Der Ein-Millimeter-Bohrkopf aus Diamant und Metall wirbelt feine Spähne auf. Es riecht nach frisch gefeilten Fingernägeln. Drei Sekunden Druck, dann kurz absetzen und den Bohrkopf abkühlen lassen. Dann wieder von vorn das Ganze. Michael Wacker hält die Fräse wie einen Stift. Die Augen blicken konzentriert. Nach dreißig Sekunden ist ein kleines Loch in dem Straußenei mit der schimmernden, elfenbeinfarbenen Oberfläche.

"Das gibt ein tolles Licht. Die Schale leuchtet ganz warm und durch die Löcher fallen helle Strahlen", sagt Wacker. Er sitzt auf der Veranda seines Elternhauses in Zeil. Die Ruhe, die er beim millimetergenauen Fräsen ausstrahlt steht im Kontrast zu seinem Äußeren. Wacker ist ein Schrank von einem Mann, mit breitem Kreuz und großen Händen.


Bis zu 20.000 Umdrehungen

Drückt Wacker zu stark auf oder wählt die falsche Drehzahl an der Fräse (bis zu 20.000 Umdrehungen sind möglich), platzt der Rand am Bohrloch und das Lampenei hat einen Makel. "Wenn man's gescheit machen will, dann braucht man Ruhe und Geduld", sagt Wacker und legt die kleine Fräse zur Seite.

Das Lampenbauen ist für den gelernten Mechaniker ein Freizeitausgleich. Und war es vor allem in den vergangenen Monaten, nach zwei schweren Operationen am Knie. "Da konnte ich sieben Monate lang nur liegen oder sitzen. Da wird's schon mal langweilig", sagt Wacker. Mittlerweile ist er genesen und seit einigen Wochen arbeitet er wieder im Bosch-Werk in Bamberg. Neben Arbeit und Reha fürs Bein bleibt ihm jetzt allerdings weniger Zeit für das ungewöhnliche Hobby.


Acht Stunden bis zur Lampe

Und das benötigt viel Zeit und Akribie: Bis eine Lampe aus Straußenei fertig ist, zeichnet, fräst und klebt er gute acht Stunden. Wacker benutzt einen Bleistift zum Vorzeichnen der Löcher, seine Fräse mit unterschiedlichen Bohrköpfen und handelsüblichen Alleskleber. Den fertigen Lampenschirm aus Straußenei verklebt er mit einem Gewinde aus Kunststoff, das dann mit einer handelsüblichen Tischlampe verschraubt wird. Einige der Lampen reagieren auf Berührung mit dem Finger und leuchten in drei unterschiedlich hellen Stufen.


Für Freunde und Bekannte

14 Stück hat der Zeiler gebaut. Drei hat er in seinem Wohnzimmer stehen, die anderen gab er günstig an Freunde und Bekannte. Die Eingebung zum Bau der ersten Lampe hatte er vor gut 20 Jahren. Auf einem Markt bei München hat er zum ersten Mal Straußenei-Lampen gesehen. "Die wurden für 180 Mark angeboten. Und ich dachte nur: Die sind nicht schwer zu bauen". Die aufwendige Produktion, hohe Preise für Rohlinge (bis zu 25 Euro bei einer Straußenfarm in Rostock) und viele Konkurrenz-Anbieter im Internet hielten Wacker aber davon ab, ein Gewerbe anzumelden. So bleibt es bei der Entspannungsarbeit auf Mutters Veranda.