CSU-Landtagskandidat Steffen Vogel hat die Entscheidung über seinen Wahlauftritt auf der Internetplattform Facebook ausgetragen. Und das, obwohl er unlängst im Gespräch mit dem FT die Meinung vertrat, dass die Bedeutung sozialer Netzwerke für Wahlen überbewertet werde. Sei's drum: Die Abstimmung im Netz verhinderte, dass Steffen Vogel nun im Trachtenjancker von den Wahlplakaten lacht. Stattdessen tritt er nun am Straßenrand seriös im schwarzen Anzug mit weißem Hemd auf.

Wer genau hinsieht, bemerkt aber, dass Vogels Konterfei im Vergleich zu dem seiner Parteikollegen etwas aus der Form geraten scheint. "Mein Kopf ist größer als die anderen", gibt der Landtagskandidat aus Theres lachend zu. Denn dadurch verdecke der blau unterlegte Slogan "Für uns in den Landtag - Steffen Vogel" seine weiße-blaue Krawatte. "Die fanden ganz viele schrecklich", sagt der Anwalt.

Passbild gegen Textblock

Anders als die meisten seiner Wahlkonkurrenten musste Vogel beim Verteilen und Kleben der Plakate nicht selbst buckeln. "Wir haben 48 Ortsverbände mit über 1800 Mitgliedern im Landkreis. Da hatte ich genug Unterstützung", sagt der 39-Jährige stolz. Und die Botschaft der Wahlplakate? "Präsent sein", erwidert Steffen Vogel.

Die Partei "Die Linke" gibt sich kompromisslos. Es sind harte Worte, die dem Leser von den Plakatwänden entgegen springen: "Statt Flaschen sammeln: 1050 Euro Mindestrente" oder "Respekt: Mindestsicherung statt Hartz IV". "Wir schreiben schwarz auf weiß, was Sache ist", erklärt Norbert Zirnsak die Idee dahinter. Der Vorsitzende des Linksbündnisses Haßberge findet die Abbildung der Lebenswirklichkeit in Textform gelungen. "Wir wollen in erster Linie Inhalte transportieren, natürlich ein bisschen überspitzt", sagt der Unterthereser.

Grüne Ideen

Das Konzept von Grünen-Landtagskandidat Matthias Lewin ist zwar durchdacht, aber beschädigt. Schmierfinken setzten dem Knetzgauer Brille und Schnurrbart auf. Der misslungene Scherz ist kein Kavaliersdelikt: Wer ein Wahlplakat beschädigt oder klaut, der macht sich strafbar.

Richtig sauer ist der Grünen-Politiker auf die Diebe, die bereits etliche Plakate der Grünen im Landkreis gestohlen haben. "Das ist eine Unverfrorenheit. Bei einer demokratischen Wahl sind auch Parteien dabei, die man nicht unbedingt selber wählt. Aber deswegen braucht man sie nicht zu schädigen", sagt der 48-Jährige.

Lewin hat sein Wahlplakat mithilfe eines guten Bekannten entworfen. Sein Hut ist mittlerweile zum Markenzeichen geworden. "Mich erkennt man schon von weitem", sagt er nicht ohne Stolz. Das Windrad im Hintergrund steht für sein Spezialthema - die Energiewende.

"Roter Boller" aus München

Die SPD hat die Gestaltung ihrer Wahlplakate einer Agentur überlassen. Die sitzt in der Heimatstadt von Spitzenkandidat Christian Ude in München. Ude ist auch das optische Zugpferd der Kampagne. "Unsere Kandidaten hatten die Wahl, einzeln oder zusammen mit Christian Ude zu posieren", erklärt Jürgen Hennemann. Der Unterbezirksvorsitzende erklärt, dass die Sozialdemokraten auf den Plakaten die Persönlichkeiten der Kandidaten einfangen wollten. "Als Wiedererkennungsmerkmal ist der rote Boller mit ,Genau Ude' oder ,Wort' drauf."

Die Freien Wähler haben sich dagegen laut Oskar Ebert, Direktkandidat für den Bezirkstag, bewusst gegen Passbilder-Plakate ausgesprochen. Stattdessen fahre man eine sparsame Wahlkampfführung im Gruppenformat - vier Männer, eine Botschaft. "Der Pfeil am linken Plakatrand symbolisiert Aufbruchstimmung", erklärt der Rauhenebracher Bürgermeister.

Gegen Alleinherrschaft

Die FDP will sich freundlich-aufgeräumt darstellen. Getreu dem Slogan "Gelb ist einfach heller als Schwarz" lautet die Zentralbotschaft: "Alleinherrschaft verhindern". Das solle kein Seitenhieb gegen den Koalitionspartner CSU sein, sondern eine Aufforderung, wieder Gelb-Schwarz zu wählen, erklärt das Landvorstandsmitglied der Partei, Kurt Sieber. Der 77-Jährige ist ein ebenso unermüdliches wie unverzichtbares Wahlkampfmitglied. Denn Siebers Spezialkleber hält die FDP auf Kurs beziehungsweise auf der Plakatwand. "Ich freue mich über jedes Plakat im Wind, das fällt", verrät er. "Denn unsere halten."