Sabine Keil sitzt auf der neuen Holzbank und schaut sich um. Die meisten Pflanzen sind über Kniehöhe gewachsen, um sie herum blüht es. Die Hüttenheimerin ist zufrieden mit ihrem Projekt „Blühpatenschaften“.

Zehn Kilometer weiter in Obernbreit schaut es nicht anders aus. Auch Horst Schmidt bereut es keinesfalls, das Projekt Anfang März gestartet zu haben. Damals diskutierten die Menschen im Freistaat über das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und über mögliche Konsequenzen vor Ort. Schnell haben sich Landwirte in ganz Bayern zur Mitarbeit entschlossen. Ihr Angebot: Flächen für den Artenschutz zur Verfügung stellen. Die Kosten sollten von Freiwilligen übernommen werden. Der Plan ging auf. Bayernweit haben 296 Landwirte an dem Programm teilgenommen.

Im vergangenen Jahr wurden über die Bayerischen Agrarumweltprogramme zusätzlich Blühstreifen auf 15.450 Hektar im Freistaat angelegt. Umgerechnet auf einen vier Meter breiten Blühstreifen haben die bayerischen Bauern laut BBV-Pressemitteilung damit ein blühendes Band mit einer Länge von insgesamt 38.625 Kilometern geschaffen

Familie Keil wollte im Frühling 1500 Quadratmeter Ackerfläche auf jeden Fall in Blühfläche umwandeln. Der Ackerstreifen liegt direkt vor ihrem Bienenhof, etwas außerhalb von Hüttenheim.

„Die Nachfrage war schnell da“, erinnert sich Sabine Keil. Und sie überstieg die Erwartungen. Also haben die Keils eine weitere Fläche mit Kornblumen, Malven, Phacelia und Sonnenblumen angesät. „Insgesamt sind es jetzt 6500 Quadratmeter“, erklärt die Bienenexpertin und lächelt. 39 Euro zahlen die Paten bei ihr für 50 Quadratmeter. Im zweiten Jahr reduziert sich der Preis auf 30 Euro. „Zusätzlich erhalten unsere Blühpaten drei Gläser Honig“, erklärt Sabine Keil und führt durch den ehemaligen Acker.

Ein schmaler Weg schlängelt sich durch das Feld. Auf Holzspänen geht es vorbei an zwei Infotafeln, einem Stück Totholz, einem Reisighaufen und einem Steinhaufen. Dann ist die neue Sitzbank erreicht. „Hier haben schon einige Blühpaten gesessen und sich gefreut“, erzählt Sabine Keil.

Auch das gehört zu ihrem Angebot: Informationsarbeit betreiben, miteinander ins Gespräch kommen, die Blühfläche vor Ort anschauen, einen Bezug gewinnen. „Der Dialog ist ganz wichtig“, sagt Sabine Keil und bezieht dabei auch ihre Kollegen mit ein.

Manche Landwirte hätten schon gefragt, wie solche Flächen angelegt werden. Die Kommunen und der Staat dürften sich aber nicht herausnehmen, fordert die Hüttenheimerin. Auch dort gäbe es genug Flächen, die in eine Heimat für allerlei Tierarten umgewandelt werden könnten. Wespen kriechen in die Blütenstängel, Honigbienen schwirren umher. Sabine Keil hat auch schon Grashüpfer und eine Eidechse auf dem Steinhaufen entdeckt. „Und natürlich gibt es jede Menge Schnaken“, sagt sie und lacht. Ein Insektenhotel soll noch kommen.

Auch Horst Schmidt will viele Menschen auf seiner umgewandelten Fläche begrüßen. 20 Blühpaten haben sich bei ihm gemeldet – von Privatpersonen über den Kindergarten bis hin zum Lions-Club in Kitzingen, der gleich für drei Jahre seine Patenschaft zugesagt hat. „Natürlich ist das Projekt langfristig angelegt“, versichert Schmidt, der bislang 5000 Quadratmeter mit speziellen Samen angesät hat. „Bis in den September hinein sollte es hier blühen“, meint er. „Vorausgesetzt, es regnet mal wieder.“

Die Konzepte: Roland und Sabine Keil bieten 50 qm große Parzellen für je 39 € im ersten Jahr und 30 € ab dem zweiten Jahr an. Zusätzlich erhalten die Blühpaten drei Gläser Honig. Die Bodenbearbeitung und Aussaat erfolgt durch den Landwirt. Kontakt: E-Mail:info@bienenhof-keil.de

Horst Schmidt bietet Parzellen zwischen 50 und 100 qm an. Für 50 Cent je qm können Blühmischungen entweder in Eigeninitiative oder gemeinsam mit anderen Paten und dem Landwirt ausgebracht werden. Kontakt: E-Mail:schmidtbiogasgbr@t-online.de