Die Linken im bayerischen Landtag? Das wäre eine Premiere. Und aktuell stehen die Chancen relativ gut: In den letzten Umfragen kam die Partei immer wieder in den Bereich der magischen fünf Prozent: Das ist die Hürde, die es zu überwinden gilt, will eine politische Vereinigung in das Maximilianeum in München einziehen.

Für den Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld haben die Linken einen Kandidaten aus Münnerstadt ins Rennen geschickt: Florian Beck bewirbt sich um das Direktmandat und ist diese Tage viel unterwegs in Sachen Wahlkampf. Denn, so sagt er, die Positionen der Linken sind wichtig für Bayern, das Bundesland brauche eine starke soziale Kraft, die sich für Lohngerechtigkeit, Chancengleichheit in Schule, Beruf und Gesellschaft ("Egal ob arm oder reich") und Korruptionsbekämpfung einsetzt.

Was kann man besser machen?

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Der 34-Jährige ist zwar ein Politikneuling, setzt sich aber schon länger mit den Problemen in der Gesellschaft auseinander, wie er erklärt. "Was könnte man in Bayern besser machen?" - diese Frage stellt er sich oft, und es gibt dann doch einiges, das hier nicht so gut läuft, wie es laufen könnte. Eine der wichtigsten notwendigen Veränderungen sei eine gerechtere Umverteilung.

Dabei gehe es nicht darum, Reiche arm zu machen, sondern eine gerechtere Steuerpolitik einzuführen, die die Lücke zwischen arm und reich nicht noch schneller noch größer werden lässt. "Millionärssteuer, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer", sagt er. Damit würden Milliarden-Beträge frei, die man zum Beispiel in die Bildung investieren könnte. Der Millionär sei danach immer noch Millionär und der Vermögende noch vermögend, und das sei auch in Ordnung so.

Man befinde sich jetzt im Kapitalismus an einem Punkt, an dem es schwierig wird, das System weiter auszureizen. "Warum brauchen wir immer noch mehr Wirtschaftswachstum? Unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten ist halt nicht möglich", sagt Beck. Dabei will er das System an sich gar nicht in Frage stellen, er will es nur gerechter machen. "Kommunismus brauchen wir nicht. Aber eine Regierung, die vom Volk kontrolliert wird."

Das Thema, das ihn politisch am meisten bewegt, ist Bildung: "Das ist für mich so ziemlich das Wichtigste." Die Linken haben in ihrem Wahlprogramm zur Landstagswahl den Punkt "Eine Schule für alle" aufgelistet. Laut dem Programm geht es um eine "gemeinsame Schule für alle Kinder, unabhängig von sozialer, kultureller oder ethnischer Herkunft, unabhängig von Alter und Geschlecht, unabhängig von der Religionszugehörigkeit und unabhängig von Behinderungen." Diese Schule sei von einer Lehr- und Lernkultur gekennzeichnet, "in der gegenseitige Achtung und Akzeptanz wie auch das Lernen mit- und voneinander selbstverständlich sind. Sie fördert kollektives und regt individuelles Lernen an."

Auf das Leben vorbereiten

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Wenn Florian Beck an seine eigene Schulzeit zurückdenkt, stellt er fest, dass ihm dort zwar notwendige Dinge wie Lesen und Schreiben beigebracht wurden, aber darüber hinaus nicht viel mehr, zum Beispiel: "Wie mache ich eine Steuererklärung?" Man sei nach der Schule nicht sonderlich gut auf das Leben danach vorbereitet, es sei denn, man hinterfragt nie etwas und macht immer alles brav und mustergültig nach Vorgabe. "Meine Bildung hat erst nach der Schule begonnen", sagt er.

Seine Partei schreibt dazu in ihrem Programm: "Die Linke vertritt ein emanzipatorisches Bildungsverständnis. Bildung muss in die Lage versetzen, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen, sich eine eigenständige Meinung bilden und die eigenen Interessen selbstbewusst und wirksam vertreten zu können. Ein modernes Bildungssystem muss den Zugang zu Bildung diskriminierungsfrei ermöglichen."

Florian Beck, der früher in Münnerstadt als selbstständiger Gastronom gearbeitet hat, arbeitet jetzt als Altenpfleger. Ein Beruf, der in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen wird, wie er sagt, und in dem die Arbeitsbedingungen unbedingt verbessert werden müssen. Die Linken haben das auf dem Schirm, die Zustände in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern seien katastrophal: "Der Pflegenotstand führt bereits jetzt zu tausenden vermeidbaren Todesfällen im Krankenhaus. Allein im Freistaat fehlen laut Angaben der Gewerkschaft ver.di weit über 10 000 Stellen in der Pflege", erklären die Linken.

In Deutschland müsse eine Pflegekraft im Schnitt zehn Patienten gleichzeitig betreuen, während es etwa in der Schweiz nur sechs, in den Niederlanden fünf oder in Norwegen nur vier sind. Was in anderen Ländern funktioniert, kann in Deutschland auch funktionieren, sagt Beck. Da dürfe man sich dann auch ruhig mal etwas abschauen.