"Ein Entdeckerfestival", sagt der seit längst nicht mehr nur rekord-verdächtigen 49 Jahren amtierende Leiter Heinz Badewitz, sind die internationalen Hofer Filmtage. Und fürwahr: Zu entdecken gibt es bei Frankens einzig relevantem Filmfestival immer wieder viel.


Besonders junge Talente des deutschen Films wissen den Charme und die Binnenmarkt-Bedeutung der Filmtage zu schätzen. Dass dabei am Ende des Tages nicht immer alles Entdeckte es wert war, gesehen zu werden, liegt in der Natur eines Filmfestes.


Mit dem diesjährigen Auftaktfilm hat Badewitz immerhin schon einmal einen guten Griff getan. Das bekannt dankbare Hofer Publikum würdigte in der Vergangenheit zwar schon Filme mit dickerem Applaus - aber dies liegt wohl eher daran, dass Christian Züberts "Ein Atem" am Ende halt gar so wenig Hoffnung übrig lässt. Das mussten die Zuschauer der offiziellen Eröffnung im "Central"-Kino in der Hofer Innenstadt halt erst einmal verdauen, ehe sie dann - spätestens beim Gang in die frische Nacht hinaus - am Ende doch gefällig nickten. Und das weiß man ja: Das ist für einen Franken schon eine klar positive Gefühlsregung.


Zwiespältige Figur

"Ein Atem" ist, auch wenn der Film einen Verleiher für das kommerzielle Kino gefunden hat, ein typischer Festivalfilm. Der aus Würzburg stammende Zübert, der - fast zu seinem eigenen Erstaunen auch - noch nie in Hof gewesen ist, packt sein Drama pickepacke voll. So macht man das, wenn man (zu) viel zu erzählen hat. Da ist Tessa, irgendwo zwischen Karrierefrau und fürsorglicher Mutter. Sie trifft auf Elena, die angesichts der griechischen Wirtschaftskrise lebensfroh von Athen nach Deutschland reist und dort, doch recht klischeehaft, feststellt, dass sie schwanger ist. Das passt natürlich gar nicht.


Beide Frauen, beide Lebensphilosophien, kommen zusammen, weil Elena zur Tagesmutter für Tessas kleine Tochter Lotte wird. Die Situation wird dramatisch, als Lotte bei einem Bäcker-Einkauf mit Elena aus dem Kinderwagen verschwindet. Schuld, Sühne, selbstgerechte Klischee-Männer (aus Deutschland und Griechenland, übrigens), Verantwortung, Verdrängung - Zübert lässt wirklich gar nichts aus, was sich in Beziehungen zwischen Menschen hineininterpretieren lässt.


Das wird am Ende ein bisschen arg viel, bleibt aber dank des durchweg überzeugenden Darsteller-Stabes irgendwie doch noch sehenswert. Insbesondere Jördis Triebel - die in "Emmas Glück" eine viel gelobte sympathischere Figur spielen durfte - bleibt in der Rolle der Tessa als verlorene Seele bis weit nach dem Abspann zwiespältig in Erinnerung.


Richtig durchgestartet sind die 49. Hofer Filmtage dann erst gestern mit dem vollen Programm vom Vormittag bis hinein in die Nacht. 34 deutsche Filme hat Festival-Gründer hat Heinz Badewitz für das noch bis Sonntag laufende Programm ausgesucht.


Das Unbekannte entdecken

Klar sind dabei wieder alte Bekannte und Badewitz-Weggefährten wie Rosa von Praunheim (wenn auch nur mit einem Kurzfilm) im Programm zu sehen, das Gros der Werke stammt aber von Filmemachern, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. "Das Unbekannte ist das Spannendste was man entdecken kann", sagte Badewitz zur Eröffnung am Dienstagabend mit Blick auf die Entwicklung, dass kommerziell Erfolg versprechende oder gar groß international produzierte Filme in diesem Jahr auf den ersten Blick im Filmtage-Angebot zu fehlen scheinen.


Coburg darf auf mitspielen

Eine Nebenrolle spielt bei den Hofer Filmtagen sogar Coburg. Die Stadt wird am morgigen Freitag im Rahmen eines Empfanges des Bayerischen Filmfernsehfonds erstmals einen Drehbuchpreis vergeben.
Dass diese Aktion fürs Stadtmarketing der Vestestadt den Weg zur Film-Metropole ebnet - davon sollte man lieber nicht ausgehen. Da hat Hof schon fast 50 Jahre Erfahrung in der Branche heraus. Aber ein bisschen frischer Wind tut der fränkischen Kinoprovinz allemal gut.