Als die Hauptstraße in Volkach neu gestaltet wurde, waren die Volkacher durch vier Baustellenzeitungen bestens informiert. Es folgten zwei Ausgaben der „Altstadtzeitung“, dann war das Förderprogramm „Konversionsmanagement“, aus dem die Zeitungen finanziert worden waren, Ende 2017 beendet. Die damalige positive Resonanz der Bürger veranlasste Bürgermeister Peter Kornell dazu, „offensiv in die Öffentlichkeitsarbeit und die Information für die Bürger“ zu gehen. In der jüngsten Ratssitzung stellte Tourismuschef Marco Maiberger eine Bürgerinformationszeitung vor, die viermal jährlich kostenlos an alle Volkacher Haushalte verteilt werden soll.

Die Resonanz im Rat war so positiv, dass der Antrag der Verwaltung mit 13:5 Stimmen angenommen wurde. Noch in diesem Jahr soll die erste Ausgabe erscheinen. Die Kosten betragen bei vier Ausgaben gut 30 000 Euro pro Jahr. Hintergrund der neuen Zeitung ist, so Maiberger, dass über die bereits vorhandenen Informationswege (Tagespresse, Mainschleifen-Kurier und die Informationsstele vor dem Rathaus) nicht alle Bürger mit Informationen versorgt seien.

Anhand von Mustern des Gästebegleiters „Winterzeit“ umriss Maiberger die Form: „Vielleicht in der Größe DIN A2, so dass sie sich wie die Zeitung öffnen und lesen lässt.“ Die Inhalte würden im Rathaus von den Sachgebietsleitern festgelegt und von einem Redaktionsteam aufgearbeitet, alle Texte laufen über seinen und Kornells Schreibtisch.

„Es wäre etwa in der ersten Ausgabe möglich, die Neugestaltung der Spitalstraße von allen Seiten zu beleuchten“, sagte Maiberger. Eine kleine mögliche Gegenfinanzierung wäre etwa durch ein Firmenporträt möglich. „Grundsätzlich aber wollen wir kein zweites Anzeigenblatt“, schränkte er ein. Die Baustellenzeitung, so Kornell, sei ein Erfolg gewesen. Bis dahin hätten sich die Bürger beschwert, „man erfährt ja gar nichts“. Er will die Information aus dem Rathaus „aktiv unter die Leute bringen, wir haben gut 9500 Einwohner und viele Themen, da haben wir bislang viel zu wenig gemacht“.

Die Frequenz von drei Monaten erschien Ratsherr Uwe Kossner zu wenig. „Da entscheiden wir was, und die Leute warten drei Monate, bis sie es erfahren“, sagte er. Dann aber, konterte Kornell, „müssten wir eine halbe Stelle im Rathaus neu schaffen“. Allein schon deshalb soll die Betreuung der Agentur Zudem in Kitzingen übertragen werden, die auch schon die Touristenzeitschrift Mainzeit betreut.

Den größten Protest entwickelten ausgerechnet die Räte, die den Bürgermeister am heftigsten für dessen „mangelhafte Informationspolitik“ kritisieren: die Bürgerliste (BL) sowie die fraktionslose Rätin Ingrid Dusolt. Grundsätzlich begrüßte BL-Sprecher Jochen Flammersberger zwar die Idee. „Aber wir schießen übers Ziel hinaus. Die beiden ersten Seiten im Mainschleifen-Kurier reichen völlig aus“, so seine grundlegende Argumentation. Außerdem könne man den Bürgern „die 30 000 Euro kaum verkaufen, wenn, dann sollte es ein Verkehrsverein machen, oder wir verteilen es auf elektronischem Weg“.

Und Dusolt befürchtete eine Hochglanzausgabe, ähnlich wie die Mainzeit, und plädierte ebenfalls für den Mainschleifen-Kurier. Der, so die Antwort von Udo Gebert, koste zwar gut 6000 Euro weniger als eine eigene Ausgabe. „Aber dafür haben wir dann eine offizielle Stadtzeitung.“ Durchgängig herrschte die Meinung, dass der Mainschleifen-Kurier nicht das für diesen Zweck gesuchte Medium sei, „auch weil er von der Aufmachung her ein Anzeigenblatt ist und schwarzweiß gedruckt ist, und die drucken nur, was geliefert wird“, so Kornell.

Letztlich platzte Heiko Bäuerlein der Kragen. „Warum wird das jetzt so madig gemacht“, kritisierte er die Kritiker, „das sind lauter Bedenkenträger, und das machen die, die seit Jahren fordern, mehr Informationen zu bekommen“. Er plädierte für eine Versuchsphase, die laut Beschluss bis Mitte 2020 läuft, „die Bedenken sollten wir hinten anstellen“.