Mit dem "Zeiler Hexenturm" hat die Stadt Zeil vor Monaten einen mutigen und wichtigen Schritt getan, um das Gedenken an rund 400 ermordete Zeiler wach zu halten. Sie waren als sogenannte "Hexen" zwischen 1616 und 1631 gefangen genommen, gefoltert und getötet worden. Der "Zeiler Hexenturm", wie das Dokumentationszentrum zur Hexenverfolgung genannt wird, arbeitet das dunkle Kapitel der Geschichte auf und ist einmalig in der näheren und weiteren Umgebung. Und stößt auf großes Interesse.


Bisher 2400 Besucher



Die Leiterin Birgit Geißler gab dem Zeiler Stadtrat in dessen Sitzung am Montagabend im Dokumentationszentrum einen ersten Überblick über die Resonanz und die Akzeptanz, die der "Hexenturm" seit Eröffnung im November vergangenen Jahres erfährt. Nach ihren Angaben haben bisher rund 2400 Besucher das Angebot genutzt, sich über die Hexenverfolgung zu informieren. Zeil war zu Beginn des 17. Jahrhunderts der "Brennofen" des Erzbistums Bamberg. Rund 400 Zeiler fielen dem Hexenwahn zum Opfer, weitere 400 Opfer stammen aus Bamberg und Umgebung.

Die Hexenverfolgung spielt bei Stadtführungen in Bamberg eine wichtige Rolle. Die Stadtführer erinnern an die blutigen und brutalen Geschehnisse von damals. Und sie verweisen auf den "Zeiler Hexenturm", wie Brigit Geißler dem Stadtrat erläuterte. Davon profitiert das neue Dokumentationszentrum. "Eine bessere Werbung können wir nicht haben", sagte sie.

Unter den 2400 Besuchern waren laut Birgit Geißler zahlreiche Multiplikatoren, zum Beispiel die Stadtführer in Bamberg. Und Lehrer: Sie sollen den Schülern die Zeit der Hexenverfolgung nahe bringen und können dabei auf ein pädagogisches Konzept zurückgreifen, das Birgit Geißler erarbeitet. Erste Testläufe mit Schulen hat es nach ihren Angaben bereits gegeben. Klassen der Maria-Ward-Realschule Bamberg haben den "Hexenturm" besucht. Erfolgreiche Probeläufe, findet Geißler.


Platz für Ausstellungsstücke?



Die Leiterin machte darauf aufmerksam, dass sich das neue Zentrum in der ersten Besuchersaison befinde. Vieles müsse beobachtet und ausgewertet werden, etwa im Hinblick darauf, ob die Öffnungszeiten passen oder geändert werden müssen. Nachgedacht werde, wie das Dachgeschoss zu nutzen ist, das sich zum Beispiel für Ausstellungen eignen würde. Birgit Geißler könnte sich vorstellen, dass Exponate zum Thema aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg in Zeil gezeigt werden. Erste und erfolgversprechende Kontakte gebe es, sagte sie.

Die moderne Installation im Obergeschoss des Dokumentationszentrums komme bei vielen Besuchern an. In drei Räumen werden die Szenarien der Hexenverfolgung (Gefangennahme, Folter, Tod) mit aufrüttelnden akustischen Signalen und Bilderfolgen dargestellt.

Das Spektrum der Besucher ist laut Geißler breit gefächert. Auffallend viele Schweizer seien bisher gekommen. "Es gibt viele Leute, die sich tiefgreifend mit dem Thema auseinander setzen", hat Birgit Geißler erfahren. Viele Besucher hätten ihre Anerkennung darüber zum Ausdruck gebracht, dass sich eine kleine Stadt wie Zeil solch ein Dokumentationszentrum leiste. Es kostete über 700 000 Euro.