar gewesen, dass das Grundwasser bereits in einer Tiefe von 80 Zentimeter unter der Oberfläche auftrete. Er kritisierte zudem, dass man dort vor dem Kauf des Grundstücks keine Bodenprobe gemacht habe. Das sei vor seiner Zeit gewesen, merkte Bürgermeister Knaier an.

Wenige Tage hatte Wagner bei einem Ortstermin die Situation skizziert. Wagner baute in den 90er Jahren dort. Seine Eltern wohnen hier, im Anbau lebt er mit seiner Familie. Der Blick vom Balkon geht weit über die Felder hinaus in die Landschaft. Das Leben verlief bisher ruhig und friedlich. Das endete vor rund drei Wochen. Da rückten die Bagger zur Erschließung der angrenzenden Fläche an. Kurz nach dem Start der Bauarbeiten traten kleinere Risse in der Garage und in der Werkstatt auf, die im Wohnbereich sind dagegen um einiges größer und deutlich erkennbar.

Wagner wandte sich daraufhin an die Gemeinde mit der Bitte, die Arbeiten sofort zu stoppen. Doch zunächst wurde weiter gearbeitet. Bis es irgendwann am Nachmittag „einen Schlag tat“, wie Wagner berichtete. Seither zieht sich ein langer Riss durch das Wohnzimmer, einige Deckenbalken haben sich gelockert.

Der Schrecken ist Familienmitgliedern in die Glieder gefahren. Wagners Mutter spricht gar von schlaflosen Nächten. Eine Anwohnerin hat ebenso bereits Risse in ihrem Gebäude fest gestellt, ein weiterer in etwa einhundert Meter Entfernung zum Baugebiet berichtete das Gleiche.

Die Schäden entstanden durch den Bau von Schächten, die zum Abpumpen des Grundwassers nötig waren, so Wagner. Zusätzlich sorgte das Einbringen der Spunddielen für den Kanal für starke Vibrationen, vermutete Richard Scheller vom Bauamt.

Der zwischenzeitliche Stopp der Bauarbeiten und die Suche nach Lösungen sind nun Geschichte. Die Gemeinde wird die Löcher wieder verfüllen und das Areal eventuell als Ausgleichsfläche einbringen. Nun geht die Suche nach Bauland in Geesdorf wieder von neuem los.