Seine Liebe zur Geschichte hat mit der Familienforschung begonnen und im Laufe der Jahre immer weitere Kreise gezogen. "Dass ich nun als Kreisheimatpfleger arbeiten darf, gefällt mir besonders deshalb, weil die Tätigkeit über einzelne Orte hinaus geht und damit landkreisweit verbindend wirkt", sagte Wolfgang Jäger, der am Mittwoch zum neuen Kreisheimatpfleger für den Bereich "Nord" des Landkreises bestellt wurde.

Die Geschichte ist das große Hobby des 59-jährigen Diplom-Ingenieurs der Elektrotechnik, der in Zeil geboren wurde und heute mit seiner Frau in Sailershausen wohnt. Dadurch kam er auch zum Historischen Verein Landkreis Haßberge, dessen Vorsitzender er seit 2011 ist. "Hier arbeite ich schon seit acht Jahren an einem Teil meines zukünftigen Aufgabenfeldes", berichtete er bei seiner Einführung. "Denn Heimatpflege ist ohne die Kenntnis der Geschichte nicht möglich."

Ritterkapelle als passender Ort

Wolfgang Jäger hatte die Ritterkapelle in Haßfurt als Ort seiner Vorstellung gewählt. "Denn sie steht mit ihren Rittergrabmalen stellvertretend für den gesamten Landkreis: In ihr liegen Mitglieder der Familien Fuchs von Burgpreppach, Wonfurt und Unterhohenried, der Truchseß' von Wetzhausen (früherer Landkreis Hofheim), der Hutten von Birkenfeld, der vom Stein zum Altenstein und der Zollner von Rotenstein", so der neue Kreisheimatpfleger, der für die Orte Aidhausen, Bundorf, Burgpreppach, Ermershausen, Haßfurt, Hofheim, Königsberg und Riedbach zuständig ist.

"Selbst eine Königin ist hier begraben: Margaretha von Stein geborene Steinrück (gestorben 19. Januar 1531), verheiratet mit Dietz Truchsess von Wetzhausen (gestorben 28. Juli 1488) und Apel vom Stein zum Altenstein (gestorben 6. April 1513), die ihre Akeleischwestern immer ins Augustinerkloster nach Königsberg zum Jahrestag eingeladen hat."

Die Akeleischwesternschaft sei eine Verbindung verheirateter, adeliger Frauen gewesen. Sie habe sich 1380 gegründet, in einer Zeit, in der die Frauen, ohne eigene Rechte, von der Obhut des Vaters direkt in die Vormundschaft des Ehemannes übergingen. Mit dem Niedergang des Augustinerklosters 1524 habe sich aber auch die Schwesternschaft aufgelöst.

Wie Wolfgang Jäger angab, freut er sich, dass eine seiner ersten Aufgaben als Kreisheimatpfleger die Überarbeitung des "Kunst- und Kulturführers durch den Landkreis Haßberge" sei. "Denn dieses Buch gibt einen sehr guten Überblick über unseren Landkreis, und es bietet mir Gelegenheit, mein Aufgabengebiet intensiv kennen zu lernen." Eine weitere Aufgabe ist die Mitarbeit an den Chroniken von Rügheim, Birkenfeld und Humprechtshausen, die alle drei im kommenden Jahr ihr 1200-jähriges Bestehen feiern.

Des Weiteren will Wolfgang Jäger mit Unterstützung der Autorin Regine Leisner aus Humprechtshausen ein Buch über die Akeleischwestern verfassen.

Ein Glücksfall für den Landkreis Haßberge

Landrat Rudolf Handwerker wies auf die Wichtigkeit der Kreisheimatpfleger hin, zu denen ab sofort neben Günter Lipp und Christian Blenk auch Wolfgang Jäger zählt. "Sie sind ein Glücksfall für den Landkreis, denn ohne sie würde vieles im Dunkeln bleiben oder in Vergessenheit geraten", sagte Handwerker. "Denn wer seine Heimat liebt, muss sie auch verstehen, und wer sie verstehen will, muss überall in ihre Geschichte zu dringen versuchen."

Jeder der drei Kreisheimatpfleger hat Schwerpunkte, die ihm besonders am Herzen liegen und für die er ein spezielles Interesse hegt. So ist zum Beispiel Günter Lipp der Experte, wenn es um Wappen, Fahnen, Logos, Burgen, Ruinen, Bildstöcke sowie um die Familiengeschichtsforschung, die Stadt Ebern oder um den Dialekt geht. Christian Blenk (Kirchaich) befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Steinhauerei und der Ortsgeschichte von Oberaurach.

"Der Richtige"

Wolfgang Jäger wiederum ist ein kompetenter Fachmann, der das Erbe des verstorbenen langjährigen Kreisheimatpflegers Eberhard Lorenz übernimmt. "Ich bin überzeugt davon, dass Sie genau der richtige Mann für diesen Job sind, denn Sie bringen all die Voraussetzungen mit, die man braucht: Sie sind neugierig und begeistern sich schon lange für die Geschichte Ihrer Heimat", sagte der Landrat. Kreisheimatpflege sei mit viel Spaß und Spannung verbunden, aber auch eine sehr zeitraubende und arbeitsintensive Aufgabe. Sie erfordere Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Liebe zum Detail.