Wenn es eisig draußen wird, glatt und winterkalt, dann steht sie kurz bevor: die Schmelzpunktdepression. Diesen physikalisch-chemischen Effekt nutzen die Winterdienste jedes Jahr aufs Neue, um unsere Straßen sicherer zu machen. Damit Wasser auch bei unter Null Grad Celsius flüssig bleibt, genügt es nämlich, einen anderen Stoff darin zu lösen. Die Straßen- und Autobahnmeistereien greifen hier gerne auf ein reichlich vorhandenes Mineral zurück: Salz.

1600 Tonnen davon hat der Landkreis Haßberge an den Standorten Haßfurt und Ebern eingelagert. Nur ein Körnchen auf dem kalten Stein verglichen mit den 24.000 Tonnen, die das staatliche Bauamt Schweinfurt schon mal in extremen Wintern verbraucht. Allerdings werden damit Staats- und Bundesstraßen in gleich vier Landkreisen enteist. Doch egal, wieviel und wer es verbraucht, die Winterdienste arbeiten alle mit der gleichen Methode.

Das Streusalz wird mit einer Sole genannten Lösung aus Salz und Wasser angereichert, bevor es auf glatten Straßen verteilt wird. Das hat zweierlei Effekte: Zum einen vermag nur befeuchtetes Salz Schnee und Eis aufzutauen (besagter physikalisch-chemischer Effekt), zum anderen wird so verhindert, dass das sonst trockene Material von Wind und Autos verweht wird.

Das reicht erstmal

Mit 1600 Tonnen im Bunker jedenfalls fühlt sich Alfons Schanz gut gerüstet für den Winter in den Haßbergen. "Die Vorbereitungen sind selbstverständlich abgeschlossen", sagt der Leiter der Tiefbauverwaltung, der zuständig ist für 321 Kilometer Kreisstraße im Landkreis.

Mit sechs eigenen und drei bei einem externen Fuhrunternehmer beauftragten Streufahrzeugen macht der Landkreis seine Straßen sicher. Wenn es richtig glatt ist und viel Schnee liegt, gehen alle gleichzeitig raus, erklärt Schanz. Die Schneeräumer sind neuerdings auch mit Bord-Computern ausgestattet. Streumenge und das Streubild können so genau an die jeweiligen Straßenverhältnisse angepasst werden: "Es wird so eingestellt, dass das Salz nicht neben dem Asphalt landet", sagt Schanz. Das sei bei den unterschiedlich breiten Straßen wichtig.

Mit GPS- und Computersystemen arbeiten die Männer der Straßenmeisterei in Zeil schon länger. Die Fahrzeuge der Außenstelle des staatlichen Bauamts Schweinfurt sind seit rund fünf Jahren mit High-Tech-Systemen ausgestattet, die die ausgestreute Salzmenge aufs Gramm genau berechnen können. Auch jeden gefahrenen Kilometer und wo und in welcher Zeit geräumt wurde, erfasst das im Unimog eingebaute GPS-Gerät. "Die Daten werden dann automatisch an einen Server zur Erfassung gesendet", erklärt Werkstattleiter Herbert Kern. Gemeinsam mit seinem Kollegen Edwin Schonunger und dem Sachgebietsleiter des Straßenbetriebsdienstes, Hartmut Pianski, macht er in Zeil die Runde und inspiziert die Fahrzeuge und das Salzlager. Wer für den Winterdienst eingeteilt ist, weiß: Bald geht es wieder richtig los. "Letzte Woche sind wir schon einmal ausgerückt" sagt Scheuringer.

Neues Lager für 12.000 Salz

In Zeil lagern derzeit 800 Tonnen Salz, in Ermershausen weitere 700 Tonnen. Außerdem entsteht in Eltmann ein neues Lager, in dem Platz für 12   .000 Tonnen Streusalz ist. Es soll noch heuer fertig und genutzt werden, sagt Pianski. Nimmt man alle Lagerstätten inklusive der bald fertig gestellten in Eltmann zusammen, stehen dem staatlichen Bauamt 22 000 Tonnen Salz in den Landkreisen Haßberge, Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen und Schweinfurt zur Verfügung. Insgesamt zwölf Fahrzeuge bringen es dann auf die Straße, wenn es eisig wird. Die Kosten für eine Saison Winterdienst betragen laut Pianski 346.  000 Euro.

Für die etwa 350 Kilometer Staatsstraßen im Kreis Haßberge ist das Bauamt nicht allein zuständig. Die Räumfahrzeuge des Landkreises fahren einen Teil der Strecke für die Schweinfurter Behörde. Im Gegenzug übernimmt das Bauamt einen Teil der Kreisstraßen. Alfons Schanz freut sich über die Kooperation, durch die die Fahrtrouten der beiden Winterdienste optimiert werden konnten. Als Beispiel nennt Schanz Wagenhausen und Greßhausen: "Wenn der Staat die B26 befährt, liegt es nahe, dass ein Fahrzeug mal dort hinfährt und streut." Seine Kreisfahrzeuge streuen dafür zum Beispiel auf der Staatstraße zwischen Zell am Ebelsberg und Unterschleichach.

Rund um die Uhr

Ach ja, und dann ist da ja noch die Autobahn A70. Für den Abschnitt zwischen Bergrheinfeld und Bamberg Hafen ist die Autobahnmeisterei Knetzgau zuständig. Dort sind vier Laster mit Streuer ständig einsatzbereit, weil sie die 52 Kilometer Autobahn rund um die Uhr betreuen müssen. 1200 Tonnen Salz stehen ihnen dafür zur Verfügung. "Das reicht für den Winter", sagt Straßenmeister Alfred Bauer.