Als der ugandische Priester Francis Ssengendo im August 2012 in den Steigerwald kommt, haben die Mitglieder der Pfarreiengemeinschaft Heilig Geist-Rauhenebrach keine Vorstellung davon, was sie erwartet.

Urlaubsvertretung. Vier Wochen lang: Gottesdienste, Taufen, Kirchweih - Pfarrer Kurt Wolf macht Pause, Francis Ssengendo übernimmt. Der Afrikaner weiß ebenso wenig, was ihn erwartet, wie auch die unterfränkischen Gemeindemitglieder nicht wissen, wie sie mit dem afrikanischen Geistlichen zurechtkommen werden und er mit ihnen. Fünf Jahre später gehört der heute 44-jährige Mann aus Nkumba am Viktoriasee zur Gemeinde, er ist ein Freund, ein immer wiederkehrender Gast.


Abschluss ind er Tasche

"Urlaubsvertretung" macht er nach wie vor in Rauhenebrach, aber das Wort beschreibt nicht treffend, was aus der Verbindung zwischen Steigerwald und Viktoriasee entstanden ist. Heute gibt es in Nkumba eine Handwerksschule, die unter anderem Frisöre, Schneider, Köche, Automechaniker, Installateure, Klempner, Maurer, Elektriker und Buchhalter ausbildet. Die ersten 30 Absolventen haben Ende 2016 die Schule verlassen, 24 von ihnen einen Arbeitsplatz in der Heimat gefunden.

Dass hatte wohl niemand so erwartet, als Francis Ssengendo im Sommer 2012 den Rauhenebrachern die Pläne von einer Handwerksschule vorstellte und prompt deren Interesse weckte: Eine Art von direkter Entwicklungshilfe schien der Kirchengemeinde sinnvoll, hatten sie doch zum einen durch den persönlichen Kontakt zu Priester Ssengendo jemanden vor Ort, der darauf achtet, dass Geld- und Sachspenden da ankommen, wo sie sollen. Zum anderen wussten sie: Es findet ein regelmäßiger, direkter Austausch statt.


Vielversprechende Perspektive

Besuche und Gegenbesuche beider Seiten haben sich längst etabliert, wie Martina Reinhart erklärt. Die 46-jährige Untersteinbacherin hat das Hilfsprojekt von Anfang an begleitet. Direkte Kommunikation und kurze Entscheidungswege, das macht viel aus, je weniger Stellen sich dazwischenschalten, desto besser. Dazu muss man es nur selbst in die Hand nehmen.

Und das taten die Mitglieder der Pfarreiengemeinschaft Heilig Geist. Mit Unterstützung aus dem Kreis Haßberge bekommt eine ugandische Siedlungsgemeinschaft so eine vielversprechende Perspektive: den Menschen vor Ort wird Zugang zu Wissen und Bildung ermöglicht, sie erkennen, welche Möglichkeiten ihnen und ihrem Land dadurch offenstehen.

Dass das funktioniert, ist nicht selbsverständlich, weiß auch Martina Reinhart. Sie war mit ihrem Mann Axel und weiteren Gemeindemitgliedern schon zwei Mal zu Besuch bei Francis Ssengendo in Nkumba. Das Schulgebäude ist immer noch eine Baustelle, unterrichtet wird dort aber schon seit zwei Jahren. Den Namen "St. Dennis Vocational Training Centre" über dem Haupteingang hat Axel Reinhart, Beruf Steinmetz, in den Stein gehauen, ein weiteres klares Indiz dafür, dass das ugandische Hilfsprojekt unterfränkische Handschrift trägt. Und die Unterstützung soll nicht aufhören: "Es ist ein gutes Signal, dass so etwas funktioniert", sagt Reinhart über die Tatsache, dass zwischen der Idee, eine Handwerksschule zu errichten, und dem Baubeginn im Herbst 2013 nur etwas mehr als ein Jahr vergangen sind.

Im Januar 2015 folgt die Inbetriebnahme und im Jahr darauf der erste Abschlussjahrgang: Das ermutige alle Beiteiligten dazu, weiter zu machen, dran zu bleiben. Denn klar ist: Solche Projekte, bei denen die Hilfe direkt ankommt und zum Großteil von den Einheimischen selbst geleistet wird (Auf- und Ausbau der Schule, Unterricht und Mitteleinsatz organisieren die Bewohner unter der Federführung Francis Ssengendos selbst) können weitergetragen werden, beispielhaft für andere Kommunen im Land sein, an Eigendynamik gewinnen.

Gespendetes Geld verschwindet nicht (beziehungsweise mit einer wesentlich geringeren Wahrscheinlichkeit) in irgendwelchen Kanälen, wie es manchmal der Fall ist, wenn es an Regierungsstellen überwiesen wird oder durch den "Verwaltungsaufwandsfilter" verschiedener Organisationen muss.


"Man braucht auch Vertrauen"

Freilich, sagt Reinhart, kann auch was schiefgehen, aber man habe die Möglichkeit, direkt gegenzusteuern, nachzujustieren. "Man braucht auch Vertrauen", sagt sie. Das hat die Pfarreiengemeinschaft Rauhenebrach in Priester Francis Ssengendo. Die Urlaubsvertretungaus dem Sommer 2012 hat die Steigerwaldbewohner überzeugt.

Wer das Hilfsprojekt finanziell unterstützen möchte, kann an folgende Konto spenden:
Kirchenstiftung Untersteinbach, IBAN DE90 7935 1730 0009 2795 48, Verwendungszweck "Ugandahilfe"