"Wir haben an unseren Schulen ein tolles Klima und dürfen darauf stolz sein. Streit unter Schülern zu vermeiden und immer wieder neu Gemeinschaft zu bilden, ist daher wichtig", betonte Landrat Rudolf Handwerker bei der Einführung von 28 Streitschlichtern aus dem Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt, der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule und der Albrecht-Dürer-Mittelschule.

Das Streitschlichter-Projekt, das im Jahr 2000 von Rudi Reinhart mitinitiiert und viele Jahre organisiert wurde, ist durch seine schulübergreifenden Ausrichtung bayernweit einzigartig. Das rief Angelika Reinhart, die seit September 2013 im "Livingroom", der Schülerbetreuung, arbeitet und für die Streitschlichter zuständig ist, in Erinnerung.

"Ohne die finanzielle und personelle Unterstützung der Träger, des Schulzweckverbands und der beiden Kirchen, wäre dieses Projekt nicht möglich." Für Ausbildung und Betreuung der Streitschlichter sind außer Angelika Reinhart die Lehrer Claudia Sandner, Claudia Grundwald (Mittelschule), Stefan Zeller, Simon Schömberger (Realschule), Evi Poxleitner und Anke Kallhardt (Gymnasium) zuständig.

Wie geht man damit um?

Dass Konflikte zum alltäglichen Leben gehören, ist für Max Bauer, Direktor des Gymnasiums, eine Binsenwahrheit: "Doch die entscheidende Frage ist, wie man damit umgeht." Bauer hat beobachtet: "Die Streitschlichter werden nicht nur verantwortungsbewusst ausgebildet, sondern erreichen, weil sie gleichaltrig sind und die gleiche Sprache sprechen, oft viel besser die emotionale Ebene der Kontrahenten." So entlasten sie Lehrer von Alltagskonflikten, erwerben selbst soziale Kompetenz.

Immer dasselbe Spiel

Sinnfällig bauten die neuen Streitschlichter eine "Konfliktmauer" mit "Bausteinen"; die heißen so: "Mädchen ärgern Jungs immer - und umgekehrt", "Eine Freundin hat hinter meinem Rücken über mich gelästert", "Meine Klassenkameraden schließen mich aus" oder "Mich haben zwei geärgert".

"Streitschlichter zu sein, ist kein blöder Job. Er ist gut für alle Beteiligten", sagt die zwölf Jahre alte Xenia Gurin, die die siebte Klasse des Regiomontanus-Gymnasiums Haßfurt besucht und in Zeil wohnt. Sie ist aus Überzeugung Streitschlichterin - nicht zum ersten Mal. "Ich war schon in der Grundschule Streitschlichterin. Weil es mir so gut gefallen hat, wollte ich das jetzt noch einmal übernehmen."

Xenia hat sich ausbilden lassen, weil sie generell sozial engagiert ist. Sie gehört seit Juli 2013 der Jugendfeuerwehr in Zeil an.

Außerdem besucht sie seit fast einem Jahr mit einer Freundin alle zwei Wochen eine geistig behinderte Frau in einer Wohnung der Lebenshilfe in Zeil. "Wir haben sie beim Einkaufen kennen gelernt und finden sie sehr nett", erzählte Xenia. "Man kann sich gut mit ihr unterhalten, und es ist ein schönes Gefühl, ihr mit unseren regelmäßigen Besuchen und kleinen Präsenten eine Freude zu machen."

Gute Erfahrungen an der Grundschule

Als Streitschlichterin in der Grundschule hat die Schülerin bereits gute Erfahrungen gesammelt: "Mir hat es Spaß gemacht, das, was ich gelernt habe, anzuwenden und Schülern zu helfen, die sich sonst schlägern würden." Am Wichtigsten seien Geduld und das Zuhören. "Als Streitschlichter muss man außerdem neutral bleiben, sich selbst zurückhalten und gerecht sein", schilderte Xenia.

"Das Wichtigste, um einen Konflikt zu lösen, ist aber, dass die Streitenden die Gefühle des anderen verstehen und sich gegenseitig entschuldigen."
Auch der zwölfjährige Maximilian Hau aus Königsberg, der die Klasse 7a der Albrecht-Dürer Mittelschule besucht, sagt: "Ich möchte Kindern, die sich streiten, helfen, und ich glaube, dass ich gut darin bin, an Lösungen mitzuarbeiten." "Außerdem möchte ich Erfahrungen sammeln, damit ich selbst Streit vermeiden kann."

Natürlich streitet auch er sich ab und zu mit seinem Freund, seinen Brüdern und - ganz selten - mit seinen Eltern. Doch er ist sich sicher: "Gewalt ist in einem Streit keine Lösung. Damit macht man einen Konflikt nur noch schlimmer." Maximilian findet gar nicht, dass Mädchen einen Streit besser lösen können als Jungen. "Das kommt immer auf die einzelne Person an", sagte er. Wie verhindert man Streitigkeiten? "Nicht immer gleich den anderen beleidigen, lieber zu jemandem gehen, der vermitteln kann, und sich entschuldigen, wenn man etwas Blödes gemacht hat".

Freundschaft ist besser

Bei einer Auseinandersetzung ist er nicht zu stolz, mit dem anderen zu reden und sich zu entschuldigen. "Doch man muss auch eine Entschuldigung annehmen können", erzählte er. "Ich würde mich auch zuerst entschuldigen; selbst wenn ich nicht schuld am Streit bin", fügte er an. "Streit ist nicht sinnvoll", antwortete er auf Nachfrage, "es ist immer besser, Freundschaft zu schließen!"