Wette verloren. Nichts war's mit den 1000 Besuchern. Zur Strafe dürfen sie heuer nicht mehr auftreten. Das Saisonabschluss-Konzert der Rattelsdorfer Band "Wednesday Project" hielt musikalisch allen Erwartungen stand, der Saal dem vergleichsweise schwachen Zustrom auch. Die Discobusse glichen am Samstag Geistershuttles, das "U-Night", wo sich sonst die Disco-Generation drängelt, eher einem Seniorenheim. Die Begleitmusik indes war nicht dezent, sondern richtig heavy.

Mission gescheitert

Die "Mission 1000", wofür Frontmann Reinhold Schmid über Facebook eifrig die Werbetrommel gerührt hatte, schlug also fehl. Falsche Werbschiene oder falsche Zielgruppe. "Das mit den 1000 Besuchern hat gar nicht gelingen können, denn unser Saal ist nur für 950 genehmigt", fand Hallenbesitzer Stefan Kaiser eine andere Erklärung. Kaisers langjährige Erfahrung hat ihn gelehrt, dass Live-Bands "nicht mehr so ziehen".
"Verdammt lang her" also, dass Coverrock die Massen lockte.

Und doch schwelgten beim Abschlussgastspiel der "Mittwochs-Rocker" die Getreuen in Nostalgie, hüpften auf der Tanzfläche umher, als wäre ein Bandscheibenvorfall kein medizinisches sondern ein technisches Phänomen. Das amüsierte die jungen Besucher, die ihrer Lebensphilosophie ("am Samstag geht's nauf zum Kaiser") gefolgt waren, köstlich, da sich so mancher Späthippie zu den Klängen von "Child in time" oder "Music (was my first love)" förmlich verrenkte.

Zurück in Jugendzeiten

Die Zeitreise führte auch Keyboarder Friedrich Müller in die Tage seiner Jugend zurück. "Ich hab hier mal mit Rockstage gespielt als Vorgruppe der Münchner Freiheit, und ein paar Mal mit Sidney, aber das ist bestimmt schon 25 Jahre her", erinnert sich "Fidi", wie ihn die Schulfreunde aus den Tagen am Eberner Gymnasium jetzt noch nennen. Viele davon sind am Samstag zum "Klassentreffen" gekommen. "Da waren wir noch jung", himmelte ihn eine mittlerweile 50-Jährige an.

Für die anderen Musiker war es sogar eine Premiere, auf dieser Bühne zu stehen, die schon viele Talente hat kommen und gehen sehen. Zu den besten Gitarristen, die dort je ihre Finger über die Saiten huschen ließen, gehörte zweifelsohne Peter Oechsler, der am Samstag zudem mit Thomas Wenzel noch Verstärkung erhielt, der als gelegentlicher Aushilfs-Klampfer bei mehreren Liedern einstieg und für manch neue Sound-Nuance sorgte. Von wegen "one guitar", wie es bei "Juke box hero" von "Foreigner" heißt.

Vorgruppe für "Foreigner"

Der Auftritt im Vorprogramm der Foreigner-Rocklegenden in Lichtenfels war der Höhepunkt des Jahres für die Wednesday-Musiker. "Wenn Du da die Bühne hinten runter gehst und siehst, wie viele Gitarren da rumhängen, kannst Du nur staunen", hat Reinhold Schmid den Unterschied zwischen Hobby- und Profimusiker ausgemacht. Der Sänger, im Hauptberuf Rechtsanwalt in einer Bamberger Kanzlei, blickt denn auch zufrieden auf das Jahr zurück. "Wir hätten 50 Gigs spielen können, aber das lassen Beruf und Familie gar nicht zu."

Und so soll es auch im nächsten Jahr bleiben. "So um die 20 Auftritte" versprechen die Musiker aus Rattelsdorf und Umgebung. Jetzt soll während der Winterpause ein neues Programm zusammengestellt werden. "Proben", verrät Friedrich Müller, denn sei heuer wegen der vielen Auftritte gar nicht mehr möglich gewesen. Und im nächsten Jahr muss es "das ein oder andere Bierzelt auch nicht mehr sein", schraubt Müller den Tourplan zurück.

Wiederhören am Dreikönigstag

Wer's überprüfen will, wie's mit den Proben und dem neuen Repertoire geklappt hat: Der nächste Auftritt steht beim Dreikönigsrock in Leimershof auf dem Plan. Keep on rockin (in a free world) und dann sind wir alle schon wieder ein Jahr älter und kommen einem Ziel immer näher: dem Rock'n'Rollator.