Wenn er auf sein (Vorfahrts-)Recht gepocht hätte, hätte es schon mehrfach gescheppert. Der Hausbesitzer aus der Mannlehen-Siedlung trat schon mehrfach in die Pedale vor einem der beiden Kreisel in der beschaulichen Wohnlage. Denn er weiß: Dort gilt die Rechts-vor-links-Regel.

Doch in der einstigen Kreisstadt hat sich noch nicht bei jedem Verkehrsteilnehmer herumgesprochen, wer Vorfahrt hat. Das gilt für verkehrsberuhigende Anlagen (Rondelle) wie in der Siedlung, wie diese Kreisel, in der Straßenverkehrsordnung offiziell bezeichnet werden, wie auch für die Kreisverkehre am Gasthof Post, am Friedhof/Edekamarkt, an der FTE-Zufahrt, am einstigen Tegut-Markt wie auch ab 2016 an der Einmündung von Gymnasiums- und Albrecht-Dürer-Straße in die Coburger Straße, wo derjenige Vorfahrt hat, der sich als erster auf der Kreisfahrbahn befindet.


Verkehrszeichen entscheidend

Die Unterscheidung ist eigentlich ganz einfach, findet zumindest Berthold Schineller, Verkehrsexperte der Polizeiinspektion Ebern: "Der eine ist mit Verkehrszeichen, der andere ohne. Ohne Verkehrszeichen gilt die Regel 'Rechts vor Links'. Hier handelt es sich nicht um einen Kreisverkehr im Sinne der Straßenverkehrsordnung." Von Unfällen in den Siedlung-Kreiseln ist Schineller bisher aber nichts bekannt.

Anders in der Kreisverkehren in der Innenstadt, die an allen Einfahrten durch die Schilder "Vorfahrt achten" wie auch "Kreisverkehr" markiert werden. Dort scheppert es schon gelegentlich, weil einfahrende Verkehrsteilnehmer partout nicht einsehen wollen, dass die Fahrzeuge, die sich schon im Rundkurs befinden, Vorfahrt haben. "Deswegen kracht es schon ab und zu, aber die Folgen und Schäden sind weitaus geringer als an anderen Kreuzungen, da vor einem Kreisverkehr in der Regel abgebremst und langsamer gefahren wird."

Diejenigen, die's zu schnell lieben, landen dann meist im Mittelpunkt, der Kreisinsel, die nur bei Mini-Kreiseln, wie am Gasthof Post überfahrbar bleibt, um wegen der engen Radien den Lastwagen noch Spielraum zu lassen.


Fußgänger haben Vorrang

Was Kreisel und Kreisverkehr gemeinsam haben: Beim Ausfahren aus dem Rundkurs muss stets - wie beim Rechtsabbieben - der Blinker gesetzt werden.

Und noch eine Vorgabe trifft beim Kreisverkehr wie beim verkehrsberuhigenden Rundkurs zu: An den Ausfahrten haben Fußgänger den Vorrang gegenüber den Autos. PHK Schineller: "Autofahrer sind gehalten, besondere Vorsicht walten zu lassen und nötigenfalls anzuhalten."

Eine ganz andere Untugend wurde beim Ortstermin mit dem Experten der Polizei in der Mannlehen-Siedlung noch von Anliegern angesprochen. Die Rundbauten in der Verkehrsführung werden schlichtweg ignoriert. "Die schneiden den Weg einfach ab und steuern gleich links rum anstatt den Rundkurs auszufahren. Und das passiert nicht nur einmal am Tag", hat ein Anwohner gleich mehrere solcher "Geisterfahrer" an einem Tag beobachten, denen die Bedeutung der Schildes "rechts vorbeifahren" anscheinend völlig fremd ist. Sie nehmen die Abkürzung, obwohl das Sichtfeld durch die Bepflanzung auf der Kreisel-Insel deutlich eingeschränkt ist.