Wenn ein himmlisches Geschöpf auf die Erde kommt, dann ist das ein besonderes Ereignis. Beim trompetenden Engel war das nicht anders. Er musste den Turm der evangelischen Stadtkirche verlassen, weil dieser saniert wurde. Die Arbeiten sind nun fast abgeschlossen. Deshalb durfte der „Drombeder“, wie er fränkisch-liebevoll genannt wird, seinen Stammplatz wieder einnehmen. Einfach war das nicht. Denn: Der Kitzinger Engel fliegt nicht - und wiegt 140 Kilo.

Das erste Stück Richtung Himmel konnten der Engel und die frisch vergoldete Turmkugel nebst Turmschatz per Aufzug zurücklegen. Den restlichen Weg bis zur Spitze übernahmen die Handwerker. Mit vereinter Muskelkraft zogen sie die beiden Turmsymbole an Seilen außen am Gerüst nach oben. Dort wurde die Goldkugel auf dem „Kaiserstiel“ justiert – das ist die Spitze der mit Kupferblech ummantelten, hölzernen Dachkonstruktion.

Für den Turmschatz haben Dachdeckermeister Sabastian Kaidel und sein Team eigens eine neue Kupfer-Kartusche angefertigt. Neben bis zu 200 Jahre alten Urkunden wurden auch eine aktuelle Beschreibung der Stadt Kitzingen (angefertigt von Dekan Hanspeter Kern), eine Kitzinger Zeitung, der „Gemeindebote“, Euro-Scheine und Münzen sowie drei Reichsmark-Münzen von 1911 in die Kartusche gesteckt, ehe Kaidel diese wasserdicht verlötete und in die Goldkugel bettete. Wann sie wohl wieder geöffnet wird? Nun stand die schwierigste Arbeit an: Den Engel wieder fliegen zu lassen. Mit Kraft und Fachwissen gelang aber auch dies problemlos. Kein Wunder, dass Architekt Martin Zeltner alle beteiligten Firmen lobte. Malermeister Manfred Hergert gab das Kompliment zurück: „So eine gute Zusammenarbeit untereinander und mit dem Architekten gibt's selten.“

Und noch etwas freut alle: Dass bei der Arbeit in der Höhe niemandem ein Hammer aus der Hand gefallen oder sonst etwas Gefährliches passiert ist. Wer weiß, vielleicht hatte da der Engel seine Finger im Spiel?