Noch ist es ein wenig theorielastig. Aber das soll sich ändern. Der Markenprozess in und für Kitzingen hat seine erste große Hürde genommen. Jetzt gilt es, möglichst viele Bürger zu aktivieren und zu motivieren.

„Kitzingen, die grüne Stadt am Main.“ So lautet der Arbeitstitel, der sich aus der Analyse der letzten Monate ergeben hat. „Das ist noch kein Slogan“, betonte Professor Joachim Vossen bei der Vorstellung der Ergebnisse am Mittwochabend.

2013 hat die Stadt den so genannten Markenbildungsprozess in Auftrag gegeben. Das Institut für Stadt- und Regionalmanagement hat seither in Workshops mit interessierten Bürgern und mit Entscheidungsträgern der Stadtverwaltung die Stärken und Schwächen Kitzingens analysiert und jetzt einen Vorschlag für das weitere Vorgehen unterbreitet. „Um Erfolg mit einem Standort zu haben, braucht es ein klares Profil“, betonte Prof. Vossen. Und dieses Profil muss glaubwürdig sein. „Die Bevölkerung muss hinter diesem Thema stehen.“ Und bestenfalls an dessen Kommunikation und Umsetzung mitarbeiten.

Einprägsam

Marken wie Coca Cola oder Mc Donalds sind fest in den Köpfen der Menschen verankert. Einprägsam sollte in Zukunft auch der Name Kitzingen sein. „Wenn der Name ihrer Stadt irgendwo fällt, dann müssen gleich ein paar Begriffe und Bilder bei den Leuten hochkommen“, wünscht sich Prof. Vossen. Solche Begriffe könnten neben „grün und blühend“ auch „Gelassenheit und Lebensqualität“ sein. Themenbereiche, die laut Prof. Vossen wieder an Aktualität und Bedeutung gewinnen. „Die Bodenhaftung kommt bei den Menschen zurück“, sagte er. Mit anderen Worten: Immer mehr Menschen interessieren sich wieder für die Natur und suchen Rückzugsgebiete aus der Hektik des Alltags.

Und was hat Kitzingen damit zu tun? Die Voraussetzungen, um als grüne und blühende Stadt wahrgenommen zu werden, in der man gut leben und entspannen kann, seien gegeben – nicht zuletzt dank der Goldmedaille bei Entente Florale auf europäischer Ebene. „Eine Steilvorlage“, urteilt Vossen. Aber auch eine Verpflichtung. Denn nun gelte es, diese Werte zu vertiefen und auf mehrere Standbeine zu verteilen.

Vorschläge hat das Institut für Stadt- und Regionalmanagement erarbeitet. Eine verstärkte Ansiedlung von Unternehmen aus dem Bereich „alternative/regenerative Energien“ wäre ein Weg, um die Marke Kitzingen zu forcieren. Genauso wie die Förderung von gemeinschaftlichen Gärten oder ein verstärktes Angebot von regionalen Erzeugnissen – in der Gastronomie genauso wie am Marktplatz oder in einer Markthalle. Nicht zuletzt sollte auch die Stadtplanung an dem Markenprozess mitwirken und beispielsweise den Fahrradverkehr in der Stadt optimieren.

„Alle müssen zusammenhelfen“, forderte Vossens Mitarbeiterin Bettina Barnet. „Und die Marke miteinander leben.“ Davon hätten nicht nur die Tagestouristen oder Kurzurlauber etwas, sondern auch die Kitzinger Bevölkerung. „Wer lebt nicht gerne in einer Stadt, die ganz viel Natur zu bieten hat?“

Damit der weitere Prozess nicht im Sand verläuft oder unkoordiniert vonstatten geht, wäre ein neuer Arbeitsplatz – genannt „Brand Manager“ – hilfreich. „Die Fäden müssen irgendwo zusammenlaufen“, betonte Barnet.

Logo und Design

Zunächst werden die Analysen und Vorschläge zusammengefasst und der Stadt zur Verfügung gestellt. Die muss dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Vossen betonte, dass die Stadt gerade mal am Anfang einer intensiven Arbeit steht. Als nächstes müsse eine Kampagne entwickelt und die Marke Kitzingen kommuniziert werden. Eine „Bilderwelt“ müsse entstehen, ein Slogan, ein Logo und ein Design entwickelt werden. Bis 2016 sollte dieser Prozess abgeschlossen sein. Vossens Wunsch: Wenn dann in Hamburg oder München der Name Kitzingen fällt, müssen diese positiven Bilder und Begriffe in den Köpfen der Gesprächspartner aufploppen.

Als Startschuss bezeichnete Vossen die Veranstaltung am Mittwochabend, zu der lediglich rund 20 Interessierte kamen. Die Geschäftsführerin des Stadtmarketingvereins, Claudia Biebl, sieht das ähnlich. Bereits in der kommenden Woche will sie sich mit Oberbürgermeister Siegfried Müller, Tourismusleiter Walter Vierrether und Stadtgärtner Johannes Lindner zusammensetzen, um die weiteren Schritte auszuloten. „Jetzt geht es eigentlich erst richtig los“, meinte sie. „Wir müssen den Kitzingern begreiflich machen, um was es eigentlich geht und das Thema emotionalisieren.“ Denn bisher ist der Markenprozess vor allem Theorie.