Am Söhrlein in Zeil rücken bald wieder die Bauarbeiter an. Innerhalb weniger Jahre ist zum dritten Mal ein Bauprojekt an der evangelischen Kindertagesstätte erforderlich. Die hohe Zahl der Kinder macht es notwendig, dass erweitert wird. Ein Anbau für eine zweite Kindergartengruppe soll entstehen. Ob damit mittel- oder gar langfristig ein ausreichendes Angebot an Betreuungsplätzen für Kinder im Vorschulalter besteht, erscheint fraglich, wie die Diskussion am Montagabend in der Sitzung des Zeiler Stadtrates im Rathaus deutlich machte.

Zeil hat aktuell zwei Kindertagesstätten mit insgesamt fünf Kindergartengruppen (vier Gruppen im katholischen Kindergarten und eine Gruppe in der evangelischen Kindertagesstätte) mit insgesamt 125 Plätzen (25 je Gruppe). Dazu kommen vier Kinderkrippengruppen (je zwei in den beiden Kindertagesstätten) mit 48 genehmigten Plätzen. Allerdings gibt es derzeit mehr Kinder als Plätze. Insgesamt sind im evangelischen Kindergarten 14 Kinder mehr untergebracht, als Plätze vorhanden sind, und im katholischen Kindergarten zehn Kinder mehr. Diese 24 Kinder und dazu noch zwei Krippenkinder mehr machen rein rechnerisch eine weitere Gruppe erforderlich.

Wie kann Zeil dieses Problem lösen? Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) berichtete dem Stadtrat, dass es viele Gespräche gegeben habe und dabei verschiedene Möglichkeiten angesprochen worden seien, um den Engpass zu beseitigen. Bis hin zu einem kompletten Neubau eines dritten Kindergartens in Zeil. Der übrigens schon einmal geplant war. Mit dem großen Baugebiet "Lange Äcker" hatte Zeil dort einen Kindergarten errichten wollen, später aber davon Abstand genommen, weil damals die Kinderzahl eine solche Einrichtung nicht nötig machte.

Das ist jetzt anders. Wegen der hohen Geburtenzahlen und des Zuzugs von Asylbewerber-Kindern braucht Zeil jetzt mehr Plätze, wie Stadelmann erklärte. Vor allem bei den Geburtenzahlen gab es 2016 einen Ausreißer nach oben. Während im Durchschnitt pro Jahr 46 Buben und Mädchen zur Welt kommen, waren es im vergangenen Jahr 63 Kinder - fast eine ganze Kindergartengruppe mehr.

Als beste Möglichkeit, den Engpass zu beseitigen, kristallisierte sich laut Stadelmann ein Anbau für eine Gruppe an der evangelischen Kindertagesstätte heraus. Dort waren erst 2009 neue Krippenräume eingeweiht und 2015 ein komplett neues Kindergartenhaus eröffnet worden. Nun soll dort schon wieder gebaut werden. Bauherr wäre erneut die evangelische Gemeinde.

Allerdings sagt die Stadt die Kostenübernahme zu. Das Projekt wird auf über 700 000 Euro geschätzt. Nach Abzug der Förderung müsste die Stadt Zeil knapp 200 000 Euro tragen.

Stadelmann verteidigte die Vorgehensweise und Dimension des 2015 eröffneten Kindergartenhauses am Söhrlein. Damals habe die Stadt "richtig gehandelt". Natürlich wäre es einfacher gewesen, damals schon großzügiger zu planen, aber die Entwicklung der Kinderzahlen habe Zeil bei Planungsbeginn mehrere Jahre zuvor nicht absehen können. Und wie sich das Ganze in Zukunft darstellen werde, lasse sich auch schwer abschätzen, gestand er.

Das neue Bauprojekt begrüßen nicht alle Stadträte. Am deutlichsten übte CSU-Stadtrat Paul Berchtold Kritik. Der Anbau an der evangelischen Kindertagesstätte sei "keine gute Lösung". Das Verhältnis Preis-Leistung passe nicht. Die Stadt habe keinen Plan B, und er fragte, ob am Söhrlein überhaupt der richtige Standort angesichts der Tatsache sei, dass in Zeil das neue Baugebiet "Mittelsetz II" verwirklicht wird. Berchtold befürchtet in einigen Jahren weitere Engpässe. So sieht es auch sein CSU-Ratskollege Anton Aumüller: "In drei oder vier Jahren sitzen wir wieder hier."

SPD-Stadtrat Harald Kuhn und CSU-Stadträtin Adelinde Friedrich verteidigten die Söhrlein-Lösung. "Wir müssen uns nach den Gegebenheiten richten", sagte Friedrich. Und Gegebenheiten bedeutet für sie vor allem, dass Zeil beim Anbau an der evangelischen Kindertagesstätte eine angemessene Förderung bekommt. Förderung gibt es nicht, wenn eine Kommune quasi auf Vorrat großzügiger bauen möchte - für alle Fälle in der Zukunft.

Einen dritten Kindergarten in Zeil, wie er auch in den Überlegungen war und den auch Berchtold mit seinem Standort-Argument angesprochen hatte, hält Kuhn für schwierig bis unrealistisch. Es sei kaum möglich, einen Träger für einen dritten Kindergarten zu finden, sagte er.

Bei vier Gegenstimmen (Paul Berchtold, Anton Aumüller, Michael Brehm, Marcus Fröhlich, alle CSU) beschloss der Stadtrat den Anbau an der evangelischen Kindertagesstätte. Ausdrücklich legte der Stadtrat in seiner Entscheidung fest, dass parallel dazu "umgehend alle Möglichkeiten geprüft werden, um weitere Plätze für Kindergärten und Kinderkrippen zu schaffen." Der Stadtrat lege hierzu den Umfang der gegebenenfalls erforderlichen Planungsleistungen fest. Das soll Anfang 2018 in einer Klausur geschehen, in die sich der Stadtrat zu diesem Thema begeben will.

Weitere Punkte aus dem Zeiler Stadtrat

Die Strompreise sollen im kommenden Jahr stabil bleiben. Das sei "erfreulich", sagte Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD). Die Stadt geht davon aus, dass die Stadtwerke weiterhin den Strom so beschaffen könnten, dass eine Erhöhung des Preises nicht erforderlich sei. "Es gibt ein Nullnummernspiel", sagte der Bürgermeister. Gleichzeitig bedeute das auch, dass eine Senkung nicht möglich werde, bedauerte er. Einmütig votierte der Stadtrat dafür, die Strompreise 2018 stabil zu halten.

Einstimmig beschloss der Zeiler Stadtrat die Aufstellung des Bebauungsplanes "Mittelsetz II". Dort sollen künftig Wohnhäuser errichtet werden können. Das knapp drei Hektar große Areal wird im Westen vom Weingut Heigel begrenzt, im Süden von der Staatsstraße (ehemals B 26), im Osten vom bestehenden Baugebiet "Mittelsetz" und im Norden vom unter Naturschutz stehenden Heckenstreifen (Haßbergtrauf). 20 bis 30 Bauplätze könnten dort entstehen, und die braucht Zeil. "Der Druck ist groß", erklärte Thomas Fensel von der Stadtverwaltung. Es gibt viele Anfragen nach Bauflächen. Er geht davon aus, dass in absehbarer Zeit auch das Neubaugebiet "Lange Äcker Ost" in Anspruch genommen werden muss.

Der Bürgermeister trat am Montagabend auf die Euphoriebremse: Nachdem Zeil die Zusage erhalten hatte, dass der Freistaat eine Million Euro an Stabilisierungshilfe an die finanziell gebeutelte Stadt zahlt, werden die Begehrlichkeiten an die Stadt herangetragen, was man mit dem Geld alles machen könnte. Thomas Stademann unterstrich, dass der allergrößte Teil der Unterstützung für die Schuldentilgung genutzt werden müsse. Er sprach von 900 000 Euro. Stabilisierungshilfen können Kommunen in finanziellen Ausnahmesituation beantragen. Wie Zeil bekommt heuer auch der Landkreis Haßberge solche Gelder. Zuletzt erhielt Königsberg diese Unterstützung.

Stadtrat Harald Kuhn fordert, dass die Stadt die Ausbringung des Herbizids Glyphosat auf ihren Flächen verbietet. Er will ein solches Gesuch im Stadtrat einbringen, das dann behandelt werden soll. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Ein Verbot, wie es der SPD-Stadtrat verlangt, hat die Nachbarstadt Haßfurt bereits erlassen. Nach diesem Vorbild solle Zeil verfahren, bat er.