Katzensprache ist einfach. Zumindest die kleinen Katzenbabys in der Quarantänestation des neuen Tierheims in Zell drücken sich klar aus: "Miiaau" (= Hunger) - Pause - "Miau!!" (=schneller!!). Britta Merkel hat es verstanden, beruhigt die aufgeregten Kätzchen, die am Metallgitter hangeln, die Pfoten durch die kleinen Öffnungen stecken. Eine versucht, den Kopf durchzuzwängen. "Na, na!" Merkel stuppst das Katzenköpfchen sanft zurück. "Gleich... ihr kriegt ja alle was."


Erstmal Quarantäne

Die Leiterin des Tierheims und Vorsitzende der Tierschutzinitiative Haßberge hat alle Hände voll zu tun: Vier kleine Kätzlein, etwa fünf Wochen alt, verlangen hier nach dem Fläschchen, sie sind zusammen in einer der Quarantäneboxen untergebracht, die Finder haben sie beim Tierheim abgegeben, die Katzenmutter wurde "vermutlich überfahren", schätzt Merkel. Die Tierlein haben bereits eine tierärztliche Untersuchung hinter sich. Katzenschnupfen und andere Krankheiten haben sie nicht, nach etwa acht Wochen werden sie erstmals geimpft. So lange bleiben sie im Quarantäneraum. Die Jungtiere seien recht fit und gut beieinander, sagt sie.
Im Nebenzimmer schaut es etwas anders aus: Die drei Katzenbabys hier sind noch nicht über dem Berg, kämpfen noch ums Überleben. Zumindest bei der einen "ist der Zustand noch sehr kritisch. Ich weiß nicht, ob sie es schafft", sagt Merkel. Das kleine Kätzchen "hat seinen Lebensgeist" noch nicht wiedergefunden. Während die anderen beiden an der Milchflasche nuckeln, die eine sogar selbstständig aus dem Napf trinkt und schon verspielt die Quarantänebox erkundet, muss Merkel bei dem "Sorgenkind" nachhelfen, sie bekommt die Nahrung mit der Spritze.
Merkel streichelt das schwache Tier dabei und beruhigt es, es wird quasi sanft zum Überleben gezwungen. Aber den Willen dazu "muss sie erst aufbringen"- tut sie das nicht, stirbt sie. Gehöre leider auch dazu, sagt Merkel und setzt die Kleine zurück auf die Heizdecke im Käfig.
Die drei Katzenbabys, Merkel schätzt sie auf drei bis vier Wochen, sind in dem anderen Raum untergebracht, weil sie Katzenschnupfen haben, die eine war sogar schon von Maden befallen. Ein Fahrradfahrer hat zwei davon am Mainufer entdeckt, die dritte kam einen Tage später dazu, die Tierheimleiterin vermutet, dass sie aus demselben Wurf stammen. Die Katzenmutter sei entweder tot oder habe die Jungen zurückgelassen, weil sie zu schwach waren. "Sie müssen noch einige Wochen hier bleiben." Sie werden versorgt und später geimpft. Dann dürfen sie in den "schöneren Bereich" des Tierheims. Denn die Quarantänestation ist eher karg und eben komplett isoliert vom Rest des Tierheims. Im Katzenzimmer haben sie dann mehr Freiraum.
Während der rund zwei Stunden, in denen der Fränkische Tag zu Besuch im Tierheim ist, kommen noch weitere Katzen hinzu: Um kurz nach 13 Uhr bringen Romy Gagel und Erna Volk einen ausgewachsenen Kater in einem Katzenkorb vorbei. Die beiden Frauen sind aus Ebern hergefahren, den Kater haben sie in der Schönhengststraße aufgesammelt. "Der streunt schon seit etwa sechs Wochen bei uns herum", sagt Romy Gagel. "Ein lieber Kerl." Problem: Er läuft in die Wohnungen und markiert überall, "man kann keine Tür mehr auflassen". "Männer halt", sagt Katja Ganser und lacht. Die Helferin im Tierheim füllt mit den beiden Frauen aus Ebern das Fundtier-Formular aus. Der Kater kommt jetzt auch erst mal in Quarantäne.


Und nochmals Zuwachs

Nur eine Stunde später wiederholt sich das Spiel: Benjamin Seißinger und seine Mutter Tanja bringen fünf Katzenbabys vorbei, die sie auf ihrem Grundstück in Unterschwappach im Holzlager gefunden haben. Die Mutter der Jungtiere "ist überfahren worden", berichtet Benjamin Seißinger, sie wurde Stunden zuvor tot auf der Straße im Dorf gefunden. Wieder füllen die Finder mit Katja Ganser das Formular aus, die fünf Kätzlein bringt Britta Merkel in die Quarantäne.
Dann macht sich die Tierschützerin auf zur "Futterrunde" im Tierheim. Fünf Hunde warten in ihren Zimmern und wedeln freudig mit dem Schwanz, als sie ihre Betreuerin bemerken. "Bin gleich bei euch", sagt sie. Zuvor wollen noch ein Zwergkaninchen, ein Feldhase, fünf Ratten, vier Degus, zwei Tauben und eine Wasserschildkröte versorgt werden. Die Tauben und das Feldhasenjunge sollen aufgepäppelt und wieder ausgewildert werden. Für die anderen Tiere werden neue Besitzer gesucht.
Das neu gebaute Tierheim (seit 2011 gab es kein Tierheim im Landkreis, die Kommunen und der Landkreis haben es nach jahrelanger Planung und Grundstückssuche im November 2017 offiziell eröffnet, die ersten Tiere sind dann 2018 einzogen) bewertet Landrat Wilhelm Schneider (CSU) als Erfolg. Er sehe die Entwicklung sehr positiv. 1,7 Millionen Euro (ohne Grundstück und Einrichtung) haben der Landkreis und die Kommunen gemeinsam dafür ausgegeben . "Die Investition war der richtige Schritt, um die Fundtierbetreuung wieder gewährleisten zu können", sagt Schneider. Der Betrieb im Tierheim befinde sich noch in der Anlaufphase, "deswegen ist es noch ein wenig zu früh, um eine Aussage dahingehend zu treffen, wie der Betrieb läuft. Unser erster Eindruck ist aber durchaus positiv", zieht der Landrat ein erstes Fazit.