Den großen Reibach macht Franz Hümmer mit seinem Hutzelgeschäft nicht, "aber es geht darum, die Tradition zu erhalten", sagt er zu den 37 Vorstandsmitgliedern der Obst-und Gartenbauvereine aus dem Landkreis Haßberge, die auf Exkursion in Fatschenbrunn waren. Hutzeln? Bei der Begrifflichkeit fange es ja schon an. Im Duden wird "hutzeln" zu den Verben der Landwirtschaft gesteckt: austrocknen, dörren, einschrumpfen. Ziemlich treffend, wenn man sich die dunkelbraunen, verschrumpelten Birnen(reste) anschaut, die auf einem Gitter im Hof von Franz Hümmer lagern.

50 Jahre Birnen-Därre

Schon sein Vater hat in der Holzofen-Därre Birnen getrocknet, und "bevor die Birn' verrecken...", denkt sich Franz Hümmer und hutzelt Jahr für Jahr weiter. Circa 80 Birnbäume sind in der Fatschenbrunner Flur in seinem Besitz. Tradition auf der einen Seite, Naturschutz andererseits. Erhalten wird nämlich nicht nur das längst industriell-überholte Handwerk, sondern auch die Baumkultur: "Es ist ein Alibi dafür, dass keiner auf die Idee kommt, die Bäume rauszureißen", sagt Hümmer. Eine Familienproduktion aus Fatschenbrunn, seit über 50 Jahren, regional, ganz ohne Konservierungsstoffe, gesund - und dazu auch noch mehr als essbar.

Was nach dem Zweiten Weltkrieg noch als Notvorrat in Speisekammern zu finden war, erfüllt heute vor allem einen Feinschmecker-Auftrag. Ob als Dessert, einfach mal zwischendurch oder als selten gesehene Beilage zum Rehbraten: "Wie der Parmesankäs' zur Spaghetti", sagt Hümmer, der selbst immer wieder gerne in den Korb greift, in dem die fein aufgeschnittenen Hutzel-Scheiben liegen. "Reinhold Messner hatte keinen Sauerstoff dabei, aber Hutzeln", sagt Hümmer. Selbst Regierung und Nichtregierungsorganisationen empfehlen Trockenobst als Krisenproviant. Trotzdem, Hümmer wünscht sich, dass die altertümliche Hutzelproduktion wieder stärker in die Gedächtnisse gerufen wird.

So wie bei Günter Vogel, der seinen Kindheitserinnerungen verfällt: "Plätzla sind ja schon was Feines, aber wenn es zu Weihnachten Hutzeln gab..., ohhh", sagt er. Seine Mutter habe in Steinsfeld immer mit der Restwärme des Ofens Hutzeln hergestellt "und in Lebkuchenschachteln, mit Butterbrotpapier bedeckt, aufbewahrt".

Handarbeit statt Massenware

Bei 60 Grad liegen die Birnen mindestens drei und bis zu sieben Tage auf der Gitterschiene in der "Döhärrii". Ein fränkisches Wort, das Hümmer, wenn überhaupt, mit dem alemannischen Wort "Hurde" für Gestell übersetzen würde. Bis so eine Hutzel verzehrt werden kann, hat Hümmer jede so ungefähr zehnmal in der Hand gehabt: "Das ist richtige Handarbeit", sagt Hümmer. Alle zwei bis drei Stunden schürt er Holz im Ofen nach. Theoretisch ließe sich auch heute noch daheim in jeder Küche hutzeln, aber wer kann es sich schon leisten, dass der elektrische Backofen Tag und Nacht läuft?

Bezahlbar ist dafür aber das Endergebnis von Hümmer. Und die Obst-und Gartenbaufreunde plündern die vorbereiteten Päckchen schnell. Interesse lodere zwar immer wieder auf, auch die einen oder anderen Politiker würden mittlerweile ihre Ohren beim Thema spitzen, doch wirklich "gerettet" - gar etabliert - sei die Hutzelproduktion lange nicht. Aber Hümmer gibt nicht auf: "Ob Geburtstag, Weihnachten, Ostern: Von mir gibt es immer Hutzeln."