Im Rahmen der Städtebauförderung wurde das alte und leerstehende Kommunalbrauhaus am Dorfplatz in Rügheim saniert. Ein Gebäude, das nun mit gedecktem Dach, neuen Fenstern und Türen, gepflegter Außenfassade den Ortskern stärkt und auf seine weitere Nutzung gespannt ist. Diese steht seit Ende 2014 fest, als sich in Rügheim der Brauverein Hofheimer Land gegründete: Die derzeit 60 Vereinsmitglieder zwischen 16 und 84 Jahren wollen in dem Kommunalbrauhaus in Zukunft wieder Bier brauen und Brot backen.

Die Lokale Aktionsgruppe Haßberge (LAG) unterstützt dieses Projekt und hat sich um eine finanzielle Förderung mit europäischen Leader-Mitteln bemüht: Mit 44 400 Euro Fördermitteln kann der Verein rechnen, um das Brauhaus zu seiner ursprünglichen Funktion zurückzuführen, wie das Regionalmanagement am Landratsamt in Haßfurt mitteilt. Die förderfähigen Gesamtkosten werden auf 74 000 Euro geschätzt.

Im alten Kommunalbrauhaus in Rügheim wurde bis in die 1960er-Jahre Bier gebraut. Die historische Brauanlage wurde schon vor vielen Jahren an das Freilichtmuseum in Fladungen verkauft. Mit der neuen, alten Nutzung soll es "zu einem Aushängeschild für das regionale Brauchtum und traditionelle Handwerkskunst" werden, formuliert der Landrat Wilhelm Schneider. Eine neue Brau- und Backanlage muss dafür angeschafft werden. Schulungen der Vereinsmitglieder gehören ebenso dazu, damit das Brauhaus zu dem wird, was bisher nur auf dem Papier vorgesehen ist. Eine generationenübergreifende Dorfgemeinschaft, die hinter diesem Projekt steht und eifrig auf den ersten eigenen Sud wartet, wird zudem als Erfolgsindikator gewertet.

Die Brauanlage soll im Gewölbekeller des Brauhauses installiert werden. Der Brauverein Hofheimer Land mit seinem Vorsitzenden Rainer Huth (als Schriftführer wirkt übrigens der Dekan Jürgen Blechschmidt mit) stellt dafür den Korpus einer kleinen Gasthausbrauanlage zur Verfügung. Mit dieser ist es möglich, in kurzer Zeit mehrere Biersorten herzustellen. Die Quantität und der Verkauf stehen bei diesem Projekt aber nicht im Fokus: "Es ist das handwerkliche Brauen und das Vorführen verschiedener Brauvariationen", um das es dem Brauverein geht.


Zentrale Anlaufstelle

Als Konkurrent der einheimischen Brauer wollen die Rügheimer nicht auftreten, als Teil im System aber schon: Das Brau- und Backhaus wird eine zentrale Anlaufstelle für alle elf Kommunalbrauvereine im Landkreis Haßberge. Erste Partnerschaften bestehen bereits.

Parallel zur Brauanlage wird ein Holzbackofen in das historische Haus in Rügheim eingebaut. Korn, Hopfen und Malz sollen bei regionalen Produzenten gekauft werden, um Transportwege kurz zu halten und ein regionales Produkt herzustellen. Dafür ist der Innenausbau des Brauhauses mit heimischen Hölzern aus dem Rügheimer Forst geplant. Um eine Theke und die weitere Möblierung wird sich der Brauverein Hofheimer Land selbst kümmern. Durch die natürliche Kühlwirkung des Gewölbekellers wird der Einsatz von Kühltechnik auf ein Minimum beschränkt. Der laufende Betrieb soll durch Mitgliedsbeiträge und Nutzungsgebühren gedeckt werden, für den Start wird der Verein bei der Hausbank einen Kredit aufnehmen.

Bevor der erste Tropfen aus dem Hahn läuft und das erste Brot aus dem Ofen gezogen werden kann, werden sich die Vereinsmitglieder nicht nur intensiv mit der Anlagentechnik auseinandersetzen, sondern auch Wissen über Zutaten und traditionelle Zubereitungsarten vermittelt bekommen. Als Multiplikatoren streuen sie ihr Wissen dann quer über den Kreis Haßberge. Kooperationen mit regionalen Brauereien und Gastronomiebetrieben sind zudem angedacht. Das erste Bier soll es übrigens noch im Jahr 2017 geben: Rügheim ist Dekanatssitz und für das Lutherjahr 2017 ist ein spezielles "Lutherbier" geplant.