Günther Jackl ist es gewohnt zu kämpfen. Als Fußballer und Fußballtrainer oder als Bezirksvorsitzender des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) hat der 46-Jährige schon so manchen Strauß ausfechten müssen. Und auch als Betriebsratsvorsitzender des Unternehmens "Fränkische" in Königsberg gibt es Kontroversen, denen er sich stellen muss.

Umso mehr verschafft es ihm Genugtuung, wenn ein Kampf erfolgreich ausgetragen wird, wenn am Ende eine Lösung steht, für die er sich eingesetzt hat. Dabei, so betont er, gehe es ihm nicht um ihn selbst, sondern um seine Kollegen, denen er als Betriebsratsvorsitzender eines der größten Unternehmen im Kreis Haßberge helfen will. In Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung, mit der stets auf einer vertrauensvollen Basis verhandelt wird, wie beide Seiten unterstreichen.

Als einen großen Erfolg verbucht Jackl die Belegschaftsstiftung der "Fränkischen", die vor einigen Jahren in die Wege geleitet wurde und seit dem vergangenen Jahr läuft. Mittlerweile ist sogar die Hans-Böckler-Stiftung, die sich als das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bezeichnet, auf die Stiftung aufmerksam geworden und hat sie als ein "solidarisches Stück Sicherheit" für die Beschäftigten in Königsberg gelobt. Mit der Stiftung könne man Menschen unterstützen, die unverschuldet in Not geraten sind, beschreibt Günther Jackl die Kernidee.


Die Vorgeschichte

Wie ist die Stiftung entstanden? Der Königsberger Hersteller von Rohrsystemen hatte vor einigen Jahren einen Fonds für die Einführung des Entgeltrahmentarifvertrages (ERA) ansparen müssen. Die Firma musste dieses Geld indes nicht in Anspruch nehmen. 760 000 Euro waren sozusagen übrig.

Was tun mit der Summe? Viele Mitarbeiter wollten, erinnert sich Jackl, dass das Geld einfach an die Mitarbeiter ausbezahlt wird. Aber besser wäre es, meinten er und andere Verantwortliche, wenn es in die Infrastruktur der Mitarbeiter des Unternehmens investiert würde. Es gab verschiedene Ansätze: ein Fitnessstudio für die Mitarbeiter oder Wellness-Gutscheine oder eine Kinderbetreuung in der Firma. Kein Vorschlag überzeugte.

Da brachte Günther Jackl von einem Betriebsrätetag die Idee von der Belegschaftsstiftung mit. Es sollte eine Stiftung sein, die in Not geratenen Mitarbeitern hilft. Überzeugungsarbeit musste geleistet werden. Zunächst im Betriebsrat selbst und dann in der Belegschaft. Die Geschäftsleitung war gleich von der Idee angetan, aber sie forderte, dass die Belegschaft mitgenommen werden musste und hinter der Stiftung steht.

Das tat sie dann, als ein konkreter Fall die Möglichkeiten der Stiftung deutlich machte: Ein Mitarbeiter, der seit 40 Jahren im Unternehmen tätig war, erkrankte und konnte nicht mehr arbeiten. Er fiel in die Erwerbsunfähigkeit - mit dem Anspruch auf eine Rente, mit der man kaum leben kann. "Du bist mit Krankheit der ärmste Mensch, selbst in einem reichen Land wie Deutschland", weiß Günther Jackl.

Mittlerweile sind aus dem einen Fall, in denen die Stiftung hilft, drei geworden. Zwei von ihnen bekommen eine monatliche Unterstützung, einer hat eine einmalige Zuwendung erhalten. Eine einmalige Zahlung ist laut Stiftungsrecht einfacher möglich, bei einer monatlich wiederkehrenden Unterstützung verlangt das Stiftungsrecht, deren Einhaltung die Regierung von Unterfranken in Würzburg überwacht, dass strenge Kriterien eingehalten werden. Der, der die Hilfe beansprucht, muss nachweisen, dass er sie auch bekommen darf. Ein weiterer Mitarbeiter, der Unterstützung gewünscht hatte, wurde, wie Jackl schildert, zum Beispiel abgelehnt, weil er ein zu hohes Barvermögen hatte.


Alle profitieren

Aktuell kann die Stiftung jährlich über eine Summe von 23 000 Euro verfügen. Möglich ist das, weil die 760 000 Euro aus dem nicht benötigten Fonds quasi als Kredit an das Unternehmen gewährt werden. Die Firma profitiert, weil sie auf diese Weise weniger Darlehen auf dem freien Markt aufnehmen muss. Die Belegschaft profitiert, weil die Zinsen, die das Unternehmen dafür zahlt, als Summe zur Verfügung stehen, die die Stiftung für ihren Zweck einsetzen kann.

Wer Unterstützung bekommen soll, entscheidet der Stiftungsbeirat. Darin sind sechs Personen; drei werden von der Arbeitgeberseite benannt, drei von der Arbeitnehmerseite (Betriebsrat). In der Regel werden Anträge auf Unterstützung über den Betriebsratsvorsitzenden an den Beirat herangetragen.

Günther Jackl ist mittlerweile ein bisschen stolz darauf, dass die Belegschaft die Stiftung mitträgt. "Wir erreichen nicht alle", sagt er, "aber wir erreichen die, die es nötig haben." Und einige hundert Euro Unterstützung im Monat können einem Menschen, der unverschuldet in Not geraten ist, sehr helfen - "damit man nicht in Armut fällt", so Jackl.


Die Geschäftsleitung macht mit

Das sieht auch der Chef des Unternehmens so. Otto Kirchner, der Geschäftsführende Gesellschafter der Firma "Fränkische", wertet die Stiftung als eine gute Einrichtung. "Wir haben die Idee mitgetragen", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Kirchner fand "die Lösung von Anfang an gut", weil sie als eine Art Netz in Härtefällen helfen könne und auch weil sie "unserer sozialen Einstellung" entspreche (das Unternehmen engagiert sich über den Firmenauftrag hinaus in vielfacher Weise für die Menschen in der Region und für die Kommunen). Die Stiftung hat laut Kirchner die Rückendeckung des Unternehmens. Sie sei "aus sozialen Aspekten förderungswürdig", sagt der Firmenchef.