Fremdenfeindlich ist sie nicht, provozieren will sie aber schon mal: Wenn man so viel Geld für Asylsuchende ausgibt, dann muss man auch Geld ausgeben "für den Otto-Normalverbraucher 50Plus!" - Cornelia Gleußner aus Eltmann steuert das Schwimmbad in Zeil fast täglich an. Gesundheitlich mehrfach beeinträchtigt, hört sie von ihrem Arzt immer: "Schwimmen, Schwimmen, Schwimmen".


Es gibt zu wenige Alternativen

Das setzt sie mit Begleiterin Sonja Kittler aus Zeil auch um. Gleußner zählt auf: In Eltmann gibt's nur das Freibad, Bischberg ist jetzt zwei Jahre für die Sanierung geschlossen, Haßfurt scheidet als "Spaßbad" aus. Die Eltmannerin sieht so viele Beispiele, wo Geld keine Rolle spielt. Die Autobahnstrecke Erlangen Richtung Nürnberg etwa - nach der Sanierung wellig, "und jetzt wird wieder alles komplett aufgerissen!" Für die Frauen ist Zeil einfach eine wichtige Adresse. Die übrigens ausgelastet ist, denn "voller geht's nicht" an manchen Tagen, beschreibt Kittner.


Zum Hintergrund

Die Stadt Zeil hat beschlossen das Zeiler Schwimmbad Mitte 2019 zu schließen. Seit Jahren ist es sanierungsbedürftig und nach 44 Jahren Betriebsdauer nicht mehr weiter herzurichten. Die Sanierung lohnt sich nicht mehr. Im Grunde müsste ein Neubau her. Doch ein solcher würde wohl auf bis zu sieben Millionen Euro kommen, schreibt Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann in einem Brandbrief an den Landtagsabgeordneten Steffen Vogel. Selbst bei einer Förderung nach gegenwärtigen Regeln bliebe der Stadt Zeil ein Eigenanteil von bis zu 3,5 Millionen Euro: Nicht zu schultern von der Kommune, die ihre Pflichtaufgaben erledigt, aber mit dem Rückgang von Industrie zu kämpfen hat und daher bereits 2018 erneut Stabilisierungshilfe beim Freistaat beantragen musste. Stadelmann gibt in seinem Brief an Vogel und weitere Politiker zu bedenken: "Die Schließung des Bades würde sich nicht nur auf die Stadt Zeil selbst und die umliegenden Schulen, sondern auch auf das Freizeitangebot des Landkreises auswirken. Wie Sie aus der statistischen Besuchererfassung der Monate Februar und März in der Anlage ersehen können, wird das Bad im öffentlichen Badebetrieb zu ca. 70 Prozent von Gästen besucht, die nicht aus Zeil sind."


Umfrage unter den Badegästen


Im Foyer warten extra zwei Frauen, sie wollen auch ihre Meinung sagen: Für Uli Fritzmann, ist das Schwimmen wichtiger Ausgleich. Als Bedienung schleppt sie beim Göller täglich Zentner, die behutsame Bewegung im Wasser tut ihr gut und erhält die Gesundheit, findet sie. Sie kennt viele Menschen, die das Zeiler Bad regelmäßig nutzen, "da haben wir schon Freundschaften geschlossen", lacht sie, Freunde kommen aus Königsberg, Rauhenebrach, ja bis aus Ebrach hergefahren zu einer der vielen Aquajogging-Gruppen. Die Menschen schätzen die familiäre und ruhige Atmosphäre. Einige Eberner kennt sie, die mit den Öffnungszeiten vor Ort nicht glücklich sind und daher lieber nach Zeil fahren.


Von Anbeginn dabei

Quasi Wasser auf die Mühlen von Hiltrud Fuchs aus Zeil, die noch Bürgermeister Rudolf Winkler vor Augen hat, als der vor Jahrzehnten das Bad mit einem Sprung ins Wasser eröffnete. Im Anzug. Seit Anbeginn nutzt sie das Bad. Ab und zu fährt sie nach Staffelstein, "aber das liegt nicht um die Ecke." Das Zeiler Bad, findet sie, ist wichtig, "es sind mehr Besucher aus dem Landkreis da als Zeiler selber, darum könnte der Kreis die Stadt unterstützen", sagt sie. Das finden viele Befragte. Kreis, Land, Bund, sie sollten zahlen, denn die Stadt alleine, die ist da überfordert. Wenn es auch Georg Hofmann "aus Waaasthum" einleuchtet, bilanziert er zum geplanten Schließungstermin 31. Juli 2019 doch: "Ich bin enttäuscht."

Zeil war ja die Rettung für die Eltmanner Frauenschwimmgruppe, die über Jahrzehnte das Knetzgauer Bad eine Stunde wöchentlich für sich hatte. Geburtstage, Weihnachten, Fasching hatten sie dort gefeiert mit "am Likörli", wie Renate Rether lacht. Jetzt genießt die Frauengruppe den Warmwasserbadetag in Zeil. Sie sind allesamt Wasserratten, keine Frage, dass die meisten von ihnen die Freibadsaison in Eltmann nutzt.


Die ganze Familie geht ins Schwimmbad nach Zeil

Andrea Neuß ist 15 Jahre ins Bischberger Bad gefahren, doch da wird jetzt saniert. Sie nutzt mit den Eltmannerinnen den Warmbadetag, "die Schwiegertochter geht am Montag zur Wassergymnastik, der Sohn kommt mit dem Tauchverein Sand zum Tauchen hierher... und abends mach ich dann auch noch oft ein Fußbad", witzelt die fesche Schwimmerin, die im Fasching und bei der Seniorenbetreuung eine feste Größe ist.

Ist es bei den Frauen, bei den Senioren, der Rheuma-Liga oder den VdK-Schwimmern der "Gesundheitsbrunnen", so spürt man bei Bademeister und Sportlehrer Alfred Junker den Schmerz: "Wo sollen die Kinder hin?" In einem Ordner hat er die Erfolge der Zeiler Schüler zur Hand. Sein Trainerherz schlägt für die Wettkampfklasse III/2: Mit den Jugendlichen standen die Zeiler an Bayerns Spitze, "das ist nur möglich wegen dem Bad!" Fast liebevoll blickt Junker auf die Zeitungsausschnitte. Im Zirkus-Krone überreichte Kultusminister Spänle einst Ehrungen, auch im Kaisersaal der Residenz standen die Zeiler schon. Sind die schönen Zeiten vorbei?