Die Nachbarin war's. Damals, Mitte der 80er Jahre, erzählte sie Ulf Fiebig, sie habe da noch ein Teleskop zuhause rumstehen. Ob er es nicht haben wolle? Mit dieser Frage legte sie den Grundstein für ein Hobby, das weit über das bloße Sterngucken hinausgeht.

Zu gern würde Ulf Fiebig derzeit mit Alexander Gerst tauschen, dem deutschen Astronauten, der in rund 400 Kilometern Höhe die Erde umkreist – in der Internationalen Raumstation ISS. Für Mathe und Physik interessierte sich der gebürtige Mainsondheimer schon immer. Als er nun das qualitativ gar nicht üble Spiegelteleskop besaß, baute er es mit Feuereifer auf. „Aber erst mal hab' ich da am Himmel gar nichts gefunden.“

Warum? Weil man zunächst die Technik beherrschen und sich eine gewisse Erfahrung aneignen muss, um mit dem Teleskop Himmelskörper zu orten und dann längere Zeit beobachten zu können. „Damals gab es noch kein Internet. Also hab ich mir Literatur gekauft, mich eingelesen. Mit der Zeit hab' ich mich immer besser ausgekannt“, stellt der Kfz-Mechanikermeister und Ausbilder in der Handwerkskammer fest.

„Mittlerweile sind wir 30 bis 40 Leute. Das Internet gab dem Ganzen nochmal einen Schub.“
Ulf Fiebig, Astronomiefreunde Kitzingen

Das, was er nachts sah, wollte er gern mal anderen zeigen. Deshalb begann der 50-Jährige, sich auch für Kameratechnik zu interessieren. Wieder las er viel Fachliteratur. Dabei kam ihm zugute, dass es ihm Spaß macht, Betriebsanleitungen zu studieren. Fiebig sagt grinsend: „Ehrlich: Ich mag das.“

Bei einem Volkshochschul-Vortrag in Kitzingen lernte Ulf Fiebig den Volkacher Hobby-Astronomen Stefan Schimpf kennen. Die beiden hatten die gleiche Leidenschaft und Freude an der Erkundung der „unendlichen Weiten des Weltalls“. Irgendwann gründeten Schimpf und Fiebig mit Gleichgesinnten eine Gruppe von Sternenfreunden und organisierten Teleskop-Treffen. „Mittlerweile sind wir so 30 bis 40 Leute. Das Internet gab dem Ganzen nochmal einen Schub.“

Bei klarem Himmel geht Ulf Fiebig entweder in den eigenen Garten in der Kitzinger Siedlung, wo er sich ein „Astronomie-Gartenhaus“ gebaut und ein Fundament für sein Spiegelteleskop betoniert hat. Oder er packt seine Ausrüstung ins Auto und fährt zum Beispiel in die Volkacher Weinberge beziehungsweise an den Iffigheimer Berg. „Das sind die dunkelsten Plätze bei uns.“ Meist beobachtet er Mond, Sterne, Kometen oder Galaxien – „in irgendeiner Galaxie ist immer was los“. Manchmal sucht er auch „seinen“ Stern „y-Auriga“, den ihm seine Familie symbolisch zum 40. Geburtstag geschenkt hat.

Was aber macht den Reiz aus, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen, um Lichtpunkte in unsagbarer Entfernung zu sehen? „Genau das ist es: die unendliche Weite“, sagt Fiebig. „Man muss mal realisieren: 2,5 Millionen Jahre war das Licht der nächstgelegenen Galaxie – Andromeda – bis zu uns unterwegs. Und alle anderen Galaxien sind noch viel weiter entfernt.“ Fiebigs Augen leuchten. Der Begriff „astronomische Entfernung“ bekommt angesichts seiner Erklärung einen ganz neuen Klang. „Wenn man nachts ins gigantische Weltall schaut, dann wird unser Planet und manches Problemchen ganz klein.“

Alles, was er beobachtet, notiert Fiebig in einem Buch; teilweise fügt er auch kleine Zeichnungen bei. „Mich interessiert die Natur einfach, Himmel und Erde.“ Kein Wunder, dass das, was quasi vom Himmel fällt, ebenfalls seiner Aufmerksamkeit sicher sein kann. Der 50-Jährige besitzt Stein- und Metall-Meteoriten aus verschiedenen Teilen der Welt. Außerdem liebt er Naturphänomene wie Vulkane und Blitze. Von seinem Garten aus sind ihm zum Beispiel beeindruckende Blitz-Fotos gelungen.

„Ich möchte nicht woanders leben“, sagt der verheiratete Vater einer Tochter und eines Sohnes. „Kitzingen hat eine gute Größe, hier gibt es alles, was man braucht – Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten. Außerdem haben wir gute Nachbarn und drei meiner vier Geschwister in der Nähe.“ Das einzige Manko Kitzingens sei die Lichtverschmutzung, die die Nacht zum Tag mache. „Das nervt. Straßen und Bauwerke zu illuminieren, ist ja okay – aber nicht von unten nach oben, sondern umgekehrt. Und nicht die ganze Nacht durch.“

Ansonsten habe er an Kitzingen nichts auszusetzen, stellt Fiebig klar. Seine derzeit einzigen Wünsche kann ihm die Stadt allerdings nicht erfüllen: „Es wird wieder mal Zeit für eine stabile Hochdrucklage.“ Und: „Mit dem Herrn Gerst in der ISS würde ich gern mal tauschen.“

Interesse?

Lust aufs Sternegucken? Alle Astronomie-Interessierten dürfen gern zum monatlichen Stammtisch der Sternenfreunde kommen. Der nächste findet Anfang September statt, einen genauen Termin gibt es noch nicht. Infos: www.forum-stellarum.de

Homepage: Wer mehr über Ulf Fiebig und sein Hobby erfahren möchte: www.y-auriga.de . ldk