Ein tierischer Fall wurde vor kurzem am Amtsgericht Haßfurt verhandelt. Der Angeklagte: ein 28-jähriger Autofahrer aus dem Kreis Haßberge. Das Opfer: eine Mischlingshundedame. Der Schaden: 729, 59 Euro am Kühlergrill des VW Golfs des Angeklagten.

"Ich habe ernsthafte Zweifel, ob dieser Unfall überhaupt stattgefunden hat", konfrontierte Richter Roland Wiltschka den Angeklagten. Denn wie durch ein Wunder war der Wagen schwer beschädigt, während der Hund (ein Mischling aus Spitz und Dackel) unverletzt das Weite suchte.

"Ich habe die Bremsen gehört und dachte, das war`s mit dem Hund", beschrieb der Hundebesitzer den Unfallhergang. Der Hund hatte sich beim Gassigehen von der Leine losgerissen und war in dem kleinen Ort im Landkreis Haßberge auf die Straße gerannt.

Unfall nachdatiert

Einen Zusammenprall will der Hundehalter nicht beobachtet haben. "Ich habe mir das Auto gar nicht angesehen, sondern bin gleich meinem Hund hinterher", schilderte er dem Richter. Der Hund habe im Hof eines benachbarten Grundstücks unverletzt auf ihn gewartet. Also habe er mit dem Autofahrer vereinbart, den Schaden über die Versicherung laufen zu lassen.

"Aber Sie hatten zu dem Zeitpunkt doch gar keine private Tierhaftpflichtversicherung", hakte Roland Wiltschka nach. Damit traf er einen wunden Punkt. In der Folge mühte sich der als Zeuge geladene Hundebesitzer wortreich, dem Richter seine Unschuld zu beteuern. Der Amtsrichter wiederum war vielmehr daran interessiert herauszufinden, was genau Tierhalter und Autofahrer vereinbarten.

Denn das Ergebnis der Begegnung war schließlich ein Versicherungsbetrug. Dieser flog nur auf, weil der Angeklagte sein Auto am 16. April 2012 in die Werkstatt brachte, bei der Schadensmeldung an die Versicherung aber den 20. April als Unfalltag angab. Die (nachträglich abgeschlossene) Tierhalterhaftpflichtversicherung erkannte den Schwindel und zahlte nicht.

Unfall nachdatiert

"Warum haben Sie denn ein falsches Datum angegeben?", wollte der Richter vom Angeklagten wissen. "Ich war zu gutgläubig", versuchte der sich herauszureden.

Der Hundehalter hätte ihm gesagt, er solle den Unfall nachdatieren. Inzwischen hat er von dem Hundebesitzer auf zivilrechtlichem Weg 500 Euro eingeklagt, die dieser nun in Raten abstottert.

Gegen seinen eigenen Strafbefehl über 40 Tagessätze zu je 15 Euro legte der 28-Jährige Einspruch ein.
"Ich glaube nicht an diesen Unfall", wiederholte Roland Wiltschka. Er machte dem Angeklagten und seiner Verteidigerin Ariane Hehn klar, dass er bei einer Weiterverfolgung des Falls auf ein Gutachten des Veterinäramts und einer Autowerkstatt bestehe.

Sollte sich herausstellen, dass der Hund den Schaden nicht verursacht habe, hätte der Angeklagte auch mit einer Anklage wegen Prozessbetrugs zu rechnen. Eine Vorstellung, die den Autofahrer anscheinend erschreckte: Er nahm seinen Einspruch zurück.