Maxl wurde nur ein Jahr alt. Seine Besitzer, Claudia und Manfred Schmutzler, fanden ihn am Morgen des 18. Juli tot auf einer Koppel ihres Gestüts nahe des Münchberger Ortsteils Meierhof: Der Bauch des Quarter-Horse-Hengstes war in Quer- und Längsrichtung aufgeschlitzt, das Gedärm herausgequollen. Das Jungtier stammte aus eigener Zucht. "Er war zutraulich wie ein Hund", sagt Claudia Schmutzler fassungslos. Womöglich wurde ihm das zum Verhängnis, als der unbekannte Täter sich ihm in den Nachtstunden mit bestialischer Absicht näherte. Ein Pferderipper, der sich womöglich weitere Opfer sucht?

Nur ein Büschel Haare

Es gibt keine Spuren, nur ein ausgerissenes Büschel Haare von Maxls Mähne hat der Täter zurückgelassen. Hinweise auf ihn? Fehlanzeige. Wobei die Züchterin und ihr Mann davon ausgehen, dass es mehrere gewesen sind, sein müssen. Und ortskundig. "Wir können die Weiden von unserem Hof sehr gut einsehen. Unsere Pferde stehen ohne Halfter draußen. Insofern gehen wir eher davon aus, dass einer das Tier festhielt und zu Boden warf und der andere die tödlichen Schnitte setzte." Die Züchterin ringt hörbar um Fassung, Details mag sie nicht nennen.

Maxl stand noch am vergangenen Freitag quietschfidel auf einer der zahlreichen Koppeln des Gestüts Bucheck. Das Ehepaar Schmutzler hat bei der Zucht und der Haltung eine oberste Prämisse: "Pferde sind nicht für eine Box gemacht, sondern verspüren als Lauftiere einen unbändigen Drang zur Bewegung. Diese Freiheit räumen wir ihnen ein, so oft es das Wetter erlaubt."

Zuchtgestüt und Gnadenhof

Fast neun Hektar Fläche stehen der momentan 15-köpfigen Pferdegruppe zur Verfügung. Darunter sind auch einige ältere Tiere, die zum Teil stolze 25 Lenze zählen. Ihnen gewähren Schmutzlers ein Gnadenbrot - und einen Lebensabend in Freiheit, nicht die Endstation Schlachthof.

Doch seit der verhängnisvollen Nacht plagen die Schmutzlers Ängste und Zweifel. "Unser Ziel ist es ja gerade, auf unserem Areal den Kontakt zwischen Tier und Mensch zu ermöglichen. Die Koppel, auf der Maxl stand, grenzt an einen Verbindungsweg, den Ortskundige auch mal als Abkürzung nutzen. Auch wenn unser Gestüt abseits liegt, kommen immer wieder Besucher vorbei, streicheln die Tiere. Die sind das gewohnt und reagieren gelassen. Wir können doch nicht unsere Pferde aus ihrer Umgebung reißen und sie in einen Stall pferchen! Das ist genau das, was wir gerade nicht wollen."

Eine Sonderkommission der Hofer Polizei ermittelt im Fall des getöteten Pferdes. Ein Spürhund, der menschliche Flüssigkeiten wie Blut, Urin und Sperma wittern kann, hat den Tatort inspiziert. Vergeblich. Das Polizeipräsidium Oberfranken prüft, ob es womöglich einen Zusammenhang gibt mit einem Fall vor einem Jahr. Damals war ein Hengst, der in einem Ortsteil von Helmbrechts stand, mit einem spitzen Gegenstand erstochen worden.
Die Schmutzlers wollen, dass der oder die Schuldigen bald dingfest gemacht werden. "Wir fürchten, dass er oder sie entweder bei uns oder woanders wieder zuschlagen." Deswegen sind mittlerweile 4000 Euro Belohnung ausgelobt: Die Hälfte der Summe hat ein Mann ausgesetzt, jeweils 1000 Euro die Schmutzlers sowie die Tierschutz-Organisation Peta.

Ominöses weißes Auto gesehen

Vielleicht führt eine Beobachtung der Züchterin auf die Fährte des Tierquälers. "Ich kam in der Nacht nach dem Vorfall gegen 5 Uhr von meinen Verwandten heim und habe plötzlich ein weißes Auto nahe der Koppel stehen sehen. Der Fahrer ist weitergefahren, als ich näher kam. Eine Augenzeugin hat diesen Wagen ebenfalls beobachtet und als Kennzeichen SOK für Saale-Orla-Kreis ausgemacht."

Weitere sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei in Münchberg unter der Rufnummer 09251/870040 entgegen.


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