Frank Schuhmann war einer von denen, die gar nicht entscheiden dürfen, wer die Stadt Kitzingen als Oberbürgermeister künftig leitet. Er wohnt weder in Kitzingen noch hat sein Unternehmen hier seinen Sitz. Trotzdem verfolgte er am Montag mit Interesse, was die sieben OB-Kandidaten zu wirtschaftspolitischen Fragen zu sagen haben.

Die IHK hatte ins Rathaus eingeladen – Ziel war, die Positionen der Kandidaten auf der einen und die der Wirtschaft auf der anderen Seite kennenzulernen. Schuhmanns Fazit nach der knapp dreistündigen Veranstaltung: Mindestens drei Kandidaten wären für ihn „raus“.

Kitzingen stehe als Wirtschaftsstandort vor großen Herausforderungen, die Nachbargemeinden würden zunehmend attraktiv, hatte IHK-Pressesprecher Radu Ferendino zu Beginn betont. „Wie muss Kitzingen für eine prosperierende Zukunft im wirtschaftlichen Bereich aufgestellt sein?“, sei deshalb die zentrale Frage.

„Alles möglich machen“

Ferendino hörte bei den Antworten von Siegfried Müller (UsW), Klaus Christof (KIK), Astrid Glos (SPD), Stefan Güntner (CSU), Jens Oertel (parteilos), Jens Pauluhn (ÖDP) und Uwe Pfeiffle (FW) aufmerksam zu und kam so am Ende auf einen Nenner, der alle Kandidaten bei den Wirtschaftsfragen verband: „Jeder von Ihnen hat mindestens einmal gesagt: Wir müssen alles möglich machen“, fasste er zusammen.

Dass dies derzeit aber wohl nicht immer der Fall ist, wurde im Laufe der Diskussion mehrfach deutlich. „Wir hatten eine Firma in Kitzingen“, sagte Frank Schuhmann, Prokurist der Polyprocess Kunstharzverarbeitung GmbH. Als ein Neubau geplant wurde, entstand der nicht in der Kreisstadt. Seine Erfahrungen drückte er in drastischen Worten aus: „Man wird aus Kitzingen vertrieben, es werden einem zu viele Knüppel in den Weg geworfen.“ Direkt vor den Toren der Stadt steht die Firma jetzt, gerade mal drei Kilometer entfernt, im Gewerbegebiet von Fröhstockheim. „Wenn ich da gesagt hät-

te, ich will ein rundes Grundstück, dann hätte ich es auch gekriegt“, fasste Schuhmann seine Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit der Gemeinde Rödelsee zusammen. „Ich habe den Weggang nicht bereut.“

Dass es mit der Ansiedlungspolitik hapert, dass es teilweise zu lange dauert, bis Anträge abgearbeitet, im Stadtrat entschieden oder dann umgesetzt werden, dass manches Mal eher geschaut wird, was nicht geht als was geht – in verschiedenen Worten bestätigten fast alle Kandidaten die Kritik, die von den Wirtschaftsvertretern kam. „Wir haben in Kitzingen ein Imageproblem und ein Umsetzungsproblem“, sagte beispielsweise Jens Pauluhn.

Eine generelle Schelte des Bauamtes wollten die Bewerber aber nicht stehen lassen. „Wir haben sehr gute Mitarbeiter, aber wie überall auch welche, die durchschnittlich sind“, betonte Oberbürgermeister Siegfried Müller. Zudem wies er auf gesetzliche Vorschriften hin, die dem Bauamt beziehungsweise der Stadt die Hände binden – zum Beispiel bei der Gestaltung der Grundstückspreise. Oder beim Brandschutz. Der stellt sich als Problem bei der Nutzung des ehemaligen Barreiss-Gebäudes heraus. In den meisten Punkten waren die Kandidaten gar nicht weit voneinander entfernt – oder gar einig. Natürlich darin, dass die wirtschaftliche Entwicklung wesentlich für die Zukunft der Stadt ist. „Chefsache“ seien die Gespräche mit ansiedlungswilligen Interessenten, aber auch mit den bestehenden Betrieben. Einzig Klaus Christof sah diesen Begriff etwas negativ: Ihm fehle die Einbindung des Stadtrates. Wenn alles Chefsache sei, komme es in eine große Schublade und werde da gelassen.

Ein Café am Main

Einigkeit auch darin, dass die Innenstadt belebt werden muss, mehr Leute nach Kitzingen kommen müssen – über eine attraktive Stadt, über bezahlbare Wohnungen. Zustimmung auch zur Forderung, dass es mehr Leben auf der für viel Geld hergestellten Mainpromenade braucht. Klar machten die Kandidaten aber auch: So wünschenswert ein Café am Main auf der Stadtseite wäre, die Stadt selbst kann es nicht betreiben.

Iris Klose von den Wirtschaftsjunioren brachte eine Kernfrage auf den Punkt: „Wo will man als Stadt Kitzingen überhaupt hin?“ Ihr fehlt eine Vision – und alle Kandidaten stimmten da mit ihr überein. „Wir müssen sehen, wo wir 2020 stehen wollen“, drückte es Uwe Pfeiffle aus. Astrid Glos hatte diesen Punkt bereits zu Beginn der Veranstaltung bei ihrer persönlichen Vorstellung angesprochen.

Wie normale Leute

Zur Sprache kam an diesem Nachmittag freilich auch die Stimmung im Stadtrat. Es gebe zu viele Altlasten im Gremium, sagte Johan van Zadelhoff. Die Mitglieder sollten vergessen, was vor 20 Jahren war: „Benehmt Euch doch mal wie normale Leute: Streitet mal, aber geht danach ein Bier trinken.“ Zadelhoff kündigte gar an, die erste Runde zu spendieren.