Es war ein ungewohntes Bild, das sich dem Publikum in der Haßfurter Stadthalle bot: Zum ersten Mal seit 23 Jahren steht der Liedermacher Werner Schmidbauer (fast) ganz alleine auf der Bühne. Doch sein Konzert, das er auf Einladung des Kulturamts Haßfurt gab, kam bei seinen Fans hervorragend an. Die stehenden Ovationen galten am Ende aber nicht nur ihm, sondern auch seinem Sohn Valentin, der im zweiten Teil des Abends sein musikalisches und poetisches Talent unter Beweis stellte.

"Dieses Konzert ist klasse, einfach super, auch wenn es bisher ganz anders ist", sagte Christiane Seufert aus Euerbach in der Pause. Sie hat Werner Schmidbauer bereits zusammen mit Martin Kälberer und Pippo Pollina gehört und bewertete den Solo-Auftritt durchaus positiv. "Denn heute Abend ist man so nah am Künstler, man fühlt sich so heimelig und hat das Gefühl, ihn ganz privat zu erleben. Außerdem ist das Konzert mitreißend!"

Auch Petra Benkert aus Haßfurt schwärmte: "Werner Schmidbauer ist genial. Er ist ein super Musiker und hat einfach Musik im Blut. Er kann klasse singen und Gitarre spielen und er hat etwas zu sagen. Ich finde, er macht das alleine supertoll."

Für Werner Schmidbauer ist die Solo-Tournee "Bei mir" nach einem Jahr Pause etwas ganz Besonderes. Denn dabei kann er dem Publikum ganz andere Seiten von sich zeigen, die ihm wichtig sind. "Jetzt spiele ich zum ersten Mal seit 23 Jahren solo und bin sehr nervös", sagte er zu Beginn, "aber ich habe auch wahnsinnig Lust darauf!"

So kamen die Zuhörer in den puren Genuss seiner unverkennbaren Stimme und seines exzellenten Gitarrenspiels, seines herrlichen bayerischen Dialekts und seiner Liebe zur Poesie. Bewusst hat Schmidbauer viele "leise" Lieder ausgewählt, Lieder, die seine Gefühle ausdrücken, die ehrlich und ungeschönt das Leben beschreiben, von seiner ersten Frau, seinen Kindern und seinem Vater handeln und die von der Einsamkeit auf seinen Reisen erzählen. "Ich kann sehr gut alleine sein, aber es geht mir immer um die Menschen", erzählte er in dem Lied "Da, wo de Leit san".

Er gab auch zu, dass er bei seinen Auftritten manchmal auf der Bühne nach rechts sehe, wo 22 Jahre lang sein Partner Martin Kälberer saß und spielte. "Aber nicht, dass Sie denken, wir sind zerstritten. Wir telefonieren immer noch fast täglich. Doch wir wollten einfach mal eine Pause machen und ich bin sicher, dass wir wieder einmal zusammen musizieren", sagte er.

Natürlich gab es an dem Abend in Haßfurt auch viele satirische und humorvolle Lieder zum Mitsingen und Mitklatschen wie "Aufgehm wird am Schluss", "Momentnsammler", "Geht"s uns heit wieder guat" oder die Coverversion des Liedes "Felder voller Gold" von Sting, die die 180 Zuhörer begeisterten und mitrissen.

Zum Schluss wartete Werner Schmidbauer mit einer Überraschung auf, als er seinen 30 Jahre alten Sohn Valentin auf die Bühne holte. Er sang und spielte nicht nur gemeinsam mit ihm, unter anderem den aktualisierten Song "Zeit der Deppen", was ihm sichtlich Spaß machte. Er bot ihm auch die Gelegenheit, einiger seiner eigenen Lieder solistisch zu präsentieren. Die Zuhörer spendeten auch dem jungen Künstler viel Beifall, bevor sich das Duo mit zwei Zugaben für den brausenden Schlussapplaus und die stehenden Ovationen bedankte.