Es muss nicht immer die Nordmanntanne aus Skandinavien, dem Sauerland oder Schleswig Holstein sein. Viele Menschen im Landkreis Haßberge schwören auf Christbäume aus der Region, kaufen lieber beim Stammhändler im Nachbardorf ein, als beim Baumarkt oder vor dem großen Einkaufszentrum in der Stadt.

Gut, man hat so seine Vorstellung: Schön gerade gewachsen soll er sein, möglichst keine Wetterseite oder lichte Stellen aufweisen und keinesfalls eine zweigeteilte Spitze.

"Mein Baum hat keine lange Reise hinter sich und wird erst kurz vor dem Fest geschlagen", sagt ein Käufer auf dem Grund von Gustav Borzel in Unterpreppach beim Aussuchen seiner Blautanne, die er mit einem roten Bändchen mit Namen versieht. Das wirkt wie ein "Besetzt-Zeichen", denn geschlagen wird der Baum erst kurz vor dem Fest: "Dann nadelt er nicht so rasch."

Doch der Klimawandel, widrige Wettereinflüsse und zuletzt monatelange Trockenheit wirkten sich auch auf die Christbaumkulturen aus. Die Dürre hat die Produzenten vor mächtige Herausforderungen gestellt. Bei vielen sind die Setzlinge dieses Jahres komplett vertrocknet. "Ein Totalausfall", sagt Jochen Horn, der im Eberner Stadtteil Höchstädten Weihnachtsbäume verkauft, über seine Pflanzungen vom Frühjahr. "Die wurzeln nicht tief, haben einfach kein Wasser abgekriegt."

Künstlicher Regen

Größere Anbieter, wie etwa "Frankentanne" in Oberwinterbach bei Vestenbergsgreuth rettete eine Beregnungseinrichtung über den Sommer. Eigentlich ist diese Anlage nicht für die Bewässerung in der heißen Jahreszeit gedacht, sondern für die Frostberegnung, wenn es im Frühjahr nochmals zu stärkeren Nachtfrösten kommt. Dann soll eine Eisschicht die jungen Triebe vor dem Erfrieren schützen. Innerhalb der Hülle fällt die Temperatur nicht unter den Gefrierpunkt.Heuer stattdessen also improvisierter Sommerregen.

Auch wenn sich die Qualität und die Preise der Weihnachtsbäume laut Angaben des Vereins bayerischer Christbaumanbieter allgemein in etwa auf dem Niveau des Vorjahrs halten, zeichnet sich ab, dass solch ein Aufwand sich mittelfristig auf die Preise niederschlagen wird. Ebenso die Ausfälle bei der Nachzucht. An vielen Stellen ist der Boden metertief knochentrocken. Entsprechend haben viele junge Kulturen der letzten beiden Jahre dran glauben müssen, sind abgestorben oder derart verkümmert, dass sie als Christbaum nicht mehr infrage kommen.

Der reine Stress

"Auch für die größeren Bäume ist so eine lange Dürreperiode Stress", sagt Jochen Horn, auf dessen Hof zurzeit an den Wochenenden Hochbetrieb herrscht. Da ist die ganze Familie im Einsatz. Los geht es schon mit den Zweigen für die Gräber im November, erzählt der gelernte Elektro-Installateur. Noch im November folgen große Kunden wie Krankenhäuser, Firmen und Schulen, auch werden Bäume für Geschäfte, Gast- und Rathäuser, Plätze und Kirchen geordert.

Sonderwünsche inklusive

Die Privatkunden verteilen sich über die komplette Adventszeit. Manche kommen mit Sonderwünschen, etwa einem Herzchen, das in den Stamm gesägt werden soll. Oder sie bringen gleich den Christbaumständer mit auf den Hof, damit die Horns ihn fachgerecht einpassen. Der Baum wandert dann samt Ständer ins Transportnetz.

Bei der Baumgröße scheinen heute selbst im privaten Raum kaum Grenzen gesetzt. "Das reicht von einem bis zu acht Meter", sagt Jochens Frau Michaela Horn. Sie berichtet von einer Kundin, deren Wunschbaum vor ein paar Jahren kaum durch die "Netz-Kanone" passte. Die Frau musste sich zum Beschweren auf die Metallröhre setzen, während die Horns den Riesen mit vereinten Kräften durch die Öffnung zogen. Die "Reiterin" ist ihnen treu geblieben.

Alle Jahre wieder letzter Kunde für die Höchstädtener ist ein Schreiner, der sich jeweils an Heiligabend so gegen 16 oder 16.30 Uhr einstellt. "Wenn der da war, dann wissen wir, es kommt keiner mehr", lacht Senior Helmut Horn.

Laut Forstministerin Michaela Kaniber kaufen mehr als die Hälfte der Menschen im Freistaat bewusst Bäume aus Bayern. Das liege an der Frische und zudem würden lange Ferntransporte quer durch Europa vermieden. Obendrein sichere dies Arbeitsplätze in der Region.

"Davon leben kannst Du nicht"

Christbaumverkauf als Haupterwerb? "Das ginge nicht", sagt Jochen Horn: Die Bäume wachsen halt auf Flächen, mit denen sonst nichts anzufangen ist." Sein Vater Helmut, damals Forstarbeiter bei Rotenhans in Eyrichshof, hat vor fast 40 Jahren damit angefangen, als einer der ersten in der Gegend. Heute verkaufen die Horns jedes Jahr mehrere hundert Bäume, "wie andere kleine Regionale halt auch. Aber davon leben kannst Du nicht", sagt Horn.

Bayernweit werden im Jahr rund vier Millionen Bäume fürs Fest verkauft. Die meisten stammen aus eigens dafür angelegten Kulturen. Auffallend viele Bürger - manche Verkäufer sprechen von zwei Dritteln, andere gar von 90 Prozent - stehen auf die Nordmanntanne.

Nordmanntanne ist der Favorit

Dafür muss man, bei etwa zwei Meter Höhe, zwischen 36 und 50 Euro einkalkulieren. Die Plätze in der Beliebtheitsrangliste nehmen, allerdings mit großem Abstand, Kiefern oder Blaufichten ein. Die riechen zwar gut, dafür aber stechen die Nadeln ziemlich fies. Außerdem rieseln sie schneller. Viele schwören auch auf die Küstentanne.

Den idealen Christbaum zu züchten, ist übrigens gar nicht so einfach, denn erstens soll der Baum gerade und ringsum gleichmäßig gewachsen sein, muss also frei und unbedrängt im Gelände stehen. Wächst er zu rasch, dann wirkt er schwächlich, weil der Abstand zwischen den Ast-Etagen zu groß wird; ist das Gegenteil der Fall, dann wird es für den Schmuck mit Kerzen und Kugeln zu eng.

Hauptsache: Geschenke!

"Was soll's! Schön geschmückt sieht fast jeder Baum gut aus", sagt ein älterer Mann, der sich am krummen Stamm seiner Weihnachts-Errungenschaft nicht stört. "Die Enkel schauen vor allem auf die Geschenke. Und außerdem ist es eh nur für zwei Wochen."