Jürgen Gerling hat seit zwei Jahren mittwochs einen festen Termin. Da sitzt der Haßfurter neben Peace Uwineza aus Eltmann und zeigt ihr den Umgang mit dem PC. Geduldig erklärt er ihr gängige Programme, zeigt, wie man sich für berufliche Zwecke im Internet bewegt oder Mails schreibt.

Auch der frühere Pressesprecher des Landratsamtes, Martin Schulze-Röbbecke, ist wie Gerling Bildungspate: Er hat seinen Schützling zur Integrationsprüfung begleitet, schrieb Ministerien an und sorgte dafür, dass Zeugnisse übersetzt und anerkannt wurden.

Deutsche Sprache lernt sich zu zweit leichter

Und der dritte Fall: Ihrem Patenkind Steffi Hely-Pelami hilft seit mehr als zwei Jahren Monika Hoffmann. Das gescheite Mädchen mit Migrationshintergrund konnte so von der Mittel- in die Realschule wechseln.

Die Bedeutung solch bürgerschaftlichen Engagements stand bei einem Kongress des Bundesfamilienministeriums in Berlin im Mittelpunkt. Vertreter des Mehrgenerationenhauses Haßfurt hatten dafür eine Einladung bekommen und waren in Berlin. Denn die Haßfurter Einrichtung ist seit März 2012 einer von 15 Modellstandorten für Patenschaften, Bildung und Netzwerke für Integration.

Seit 2008 unterstützt das Familienministerium mit der Migrationsbeauftragten der Bundesregierung das bürgerschaftliche Engagement für junge Zuwanderer und regt solche Patenschaftsprojekte an.

Ministerialrat Dieter Hackler stellte, wie die Vertreter des Mehrgenerationenhauses Haßfurt in Berlin hörten, fest: "Paten übernehmen einen wichtigen Part in der Gesellschaft."

27 000 Ehrenamtliche sind derzeit in Deutschland aktiv, um junge Menschen mit Zuwanderungshintergrund zu unterstützen. Die Zahl gab Ministerin Kristina Schröder bekannt.

Über 30 ehrenamtliche Helfer am Werk

Im Kreis Haßberge sind aktuell mehr als 30 ehrenamtliche Bildungspaten aus Haßfurt und weiteren Orten aktiv. Ob bei Hausaufgaben, Schulabschlüssen, dem Übergang von der Schule in die Ausbildung, der Vorbereitung von Bewerbungsgesprächen oder beim täglichen Leben - die Unterstützung kann vielfältig sein und richtet sich nach den Bedürfnissen. Die Paten sind Vorbilder und öffnen eine Türe in das gesellschaftliche Leben Deutschlands.

Die Vertreter aus Haßfurt berichteten bei Workshops in Berlin über ihre Erfahrungen. Im Landkreis Haßberge laufen Projekte unter der Überschrift "Stark für Erfolg". Dabei begleiten Bildungspaten Familien und deren Kinder bei Bildungsübergängen. Die Schülerin Liman Djamalova erfuhr Hilfe durch die Studentin Anna-Lena Münchmeier. Monika Hoffmann gibt zugewanderten Frauen und Männern Deutschunterricht. Weiter bestehen vielfältige Patenschaften durch Berufsschüler in Haßfurt.

Die Paten sind ganz unterschiedlich. Einige haben selbst Hilfe durch einen Paten erfahren. Akademiker sind dabei, Arbeiter, Ruheständler, Schüler.

Die Studentin Anna-Lena Münchmeier gibt eine Meinung wieder, die viele Paten teilen: "Ich betätige mich ehrenamtlich, weil ich gerne mein Wissen an andere weitergebe. Gerne helfe ich denen, die nicht einmal mit ihren Eltern, die unsere Sprache nicht beherrschen, hier in Deutschland deutsch reden können und somit daheim keine Hilfe bekommen können und einfach kein Geld haben, sich eine Nachhilfe zu leisten."

Netzwerke

Vom Bundeskongress, der die Schaffung von Netzwerken in den Fokus rückte, verspricht sich das Mehrgenerationenhaus viel, denn an einigen Stellen sind die Freiwilligen an Grenzen geraten. Aktuelles Beispiel: Der Deutschkurs von Monika Hoffmann verzeichnete so viel Zulauf, dass die engagierte Frau aus Prappach an ihre Grenzen stieß. Allein schafft sie es nicht.