Solche Tage, in diesem Falle Nächte, darf es mehr geben: In der Nacht zum 30. April wurden im Haßfurter Krankenhaus innerhalb von zweieinhalb Stunden gleich drei Babys geboren. Inzwischen hat es noch so einen Tag gegeben und kurz vor Pfingsten zeichnete sich erneut ein flottes Geburtentempo ab.

Es zauberte nicht nur Glück in die Herzen der Eltern, sondern auch ein Strahlen in die Geburtshilfestation. Solche Tage lassen es nämlich wahrscheinlicher werden, dass die Geburtshilfe am Haßfurter Krankenhaus dauerhaft erhalten bleibt. Weil die Kinderzahlen stimmen. Mittlerweile dürfte man bei über 140 Babys stehen, die 2018 in Haßfurt geboren worden sind.
Immer noch zehn zu wenig, hat der der Pflegedienstleiter Michael Weiß-Gehring beim Blick auf die Statistik berechnet.


Geltungsbereich erweitert

Obwohl doch gerade ein großes Aufatmen durch die Station ging: Die Regierung hat das Förderprogramm zum Erhalt der defizitären Geburtshilfestationen an kleineren Krankenhäusern jetzt angepasst, die Förderrichtlinien "werden anders ausgelegt, indem jetzt auch die Kinder von außerhalb gelten," skizziert es Weiß-Gehring. "Eine richtig gute Nachricht", kommentiert das Chefarzt Raphael Kupitz. "Wir hätten das die letzten zwei Jahre auch erreicht," ergänzt Weiß-Gehring. Die 50 Prozent.

Das ist die Zauberformel: Die Hälfte der im Landkreis Haßberge insgesamt geborenen Kinder muss in der Haßfurter Geburtshilfestation zur Welt kommen - wobei es unerheblich ist, - und das ist neu - ob Mutter und Kind im Landkreis Haßberge wohnen. Damit fallen beispielsweise die drei Frauen aus Würzburg unter die Zählung, die sich, wie Oberarzt Matthäus Kupietz erzählt, Haßfurt durch eigene Recherchen extra ausgesucht haben, weil hier großer Wert auf Familienfreundlichkeit und auf die vielen Geburtsmöglichkeiten gelegt wird.


Es fehlen noch ein paar Babys

Gleichwohl reichen die guten Zahlen für dieses Jahr eben noch nicht ganz aus: Die Haßfurter Geburtshilfe braucht mindestens 400 Babys und kämpft noch mit der "Delle", die die Wirren des vergangenen Jahres geschlagen haben, als der Kreistag Haßberge beschlossen hatte, die Geburtshilfestation wegen fehlender Finanzierung zu schließen.


Keine Schließung

Der Beschluss ist aufgehoben, doch die Haßfurter Ärzte wissen aus Gesprächen mit Patientinnen, dass längst nicht alle Bescheid wissen. "Jetzt, langsam, wissen es die Frauen, aber trotzdem wissen es noch nicht alle", betont Matthäus Kupietz, dem neulich bei seiner Nachfrage eine Patientin spontan erfreut antwortete: "Na, dann kann ich ja noch ein Kind bekommen!"

Selbst in seinem Wohnort Bamberg passieren ihm solche Begegnungen: Beim Einkaufen sprach ihn eine Bekannte an, die in Haßfurt ihr erstes Kind zur Welt gebracht hatte. Als sie hörte, dass die Geburtshilfe weiterbesteht , freute sie sich ehrlich und meinte zu dem Mediziner und seinem Arbeitsplatz: "Ich wollte mich bei Ihnen gar nicht anmelden, ich dachte, Sie werden geschlossen!"

Nicht nur aus Bamberg kommen Frauen, selbst aus Nürnberg reiste eine Frau an, in der arbeitsreichen Aprilnacht gebar sogar eine Frau aus Volkach in Haßfurt - selbst Hebamme. Das Vertrauen freut den Ärztestamm in Haßfurt.

Die Geburtshilfestation auf dem flachen Land ist, abgesehen davon, eine Alternative für Schwangere, die nicht in einer großen Klinik entbinden möchten, die den "Zeitfaktor" schätzen, wie die Hebamme Birgitta Wohner-Finger erklärt. "Wir fragen, was die Eltern wollen." Wo in einer großen Klinik schon alleine wegen der größeren Zahl der Geburten pro Tag die Funktion im Vordergrund steht, kann ein kleineres Haus Zeit bieten.

Zeit, die eine beispielsweise Wassergeburt braucht. Selbst wenn die die Möglichkeiten zur Wassergeburt vorhanden sind, bedeutet das nicht, dass diese auch genutzt werden, denn eine Wassergeburt bedeutet immer Mehraufwand. Die Frauen können in einer kleineren Einrichtung mehr nach ihrer Persönlichkeit, behandelt werden, sich somit besser angenommen fühlen und sich eben auch so fallen lassen, wie es für eine Geburt wichtig ist.

In Haßfurt "arbeiten wir auf einer Ebene", ergänzt Abteilungsleiterin Sonja Jäger. Die Schwangeren und die Familie finden bekannte Gesichter, die Hebammen halten hier ihre Kurse, die Frauen können mit ihnen entbinden - es gibt somit kürzere Informationswege.

Abgesehen davon zeigen die jüngsten Fragen von Schwangeren bei Sprechstunden, wie wichtig im Sonderfall eine Ausweichmöglichkeit sein kann. Der Tuberkulosefallam Bamberger Klinikum schlug Wellen bis nach Haßfurt. Raphael Kupitz hatte einige Fragen von unsicheren Frauen zu beantworten. Die Haßfurter Ärzte bescheinigen dem Klinikum professionelles Verhalten, ebenso war der Datenfluss und -austausch mit den Gesundheitsämtern ausgezeichnet. Konkret war das wichtig bei einer Frau, die von Bamberg nach Haßfurt kam und dort entbinden wollte. Schnell gab es Klarheit und damit die Sicherheit: keine Gefahr, dass sich jemand ansteckt.


Was bedeutet "Risiko" wirklich?

Matthäus Kupietz liegt noch dazu ein altes Dauerthema am Herzen: die Markierung als Risikoschwangerschaft. Sie bezieht sich vorrangig auf die Risiken in einer Schwangerschaft, unterstreicht er. Drei von vier Frauen sind laut Katalog der Faktoren für eine Risikoschwangerschaft so gekennzeichnet. Risikoschwangerschaften müssten aber nicht automatisch an Kinderkliniken. Es "muss es nicht zu Komplikationen kommen. Die wenigsten Risiken wirken sich tatsächlich auf die Geburt aus." Echte Risiken, die in Haßfurt nicht beherrschbar seien, betont Kupietz, schicke man selbstverständlich zur größeren Einrichtung. Wichtig ist ihm das klärende Gespräch.