Lebensmittelkontrolle in deutschen Städten: Ob altes Fett in der Fritteuse, Obstfliegen im Kuchen oder Zigarettenkippen in der Küche - beim Einblick in die Ekel-Akten der Lebensmittelkontrolleure dürfte sich bei vielen Verbrauchern der Magen umdrehen. In zwei fränkischen Städten gab es laut einer Studie 2016 besonders viele Beanstandungen.

Wo sich Deutschlands schlimmste Gaststätten, Imbissbuden und Lebensmittelbetriebe befinden, versuchte nun das Produkt- und Preisvergleichsportal billiger.de herauszufinden und fragte in Zusammenarbeit mit dem Online-Nachrichtenmagazin netz-trends.de bei 110 deutschen Städten zu Kontrollen in Lebensmittel- und Gastronomiebetrieben für das Jahr 2016 an.

Das Ergebnis ist für die Verbraucher ernüchternd: Im Studienschnitt wurden 31 von 100 Lebensmittel- und Gastronomiebetrieben von den Kontrolleuren beanstandet. Dabei weichen die erhobenen "Beanstandungsquoten" erheblich voneinander ab. In Pirmasens wurden im untersuchten Jahr beispielsweise knapp 84 Prozent aller kontrollierten Lebensmittelbetriebe bemängelt, während Mülheim und Trier mit Beanstandungsquoten von drei Prozent deutlich unter dem ermittelten Studienschnitt liegen.

Grundlage für die Rankingbildung waren zwei entscheidende Kennziffern: die Anzahl der Betriebe mit Verstößen sowie die Anzahl aller kontrollierten Betriebe einer Stadt. Aus beiden Angaben wurde anschließend die sogenannte Beanstandungsquote gebildet. Das Problem: Viele Städte konnten oder wollten die gewünschten Informationen nicht liefern. Von 110 Städten legten nämlich nur 57 Stück die Karten auf den Tisch und stellten entsprechende Daten dem Rechercheverbund zur Verfügung.

Rassistischer Angriff: Gruppe von Deutschen hetzt Hunde auf Ausländer und schlägt sie

Außerdem erkundigte sich das Studien-Team noch nach weiteren Zahlen, darunter auch Angaben zu formellen Maßnahmen der Lebensmittelkontrolleure wie Verwarnungen, Bußgeldbescheide und Betriebsschließungen. Die Untersuchung basiert dabei zu einem Großteil auf Angaben der jeweiligen Städte und Veterinärämter.


Besorgniserregende Zustände oder strenge Kontrolleure? Hof auf Platz drei des Ekel-Rankings


In der bayerischen Stadt Hof beanstandeten die Kontrolleure im untersuchten Zeitraum immerhin noch 68 Betriebe pro 100 untersuchte Einrichtungen (120 Prozent über dem Studienschnitt). Von 496 kontrollieren Betrieben fielen den Kontrolleuren 335 negativ auf. Zusätzlich wurden 99 Verwarnungen ausgesprochen, ein Betrieb machte komplett zu.

Auch Bamberg ist auf der Ekel-Liste zu finden. Auf Platz 18 befindet sich die Stadt im oberen Mittelfeld. Von 100 Betrieben gab es in 45 Beanstandungen.

Angeführt wird das pikante Ranking von der rheinland-pfälzischen Stadt Pirmasens. Dort fanden die Lebensmittelkontrolleure 84 von 100 Betrieben beanstandungswürdig. Damit liegt die Stadt 175 Prozent über dem Studienschnitt. In absoluten Zahlen verstießen 215 von 255 kontrollierten Speisegaststätten und Lebensmittelbetrieben gegen die Auflagen der Kontrolleure. Darüber hinaus wurden 68 Verwarnungen erteilt und acht Bußgeldverfahren eingeleitet, drei Betriebe wurden temporär komplett aus dem Verkehr gezogen.

Ob beim nächsten Restaurantbesuch in den Städten mit hoher Beanstandungsquote tatsächlich die Alarmglocken schrillen sollten, lässt sich aus den nackten Zahlen per se nicht unbedingt schlussfolgern. So kann es mitunter sein, dass die Lebensmitteldetektive hier besonders genau hinschauen, wenn es um Hygienesünden geht. Die Recherchen ergaben, dass es sich bei einem Großteil der üblicherweise festgestellten Verstöße um kleinere Beanstandungen handelt, die oftmals schon während des Kontrolltermins abgestellt werden können, aber dennoch aktenkundig werden.

 


Wenige Hygienemängel zum Beispiel in Bayreuth

Die billiger.de-Studie zeigt aber auch, wo die Lebensmittelkontrolleure nur wenig zu beanstanden hatten. Demnach ist Mülheim an der Ruhr nach stadteigenen Angaben die sauberste Stadt im Vergleich. Dort hatten die Kontrolleure nur bei drei Prozent (91 Prozent unter dem Studiendurchschnitt) aller untersuchten Betriebe, Imbisse und Gaststätten etwas zu meckern. 2016 gab es zwar auch in Mülheim 19 eingeleitete Bußgeldverfahren, Betriebe mussten jedoch nicht geschlossen werden.

Auch Trier schneidet in der Studie hervorragend ab. Hier bemängelten die Kontrolleure im Jahr 2016 ebenfalls nur drei Betriebe pro 100 kontrollierte Einrichtungen. Das in Thüringen gelegene Eisenach nimmt es wohl ebenfalls mit der Sauberkeit besonders ernst. Pro 100 getestete Betriebe waren nur 4 zu beanstanden, so das Urteil der Kontrolleure.

Auch die Betriebe in folgenden Städten fielen durch niedrige Beanstandungsquoten auf: Gera (4 Betriebe mit Verstößen je 100 Einrichtungen), Bayreuth (4 beanstandete Betriebe pro 100 untersuchte Einrichtungen), Ingolstadt (5 Betriebe mit Verstößen je 100 kontrollierte Einrichtungen), Memmingen (6 Betriebe mit Verstößen je 100 kontrollierte Einrichtungen) sowie Suhl mit durchschnittlich 7 beanstandeten Betrieben pro 100 untersuchte Lebensmittel- und Gastronomiebetriebe.

 

 


Diese fränkischen Städte erteilten keine Auskunft

Die Recherche für die Studie nahm einige Monate in Anspruch. Der Grund: Trotz mehrerer offizieller Anfragen weigerten sich viele Städte, bei diesem Thema Zahlen zu übermitteln. Während einige Kommunen nicht auswertbare Zahlenkolonnen lieferten, um ja nicht zu viel Einblick in das sensible Thema Lebensmittelsicherheit zu gewähren, redeten sich andere mit einem angeblich zu hohen Arbeitsaufwand heraus oder gaben gar kein Feedback. Das ist insbesondere als problematisch zu betrachten, weil einige Kommunen, teilweise auch aus denselben Bundesländern, nur wenige Tage brauchten, um die Zahlen zu beschaffen.

Zecken-Alarm: Gefährliche FSME breitet sich aus - wie groß ist die Gefahr wirklich und hilft eine Impfung?

Insgesamt erhielt das billiger.de-Studienteam nur 57 verwertbare Antworten von 110 angefragten Städten - fast jede zweite Kommune versandte unvollständige Daten oder machte sogar komplett dicht! Keine Auskunft erteilten unter anderem Ansbach, Aschaffenburg, Schwabach und Würzburg. Bei Coburg und Schweinfurt waren die Daten unvollständig.

Auch das Saarland sah sich außerstande, Daten zu Lebensmittelkontrollen für die Städte Neunkirchen und Saarbrücken zu liefern. Die Daten seien hier nur aggregiert auf Landesebene verfügbar, so eine Presseverantwortliche. Eine Anfrage bei saarländischen Veterinärämtern blieb ebenfalls ergebnislos. Weitere Informationen zur Studie gibt es hier.