Iris von Crailsheim sagt, sie könne es „nicht fassen“. Am Abend zuvor hat der Stadtrat Iphofen das Ansinnen des Kitzinger Tierschutzvereins abgelehnt, vor den Toren der Stadt ein Grundstück für ein neues Tierheim im Landkreis zur Verfügung zu stellen. „Das haut mich um“, sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende, die erst durch den Anruf dieser Redaktion von der Ablehnung erfahren hat.

Was bedeutet das für die seit Längerem währende Suche des Vereins nach einer Bleibe? Wie soll es nun weitergehen nach dieser wieder mal geplatzten Hoffnung? Iris von Crailsheim sagt: „Jetzt sind die Kommunen dran. Sie müssen den Ernst der Lage begreifen, was es heißt, wenn es uns nicht mehr gibt.“

Aus für Standort besiegelt

Mit einem Handstreich, ohne größere Diskussion, hat der Stadtrat am Montagabend das Aus für den Standort besiegelt. Das hatte sich abgezeichnet nach einer Sitzung Anfang August, als mehrere Stadträte schon offen Skepsis und Bedenken geäußert hatten gegen das Grundstück an der Südwest-Einfahrt von der Bundesstraße 8 ins Gewerbegebiet „Alte Reichsstraße“.

Sie wurden nun bestärkt in ihrer Annahme, der Bau des Tierheims an dieser Stelle könnte sich nicht vertragen mit den Erweiterungsplänen der Stadt für das Gewerbe- und Industriegebiet. Bürgermeister Josef Mend zitierte aus einem Schreiben des Kitzinger Landratsamtes, das Interessenskonflikte nicht ausschließen mochte. Größeren Betrieben könnten in der Nachbarschaft zu einem Tierheim Nachteile entstehen, hieß es, ohne diese Nachteile konkret zu benennen. Dem Iphöfer Stadtrat genügte das, um geschlossen gegen eine Änderung des Flächennutzungsplans zu stimmen, die nötig gewesen wäre, um den Bau für das Tierheim freizumachen.

Ultimatum für altes Tierheim gestellt

„Im Grunde ist das nicht nachvollziehbar“, sagt Iris von Crailsheim. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir durch Geräusche jemanden stören, durch Gerüche schon mal gar nicht.“ Der Verein stehe nun wieder ganz am Anfang, aber vielleicht ist er auch „am Ende“, wie die stellvertretende Vorsitzende sagt. Denn über dem alten Tierheim im Westen Kitzingens liegt eine ebenso unsichtbare wie unkalkulierbare Gefahr: Durch Hohlräume im Untergrund droht dem in die Jahre gekommenen Gebäude der Boden unter den Füßen wegzubrechen.

Das Bergamt Nordbayern hat deswegen ein Ultimatum gestellt, den Standort zu sichern oder so rasch wie möglich zu räumen. „Wir haben enormen Zeitdruck“, sagt Iris von Crailsheim mit Blick auf das jüngste Gutachten des Bergamts. „Bei uns brennt es lichterloh.“

„Es wird darauf hinauslaufen, dass das Tierheim vom Bergamt geschlossen wird.“
Iris von Crailsheim, Kitzinger Tierschutzverein

Eine Sanierung durch Verfüllen der Hohlräume würde vorsichtigen Schätzungen zufolge bis zu einer Million Euro kosten. Dabei aber wäre die Stadt Kitzingen als Eigentümerin des Grundstücks in der Pflicht. Der Kitzinger Oberbürgermeister Siegfried Müller habe dem Verein zwar in einem Brief seine Hilfe signalisiert, aber ein Angebot für ein geeignetes Grundstück ist darin nicht enthalten, wie Iris von Crailsheim sagt.

Wie geht es weiter?

Alle Bürgermeister im Landkreis habe der Verein angesprochen, 25 bis 30 Grundstücke seien genannt worden. Doch die Erfolgsquote lag bei null. Wie es weitergeht? Sie müsse nun mit ihren Vorstandskollegen die Lage diskutieren. Klar ist aber: Einen Plan B, sprich weitere Optionen, gibt es nicht. „Es wird darauf hinauslaufen, dass das Tierheim vom Bergamt geschlossen wird.“

Für die Städte und Gemeinden im Landkreis hieße das, sie müssten sich dann selbst um Fundtiere kümmern und „so verwahren können, wie wir das tun“, sagt Iris von Crailsheim. Im Jahr 2017 hat das Kitzinger Tierheim nach eigenen Angaben 159 Hunde, 115 Katzen, 26 Kleintiere und elf Vögel aufgenommen. Ins Geld geht vor allem die Pflege von Fundkatzen. Umliegende Tierheime hätten zwar im Falle einer Schließung von Kitzingen angeboten, vorhandene Tiere aufzunehmen, aber dies sei allenfalls als vorübergehende Hilfe gedacht, nicht als Dauerlösung, betont Iris von Crailsheim.

„Und was geschieht mit dem Personal, das dann auf der Straße steht?“ Seit 1988 leitet Angela Drabant das Kitzinger Tierheim, seit zehn Jahren geht ihr ein Tierpfleger zur Hand. Auch ihre Zukunft ist offener denn je.