So kalt ist das Mainwasser im Sommer nicht. So dreckig auch nicht. Trotzdem wagen sich nur wenige in den Fluss. Dieter Stecher (Technischer Leiter der Wasserwacht Kreis Haßberge) sieht nur selten ein paar Schwimmer im Haßfurter Main, auf der Höhe des Parkplatzes an der Straße "Tränkberg". Vor hundert Jahren sah das anders aus. Da gab es sogar Schwimmbäder im Main.

Das Gute: Dieter Stecher kann sich an keinen Einsatz der Wasserwacht in den vergangenen 15 Jahren erinnern, bei dem ein Main-Schwimmer im Kreis Haßberge gerettet werden musste. "Wir reden hier kreisweit von einer sehr überschaubaren Zahl an Schwimmern", sagt Stecher. Selbst die wenigen gingen nur an heißen Tagen zur Abkühlung in den Fluss.

Für Anna Stauffer ist das Schwimmbad im Sommer keine Alternative zum natürlichen Gewässer. Sie kommt bei gutem Wetter fast jede Woche zum Campen nach Sand. So oft sie kann, durchschwimmt sie den Sander See. Manchmal drei, vier Mal am Tag. "Da hat's kein Chlor wie im Schwimmbad. Und die paar Algen kann man abduschen", sagt Stauffer. Bis in den angrenzenden Main schwimmt sie zwar nicht. Aber das liegt nicht am Unwillen, im Fluss zu schwimmen, "sondern der ist mir zu weit vom Campingplatz entfernt."

Im 19. Jahrhundert war der Main mit Schwimmern reich bevölkert, schrieb der Zeiler Heimatforscher Ludwig Leisentritt in einem Artikel von 2008. Zwischen 1850 und 1855 förderten die damaligen Ämter in Haßfurt und Eltmann das Baden im Main. Jede am Main liegende Gemeinde sollte unter Beratung von flusskundigen Schiffern eine passende Badestelle ermitteln und abstecken. Die Regierung in Würzburg wies 1857 darauf hin, dass es eine bekannte Erfahrung sei, "daß öfteres Baden insbesondere in fließendem Wasser, zur Erhaltung und Beförderung der Gesundheit sehr viel beiträgt, indem dasselbe die Thätigkeit der Haut anregt und solche stärkt, die gleichmäßige Cirkulation des Blutes bewirkt und die Funktion der Organe regelt". Hunderte Menschen schwammen im Kreisgebiet an warmen Tagen in dem Fluss. Das gibt es heute nicht mehr zu sehen.

Flussbäder am Ende

Die Infrastruktur im und am Main ist mittlerweile eine andere. Mit dem Zunehmen der Schiffahrt durften die Flussbäder am Main nicht mehr genutzt werden und die Attraktivität für Schwimmer nahm ab. Verboten wurde das Baden im Main aber nie: Nur in der Nähe von Brücken, Häfen und Schleusen (im Landkreis Haßberge bei Ottendorf, Limbach und Knetzgau) ist es mittlerweile untersagt. In der Nähe von Industrie und Kläranlagen "ist es zumindest nicht zu empfehlen, da Abwässer in das Fließgewässer geleitet werden", sagt Leonhard Rosentritt, Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Bad Kissingen. Bedenklich dreckig sei das Mainwasser aber nicht, meint Rosentritt. Und völlig ungefährlich für Badende, wenn nicht "große Mengen geschluckt werden."

Heikel wird das Baden oder Paddeln nur, wenn die Strömung unterschätzt oder der Schiffsverkehr nicht berücksichtigt wird. "Der Main ist eine Bundeswasserstraße, das darf man nicht vergessen", sagt Helko Fröhner vom Wasser- und Schiffartsamt in Schweinfurt. Erst vergangenen Samstag wurde eine Ruderin in Schweinfurt verletzt, als sie mit ihrem Boot in den Sog eines Frachtschiffs geriet und fast überfahren wurde. Die 17-jährige Sportruderin sprang in den Fluss, unmittelbar bevor ihr Ruderboot von dem Frachter unter Wasser gedrückt wurde. Deshalb sprach das Wasser- und Schiffahrtsamt jetzt eine Warnung aus.

Verbote für Schwimmer

"Die Frau hatte Glück. Das hätte anders ausgehen können", sagt Fröhner. Und erklärt, wo nach der offiziellen Badeverordnung das Baden und Schwimmen auf der ganzen Breite des Mains nicht erlaubt ist: Von 100 Meter oberhalb bis 100 Meter unterhalb von Wehr- und Schleusenanlagen, einschließlich der Schleusenvorhäfen, Kraftwerksanlagen, Hafeneinfahrten und Brücken. Um nicht mit Schiffen zu kollidieren, müsse ein ausreichender Abstand nach allen Seiten eingehalten werden (seitlich 30 Meter, in Fahrrichtung 300 Meter).

Wie 100 voll beladene Lkw

"Durch die Höhe von Bug und Ladung haben Schiffe einen sehr großen Sichtschatten: Wenn Sie den Kapitän im Steuerhaus nicht sehen können, sieht er Sie auch nicht", warnt Fröhner und macht deutlich: "Wenn ein Frachtschiff bremst, ist das wie wenn 100 voll beladene Lkw auf flüssigem Grund halten wollen."

Wo weder Schiffe noch Schleusen, Wehren und Brücken den Main kreuzen, darf auf eigene Gefahr gebadet werden. Nur sonderlich beliebt ist er nicht, der Main als Schwimmbad. Im Gegensatz zu anderen natürlichen Gewässern im Landkreis wie den fünf Badeseen (Goßmannsdorfer, Augsfelder, Westheimer, Sander und Horhäuser See). Vielleicht weil dort keine Schiffe fahren.