Bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Kanalbau stand Heinrich Schulte (Büro Schulte/Röder) den Stettfeldern zur Kostenkalkulation und vor allem zur Umlage der Kosten (Bescheide/Gebühren) Rede und Antwort. In seinem Vortrag gab er einen Überblick über die Kostenstellen und Verteilungsschlüssel und erklärte auch, welche Möglichkeiten es für die Umlage der Kosten gebe.

Das Millionenprojekt Kanalbau, das derzeit in Stettfeld läuft, muss finanziert werden. Dazu müssen auch die Bürger ihren Beitrag leisten. Das geht entweder über Bescheide und/oder höhere Gebühren oder über eine Kombination aus beiden Möglichkeiten. Je höher der Schlüssel für die Kostenbescheide, desto niedriger die Gebührenanhebung und umgekehrt. Über die genauen Abrechnungsmodalitäten will der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch, 27. September, entscheiden.

Für unbebaute Bauplätze wird eine fiktive Geschossfläche von 25 Prozent der Grundstücksfläche angenommen. "Sie müssen sich das wie einen Kredit an die Gemeinde vorstellen", erklärte Heinrich Schulte. "Sollte dann beim Bau kleiner gebaut werden, bekommen Sie das zu viel gezahlte Geld zurückerstattet", versicherte er.

Der Fachmann erklärte auch, wie die Aufmaße zustande kommen und welche Besonderheiten dabei zu beachten sind. So gelten zum Beispiel an das Wohnhaus angebaute Garagen immer dann als Geschossflächen, wenn sie durch eine Tür mit dem Haus verbunden sind. Vordächer, freie Terrassen und Balkone gelten nicht. Zurückgesetzte Balkone und Terrassen, die an drei Seiten von Mauern eingeschlossen sind, aber sehr wohl.

Zudem erläuterte er die Regelungen für übergroße Grundstücke außerhalb eines Bebauungsplans, wie sie in vielen Altorten vorlägen. Hierbei wird nur das Dreifache der Geschossfläche, mindestens aber 1500 Quadratmeter zur Berechnung der Grundstücksfläche herangezogen.

Im Anschluss an den Vortag war die Möglichkeit gegeben, Fragen zu den Berechnungen zu stellen. Willi Rzepka wollte wissen, warum das angedachte Baugebiet Brunnwiese II, das seinerzeit für die Berechnung der Kläranlage mit eingerechnet wurde, bei der Kanalmaßnahme außen vor blieb. "Es können nur Flächen einberechnet werden, die in den kommenden drei bis fünf Jahren erschlossen werden", erklärte ihm Schulte. Da dies bei der Brunnwiese II nicht der Fall sei, sei das Gelände auch nicht berücksichtigt worden.

Norbert Schmid wollte wissen, wie es mit den Kosten bei weiteren Kanalsanierungen aussehe. "Wird das dann auch auf alle Bürger umgelegt?" Dies wurde von Schulte bejaht. "Bei derartigen Maßnahmen wird immer das gesamte Gemeindegebiet als Solidargemeinschaft herangezogen."

Brigitte Rein fragte nach, welche Abschreibungsdauer für den Kanal vorgesehen sei. "Normalerweise wird von einer Laufzeit von 40 Jahren ausgegangen, da Sie aber auch die Tilgung berücksichtigen müssen, liegt sie ungefähr bei 30 bis 35 Jahren", verdeutlichte Schulte. Zusätzlich fragte sie, wie es mit den Kosten für die Hausanschlüsse aussehe. Diese lägen beim Kanal bis zum Revisionsschacht bei der Gemeinde, beim Wasseranschluss bis zur Wasseruhr, sagte der Redner.

Christian Rübner wollte wissen, ob die Regelung für übergroße Grundstücke auch innerhalb eines Bebauungsplans gelte. Hierzu kam von Schulte ein klares Nein.

Siegfried Wilhelm fragte, wie es mit Dachwasser aussieht, das nicht in den Kanal geleitet wird, und ob es einen Unterschied zwischen versiegelten und nicht-versiegelten Oberflächen gibt. Die Antwort des Experten: "Alle an einen Kanal angeschlossenen Flächen werden gleich behandelt, die Oberfläche spielt erst einmal keine Rolle." Da es momentan in Stettfeld keine Gebühr für Niederschlagswasser gebe, sei dies für die Berechnung derzeit nicht relevant. Dem schloss sich die Frage an, wie mit Niederschlagswasser verfahren werde, das direkt in einen Bach geleitet wird. Schulte dazu: "Das kommt auf den Bach an. Wenn es sich um ein Gewässer dritter Ordnung handelt, von der Gemeinde gepflegt wird und die Pflegekosten im Haushalt über die Wasserkosten verrechnet werden, gilt er als Entwässerungseinrichtung und ist somit gebührenpflichtig. Wenn er nur die Funktion eines Vorfluters erfüllt, nicht."

Bürgermeister Alfons Hartlieb (CSU) erläuterte das weitere Vorgehen bei der Abrechnung. Die Aufmaßblätter mit den jeweiligen Geschoss- und Grundstücksflachen werden den Stettfelder Bürgern Ende Oktober zugeschickt. Anfang November stehen dann die Mitarbeiter des Büros Schulte/Röder bei Einzelterminen für Fragen zur Verfügung. Anschließend werden die Bescheide ergehen (falls nicht zu 100 Prozent über Gebühren abgerechnet wird, was unwahrscheinlich wäre). Hierfür sind dann für 2017 und 2018 Abschlagszahlungen und etwa für 2020 die Endabrechnung geplant.